Doppelte Wende in der BRD

Zwischendurch mal was Langweiliges:

Ein Wort, zwei Bedeutungen. Nichts Besonderes, aber im Fall des Wortes Wende doch bemerkenswert.

Bis 1982 bedeutete „Wende“ alles Mögliche und nichts Bestimmtes. Dann kam Kohl und rief die geistig-moralische Wende aus. In den 1980er Jahren war der Begriff also klar besetzt. Man konnte von „Wende“ sprechen und jeder verstand einen: Hin zu mehr Konservatismus und regelmäßigen Frisörbesuchen für Männer. Wobei realiter zur selben Zeit die „Flick-Affäre“ ins öffentliche Bewusstsein trat: Kohl, Strauß, Lambsdorff und ähnliche Gestalten waren bestechlich, was man schon immer ahnte, aber nicht belegen konnte. Mit der geistig-moralischen Wende Kohls war es also so eine Sache. Immerhin hatten die Protagonisten korrekte Frisuren.

Die „Revolution“ von 1989 in der DDR löste diesen Wendebegriff innerhalb kurzer Zeit und radikal ab. Unter Wende verstand spätestens ab Mitte 1990 kein Mensch mehr das rechtskonservative Gedöns von Kohl, sondern die politischen Ergebnisse des bürgerrechtlichen Engagements der Ostdeutschen. Diese Bedeutung hat sich bis heute erhalten.

Manchmal ändert sich bei einer Wende nix:

Wende

Der Begriff BRD hat einen ähnlich radikalen Bedeutungswandel hinter sich: In den 1970er Jahren noch Teil des linken Sprachguts, um das lange „Bundesrepublik Deutschland“ zu vermeiden und eine Analogie zur Abkürzung „DDR“ herzustellen. Der Staat wurde nicht anerkannt. Wer „BRD“ sagte, war Kommunist. Heute ist BRD der übliche Sprachgebrauch von Rechtsextremisten, die unter Deutschland nicht das heutige Staatsgebilde verstehen. Von Deutschland reden diese Leute erst wieder, wenn es von der Maas bis an die Memel reicht und ein Führer das Sagen hat.

Der Begriff BRD hat sozusagen eine Wende hinter sich. Die Linken reden jetzt wieder von Deutschland.

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2 Antworten zu Doppelte Wende in der BRD

  1. hanneswurst schreibt:

    Jetzt verstehe ich! Horst Mahler hat einfach immer nur von der BRD geredet, seine Ideologie ist ein ruhender Pol inmitten der vom Chaos hin- und hergerissenen Normalbürgergesellschaft. Es ist wie der alte Witz vom Geisterfahrer, der im Verkehrsfunk hört, dass ein Geisterfahrer auf seiner Autobahn unterwegs ist und verärgert ruft: „Ein Geisterfahrer? Ich sehe hunderte!“ Nur dass er tatsächlich der einzige Nicht-Geisterfahrer ist, die anderen haben sich auf den Verkehrsfunk verlassen. Und der wird von der GEZ beherrscht, die wiederum von der amerikanischen Ostküste gesteuert wird. Obama ist ein Roboter aus Kautschukimitat und wurde von Cheney und Rumsfeld mit Hühnerfüßen und dem Blut eines doppelköpfigen Widders zum Leben erweckt.

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  2. genova68 schreibt:

    Sehr gut erkannt. Ergänzend empfehle ich diesen Artikel:
    https://exportabel.wordpress.com/2007/11/02/krieg-wurde-hitler-aufgezwungen/

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