Deutsche, kauft nicht bei Israelis!

Vor ein paar Tagen fragte mich ein Mitarbeiter der Seite www.mein-parteibuch.com per Mail, ob ich etwas dagegen hätte, wenn mein Blog dort als Newsfeed gespiegelt wird. Ich kannte die Seite nicht, schaute mich ein wenig um, entdeckte im Newsfeed so angenehme Blogs wie die Nachdenkseiten und Kritik-und-Kunst und sagte zu. Allerdings wird auf mein-parteibuch.com auch zum Israel-Boykott aufgerufen. Daraufhin kam es zu einem kurzen Mailverkehr mit dem Mitarbeiter, in dem er sich ein paar Mal bemerkenswert äußerte.

Zum Beispiel so:

„Es gibt keinen Staat auf der Erde, in dem es ein derart menschenverachtendes Regime wie in Israel gibt. Es gibt außer Israel kein Land, das sein Staatsgebiet durch Siedlungen und gewaltsame Vertreibungen von rassisch als minderwertig empfundenen Menschen täglich vergrößert. Es gibt außer Israel kein Land, in dem die Regierung jedes Jahr Tausende Menschen einer als minderwertig empfundenen Rasse mit schweren Waffen ermordet.“

Ich habe auf mein-parteibuch.com kein anderes Land gefunden, über das so negativ berichtet wird. Israel scheint in der Tat das schlimmste Land der Welt zu sein.

Nur, um das klarzustellen: Es gibt eine Menge Gründe für Kritik an der israelischen Politik. Doch wenn man sich alleine im Nahen Osten umschaut, fallen einem die Menschenrechtsverletzungen im Iran, in Saudi-Arabien oder in Syrien ins Auge, um nur drei Beispiele zu nennen. Oder wie wäre es mit dem Sudan?

Davon abgesehen: Die Situation im Nahen Osten ist so kompliziert, dass es sich verbietet, einseitig Partei zu ergreifen. Die Palästinenser leiden unter der israelischen Politik, Israel würde von der Landkarte verschwinden, wenn es nach dem Willen der Nachbarn ginge. Letztlich ist die Judenvernichtung durch die Deutschen zwischen 1933 und 1945 Ursache der verfahrenen Situation.

Auch nicht von schlechten Eltern ist dieser Auszug unseres Mailverkehrs:

„Obendrein hat das rassistische Apartheidregime von Israel auch
entsetzliche Auswirkungen für den Rest der Welt. Nachdem der Wunsch von Netanjahu aufgegangen ist, dass es einen gewaltsamen Regimechange im Irak geben soll und dieser nun einer Million Menschen das Leben gekostet hat, versucht die israelische Regierung jetzt, einen noch fürchterlichen Krieg gegen den Iran anzuzetteln. Und wozu das alles? Um von der fortgesetzten rassistischen Besiedelungspolitik in der Westbank abzulenken.“

Israel trägt also die Schuld für den Irakkrieg, und bläst nun zum Inferno gegen den Iran, und zwar als Ablenkungsmanöver. Der Jude ist offenbar an allem Schuld. Pardon, der Israeli.

Wie kommen angebliche Linke, noch dazu Deutsche, auf die Idee, Israel, die einzige halbwegs funktionierende Demokratie der Region, als das menschenverachtendste Land der Welt hinzustellen? Und wie sieht der Israel-Boykott konkret aus? Nicht hinfahren? Keine israelischen Waren kaufen? Auch nicht in jüdischen Geschäften in Deutschland? Deutsche, kauft nicht bei Juden?

Der Fairness halber erwähne ich noch, was dem ominösen Mitarbeiter als Fernziel vorschwebt:

„Aus Israel und den besetzten bzw belagerten Gebieten ein säkulär
verfasstes Land zu machen, in dem gleiche Rechte für alle gelten, in dem Recht und Gerechtigkeit nicht mehr davon abhängt, ob jemand den Schriftzug „Jude“ oder „Araber“ im Ausweis hat.“

Wie das funktionieren soll, wenn man vorher Israel zum Reich des Bösen erklärt und zu allen anderen Menschenrechtsverletzungen schweigt, ist mir schleierhaft.

Ich weiß nicht, wer real hinter dieser Seite steckt. Ich habe auch weder Lust noch Zeit, das zu recherchieren. Wenn sich aber solche Leute als links bezeichnen, muss man sich nicht wundern, wenn Linken Antisemitismus unterstellt wird.

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29 Antworten zu Deutsche, kauft nicht bei Israelis!

  1. sekobach schreibt:

    Hallo exportabel. Danke für diesen Beitrag! Unser bescheidener Blog ist auch auf dem Mein Parteibuch Ticker, den ich ebenso sehr schätze wie den Parteibuchblog selber, vor allem aufgrund des Versuchs eine kritische Öffentlichkeit herzustellen.

    Die Form der Israelkritik sehe ich aber ähnlich skeptisch wie du. Dass Kritik an der israelischen Politik nicht nur möglich sein muss, sondern notwendig ist, angesichts der massiven Verbrechen, gestehe ich den Parteibuchlern ja noch ein, aber der absolut einseitige Fokus auf Israel hat mehr als einen faden Beigeschmack. Mit Apartheids und Boykott Sprüchen begibt man sich dann tatsächlich in Teufelsküche…

    Der antiimperalistische Ansatz wird soweit durchexerziert, dass jegliche Differenzierung vergessen wird. Dabei geht es meines Erachtens weniger um Religion und „Rasse“ in diesem Konflikt, als um Herrschaft und Ausbeutung….

    Ein Grund auch warum sich die Palästinenser von Abbas und der Fatah abgewandt haben: Diese Eliten haben kräftig mitgemischt die Palästinenser zu knechten. Stattdessen wenden sich diese der autoritären aber wohl eher egalitären Hamas zu und die Freiheit des Individuums bleibt wieder einmal auf der Strecke…

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  2. jitzchak45 schreibt:

    guter beitrag mit einigen wichtigen einsichten, wie ich finde.

    zu kritisieren (falls es kleinkariert erscheint, bitte ich dies zu entschuldigen) ist aus meiner sicht lediglich die verwendung des verbs „unterstellen“ angesichts des linken antisemitimus.
    großen teilen der linken braucht mensch diesen gar nicht zu unterstellen er ist hier schlicht und ergreifend so vorhanden. sei es als antizionismus oder vermeintliche „israelkritik“ oder als struktureller antisemitismus, der sich in verkürzter kapitalismuskritik äußert.

    um missverständnissen vorzubeugen, ich habe nach wie vor trotz dieser verbreiteten tendenzen ein durchaus linkes selbstverständnis, das sich aber vom großteil der „bewegung“ (schreckliche phrase) wohl stark absetzt

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  3. genova68 schreibt:

    jitzchak, danke für deinen Beitrag.
    Über das Wort „unterstellen“ kann man streiten, in der Tat. Ich persönlich weiß aber nicht, ob die Leute vom Parteibuch Antisemiten sind oder nicht. Die extreme Fokussierung auf das „böse Israel“ legt es nahe. Andererseits würde ich sie schon in Schutz nehmen vor dem typisch rechten Antisemitismus, der alle Juden auslöschen will. Araber und Juden in einem Staat fände ich auch die sympathischste Lösung.

    Wichtiger finde ich generell die Frage, warum sich Menschen Feindbilder zurechtzimmern, und nichts anderes ist eine so einseitige Sichtweise. Muslime können davon heute auch ein Lied singen.

    Da du offenbar aus der antideutschen Ecke kommst, wirst du mir hier vielleicht widersprechen. Wobei ich deine Website angenehm finde. Aber hat „antideutsch“ nicht auch etwas mit einem Feindbild zu tun?

    Sekobach, wie heißt den euer Blog?

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  4. sekobach schreibt:

    @: genova68: unser blog ist http://blogpoliteia.wordpress.com ….

    finde diese diskussion besonders deswegen spannend, da ich eigentlich auch eher aus der antideutschen ecke komme.

    deswegen

    @ jitchak: die antideutschen vergessen, dass es trotz des kapitalismus als gesamtgesellschaftlichen verblendungszusammenhangs, der eine radikale gesellschaftskritik von nöten macht, es genauso akteure gibt. wenn man diese eliten ersetzen würde, würde sich vermutlich nicht viel ändern, aber diese nichtsdestotrotz üben diese entscheidenen einfluß aus. dann landet mitunter bei man bei sogenannten „verschwörungstheorien“, die wahlweise als strukturell antisemitisch, simplifizierend oder gleich als lächerlich dargestellt werden. so einfach ist die sache aber nicht…

    keine verschwörungstheorie ersetzt eine fundierte gesellschaftskritik, aber keine noch so „lange“ kapitalismuskritik, darf handelnde akteure vergessen. auch wenn ein großteil der antideutschen sich vom klassenkampf verabschiedet hat existiert er nach wie vor. und wenn nur von „oben“ ausgeführt durch eine ruling elite der kapitalisten. (vgl. krysmanski,domhoff, wright-mills, sutton, quigley, etc.)

    deswegen: jegliche verbesserung der gesellschaft muss an erster stelle an herrschaftsstrukturen ansetzen. der staat israel, ist wie jeder staat eine solche herrschaftsstruktur die kritisiert gehört. dass der umstand seiner entstehung einer besonderen aufmerksamkeit verdient, muss man allerdings auch erwähnen, ohne das dieser umstand zur herrschaftsideologie erstarrt, was meines erachtens aber schon geschehen ist. die form und die art in der die parteibuchmacher einen hohen anteil ihrer kritik und polemik an israel auslassen, ist aber nicht nur nicht geeignet diese herrschaftsideologie anzugreifen, sondern zielt genauso auf den juden unter den staaten: israel.

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  5. Hartmut schreibt:

    Guter Beitrag, ich sehe es im Wesentlichen genau so.

    @ jitzchak: Ob es sich um die Mehrheit der Linken handelt oder lediglich um eine lautstarke Minderheit, wissen wir nicht. Aber zweifellos gibt es diese Leute, die sich in ihrer Israel-„Kritik“ (mit Kritik hat dieses Geschimpfe natürlich herzlich wenig zu tun) gefallen.

    Da ich ne traffic-Nutte bin, dürfen die mich weiterhin verlinken (haha).

    lg

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  6. hanneswurst schreibt:

    Abgesehen von berechtigter Kritik an den politischen Verhältnissen in Israel gehörte das Antijüdische im 19. Jahrhundert schon zum ursozialistischen, romantisierenden Gedankengut, das im Nationalsozialismus eine paranoide Fortsetzung in Form des Antisemitismus fand. Die RAF hat dann einen Gang herausgenommen und nur noch die politischen Aspekte verdammt, konnte daher auch guten Gewissens die Ermordung der Olympioniken in München beklatschen. Das passiert, wenn man zu lange über „den“ Kapitalismus und „die“ Marktwirtschaft quatscht, dann denkt man auch irgendwann wieder über „die“ Industriellen und „die“ Juden nach.

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  7. genova68 schreibt:

    Ich glaube, man kann ohne Weiteres über „den Kapitalismus“ reden, ohne dass „die Juden“ eine Rolle spielen.

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  8. hanneswurst schreibt:

    Stimmt. Wenn Du das möchtest, werde zumindest ich nur noch über den Kapitalismus unter Auslassung der im Blogbeitrag von Dir eingebrachten Kritik an einseitigen antiisraelischen Tendenzen diskutieren.

    Und so möchte ich sagen, dass die Situation der Marktwirtschaft so kompliziert ist, dass es sich verbietet, einseitig Partei zu ergreifen.

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  9. Winfried Sobottka schreibt:

    Der unverhohlene Judenhass von http://www.mein-parteibuch.com sollte einem auch vor einem anderen Hintergrund zu denken geben:

    Nach Lage der Dinge ist http://www.mein-parteibuch.com ein verdecktes Staatschutz-Forum – des BRD-Staatsschutzes:

    http://meinparteibuchcom.wordpress.com/2009/06/07/mein-parteibuch-com-und-blog-de-pro-staatsschutz/

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  10. Katzenfreund schreibt:

    @geneva, @sekobach, @hartmut

    Hallo zusammen,

    ich habe leider die Diskussion hier gerade erst entdeckt, sonst hätte ich sicher schon eher hier mal dazu ein paar Worte gesagt.

    1. Wir haben uns intensiv mit dem Nahost-Konfilkt beschäftigt und sind nach der Recherche zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. Die Ursache des Nahost-Konfliktes ist im Zionismus zu suchen, der eine imperiale Kolonialisation mit Religion verschleiert. Der von Deutschen verbrochene Holocaust spielte dabei auch eine treibende Rolle, ist jedoch nicht für die Ursprünge der rassistischen Kolonisationsbewegung in den 20er Jahren verantwortlich. Es gibt unserer Meinung nach keine Rechtfertigung dafür, dass Palästinenser für deutsche Verbrechen bezahlen sollen. Wer sich für einen Einstieg in eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des Zionismus interessiert, dem möchte ich „Zionism in the Age of the Dictators“ von Lenni Brenner empfehlen. Den Text müsste es im Internet frei verfügbar geben.

    Einige unserer Recherergebnisse zu Israel finden sich auch im Parteibuch Wiki:

    http://www.mein-parteibuch.com/wiki/Israel

    2. Was in den besetzten und Gebieten geschieht, ist unserer Meinung nach mit den Worten Rassismus und Apartheid zutreffend beschrieben. Die Apartheid ist noch bedrückender, als sie es in Südafrika war. Gideon Levy hat dazu einen bemerkenswerten Artikel publiziert:

    http://zmag.de/artikel/201eschlimmer-als-apartheid201c

    3. Es sind in den letzten 40 Jahren zahlreiche israelische Siedlungen in allen Teilen der Westbank mit mehreren Hunderttausend Einwohnern entstanden. Eine Übersicht dazu gibt z.B. die israelische Friedensorganisation Peace Now:

    http://www.peacenow.org.il/data/SIP_STORAGE/files/8/3458.ppt

    Ich glaube nicht, dass es möglich oder wünschenswert ist, diese Israelis aus der Westbank zu vertreiben. Wenn das so ist, hat sich eine Zweistaaten-Lösung, wie sie derzeit von westlichen Politikern gefordert wird, wegen Nichtrealisierbarkeit erledigt. Aus einem Flickenteppich an eingezäunten Dörfern und Städten wird sich meiner Meinung nach kein lebensfähiger palästinensicher Staat erreichten lassen. Sollte das stimmen, dann gibt es meiner Meinung nach nur noch zwei Alternativen: entweder die Likudniks und andere Rechtsextremisten in Israel setzen sich durch und vertreiben die Palästinenser aus ihrer Heimat oder es gibt eine Lösung, wo alle Menschen, dort wo sie leben, miteinander leben.

    4. Ein bemerkenswertes Konzept, wie so etwas aussehen könnte, hat Ali Abunimah vorgelegt – One Country:

    http://electronicintifada.net/bytopic/store/548.shtml

    Was er vorschlägt, ist eigentlich gar nichts besonderes: alle Menschen sollen da wohnen bleiben, wo sie wohnen und jeder Mensch sollte die gleichen Rechte bekommen. Aufgrund der von Israel staatlich geförderten Besiedelung der Westbank durch israelische Siedler wird das praktisch nur noch in einem gemeinsamen Staat gehen.

    Wir könnten uns auch für jede andere Form eines halbwegs gerechten Friedens erwärmen, doch erscheint uns das Konzept eines gemeinsamen Staates, in dem alle Menschen gleiche Rechte haben, angesichts der existirenden Situation am realistischsten. In Südafrika hat das auch geklappt. Die Boykott-Kampagne gegen das rassstische Buren-Südafrika war dabei eine wichtige Hilfe.

    5. Mit unserem Boykott-Aufruf gegen Israel unterstützen wir Gegner von Rassismus und Apartheid. Ein Boykott-Aufruf gegen Israel ist keinesfalls gleichzusetzen mit einem Boykott-Aufruf gegen Juden. Im Gegenteil, jüdische Menschenrechtsaktivisten haben häufig einen sehr scharfen Blick für die krassen Menschenrechtsverletzungen in Israel und den besetzten Gebieten und sind führende Vertreter der Boykott-Bewegung. Die schärfsten Gegner des Boykotts finden sich hingegen typischerweise im rechtspopulistischen Spektrum der israelischen politischen Landschaft wieder. Politische Kräfte, deren Leitlinien aus den Menschenrechten und der Gleichberechtigung aller Menschen stammen, wurden innerhalb des israelischen Parteienspektrums völlig marginalisiert. Wer mehr darüber wissen möchte, möge mal einen Blick zu Steinbergrecherche rüberwerfen:

    http://www.steinbergrecherche.com/kritikanisrael.htm

    Die vom Likud in Israel marginalisierten menschenrechtsfreundlichen Kräfte innerhalb Israels sind meiner Meinung nach die einzige Chance für den Frieden in Nahost.

    6. Wir sind nicht fixiert auf Israel. Israel ist meiner Meinung nach ein Aspekt des gewaltsamen US-Imperialismus. Dieser US-Imperialismus ist aufgrund seiner Militärbasen in aller Welt, aufgrund seiner zahllosen Eroberungskriege und aufgrund seines gigantischen Militärbudgets in der Tat gegenwärtig einzigartig. Es gibt gegenwärtig kein anderes Land, das eine solche Militärmaschinerie unterhält und für soviel Leid in aller Welt verantwortlich ist. Und die Rüstungsindustrie der USA ist eng mit Israel verflochten. Schaut man genau hin, ist der Nahost-Konflikt kein religiöser oder völkischer Konflikt, sondern ein imperialer Konflikt, ganz ähnlich wie es die Konflikte in Guatemala oder El Salvador waren:

    http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=6122&Itemid=214

    7. Die Lobby der israelischen Rechten in den USA ist ungemein einflussreich. Diese Lobby wird meist fälschlicherweise als Israel-Lobby bezeichnet, obwohl man sie korrekterweise besser als Pro-Likud-Lobby bezeichnen sollte, erklären Walt und Mearsheimer:

    http://www.ipk-bonn.de/kultur/books/rezens/Mearsheimer_Walt_IsraelLobby.html

    Aus unserer Sicht ist es wichtig, von unten einen Gegendruck gegen diese extrem einflussreiche rechte Pro-Likud-Lobby zu entwickeln. Wir meinen, wir sollten uns beim Aufbau des öffentlichen Gegendrucks nicht durch Antisemitismus-Vorwürfe einschüchtern lassen. Die Vertreter der israelischen Rechten versuchen damit so ziemlich alle und jeden zu brandmarken, der es wagt, ihre Politik zu kritisieren. Selbst Evelyn Hecht-Galinski sollte wegen ihrer Kritik an der israelischen Rechten bereits als Antisemitin gebrandmarkt werden. Wir stehen Evelyn Hecht-Galinski gern zur Seite.

    8. Der israelische-palästinensische Konflikt hat enorme Bedeutung für die Weltpolitik. Der Druck der israelischen Rechten und ihrer Lobby in den USA ist, wie Walt und Mearsheimer es mit zahlreichen Quellen belegen, ein entscheidender Faktor beim Angriffskrieg gegen den Irak gewesen. Die israelische Rechte ist es auch, die seit Jahren die Kriegsplanungen gegen den Iran forciert. Siehe z.B. hier: „Ohne Israel-Lobby kein Irak-Krieg“

    http://derstandard.at/?url=/?id=3109094

    Unsere Recherchen haben uns zum gleichen Ergebnis geführt. Da wir strikt gegen Angriffskriege sind und wir diese für die größten Verbrechen auf dem Planeten halten, richten wir unseren Focus zwangsläufig häufig auf die Kriegstreiber: die Eroberungsstrategen in den USA und die Rechte in Israel, die seit Jahren hartnäckig versucht, einen Krieg gegen den Iran herbeizuführen.

    9. Wir sehen Judentum nicht als Volk und lehnen das in Israel gängige völkische Denken ab. Wir sehen das Judentum als Religion und wir treten dafür ein, dass niemand aufgrund seiner Religion diskriminiert wird, nirgendwo. Auch in dieser Frage wissen wir uns an der Seite großer Teile der restlichen israelischen Linken:

    http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=5529&Itemid=214

    10. Wir treten gegen rechtsextreme, völkische oder nationale Positionen ein, überall. So wie wir Rechtsextremisten, religiöse Fanatiker, Islamophobe und Judenhasser in Deutschland, Europa und den USA mit scharfen Worten bekämpfen, so bekämpfen wir sie auch in Israel mit scharfen Worten. Israel ist insofern ein besonders schlimmer Fall, als dass dort Rechtsextremisten die Regierung stellen.

    In anderen Ländern gibt es auch fürchterliche Menschenrechtsverletzungen – auch da klagen wir an. Israel ist jedoch insoweit eine Besonderheit, als dass die gravierenden Menschenrechtsverletzungen in den westlichen Medien nahezu vollständig ausgeblendet oder verzerrt dargestellt werden.

    Es gibt kein Land, dass eine ähnlich erfolgreiche Lobbyarbeit in den Medien wie Israel betreibt. Wir wllen, dass ein kritscher Blick auf Israel trotz des nahezu vollständigen Medienblackouts möglich wird.

    Ich hoffe, das hilft beim Verständnis unseres Boykott-Aufrufes, der gegen israelische Waren und Dienstleistungen richtet und keinesfalls gegen Juden. Der Boykott-Aufruf wird von zahlreichen namhaften jüdischen Persönlichkeiten und Organisationen unterstützt. Man lese hier beispielsweise ein Interview mit Uri Davis:

    http://www.soal.ch/apartheidstaat-israel-was-kann-israel-von-suedafrika-lernen

    Das sollte eigentlich allen, die uns Antisemitismus vorwerfen, zu denken geben.

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  11. genova68 schreibt:

    Katzenfreund,
    dein Beitrag ist viel zu lang. Wer soll das lesen, inklusive der Links? Soll ich mir eine Woche frei nehmen? Geh lieber auf meinen Artikel ein, aber das ist dir wohl zu konkret.

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  12. Katzenfreund schreibt:

    @geneva
    Die Auseinandersetzung mit geschichtlichen Lügen, gängigen Vorurteilen und sinnentstellenden Halbwahrheiten erfordert meiner Meinung nach eine gründliche und genaue Betrachtung. Das intellektuelle Vermögen, einen Text zu lesen, der die Länge eines durchschnittlichen Spiegel-Artikels nicht überschreitet, setze ich deshalb voraus. Wer sich mit dem einen oder anderen Punkt näher beschäftigen möchte, ist eingeladen, den jeweils als Link angegebenen Quellenangaben zu folgen.

    Ich habe als hier nicht von mir beantwortete Frage nur noch gefunden, wie soll der Boykott denn konkret aussehen soll. Das Boykott-Banner im Parteibuch-Blog ist verlinkt. Dahinter geht es zu einer umfangreichen FAQ, die genau diese Frage beantwortet:

    http://www.inminds.co.uk/boycott-faq.html

    Auf welche Teile deines Textes ist dir die Antwort denn ansonsten nicht konkret genug?

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  13. genova68 schreibt:

    Was ist mir nicht konkret genug?
    Siehe meinen Artikel.

    1. Ist Israel das menschenverachtendste Regime der Welt?
    2. Wie sieht es aus mit den Menschenrechtsverletzungen in den von mir genannten Staaten?
    3. Wo berichtet Ihr darüber?
    4. Gibt es auch einen Boykottaufruf gegenüber Saudi-Arabien, beispielsweise? Wenn ja, wo ist das entsprechende Logo auf Eurer Seite?
    5. Warum behauptet Ihr, dass Israel die Hauptschuld am Irakkrieg trägt?
    6. Findet Ihr es nicht merkwürdig, dass Ihr den Aufruf „Deutsche, kauft nicht bei Isrealis“ unterstützt? Und was, wenn der Besitzer des israelischen Ladens in Deutschland Jude ist? Stellst du dich mit einem Transparent vor den Laden und forderst den Boykott?

    Eure Israelkritik ist dubios, solange sie so einseitig ist.

    Aber das habe ich ja alles schon geschrieben.

    Ich kenne mich ja mit den vielen unterschiedlichen linken Strömungen nicht aus, aber Ihr kommt wohl aus der Ecke „Böse US-Imperialisten sind für das Übel in der Welt verantwortlich!“. Gähn.

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  14. sekobach schreibt:

    Hallo lieber katzenfreund.

    Es gibt eine Menge verdammt guter Gründe Kritik an Israel und am Zionismus zu äussern. Das ist unbestritten und die von dir angeführten Gründe gehören sicherlich dazu und man kann ihnen kaum widersprechen.
    Wie ich in meinem ersten Post jedoch geschrieben habe, geht es um die Form der Israelkritik.

    Dafür möchte ich speziell Punkt 6 deiner Begründungen aufgreifen:

    „Wir sind nicht fixiert auf Israel. Israel ist meiner Meinung nach ein Aspekt des gewaltsamen US-Imperialismus. Dieser US-Imperialismus ist aufgrund seiner Militärbasen in aller Welt, aufgrund seiner zahllosen Eroberungskriege und aufgrund seines gigantischen Militärbudgets in der Tat gegenwärtig einzigartig. Es gibt gegenwärtig kein anderes Land, das eine solche Militärmaschinerie unterhält und für soviel Leid in aller Welt verantwortlich ist. Und die Rüstungsindustrie der USA ist eng mit Israel verflochten. Schaut man genau hin, ist der Nahost-Konflikt kein religiöser oder völkischer Konflikt, sondern ein imperialer Konflikt“

    Hier würde ich euch widersprechen: Ich sehe schon eine starke Fixierung auf Israel. Mit dem gleichen Argument des imperialen Konflikts (das ich allerdings für richtig halte!) müsste so ziemlich jeder Staat einen Boykott Banner von euch erhalten. Das geschieht jedoch nicht. Frankreichs Rolle im Libanon, GBs Rolle im Irak, Chinas Rolle in Ostafrika, Deutschlands Rolle im Kosovo, Russlands Rolle in Tschetschenien etc. : Alles imperiale Konflikte!

    Aber wo sind die Boykott Deutschland/Russland/Frankreich/GB/China Banner (von USA ganz zu schweigen)? Diese wären zu ergänzen, wenn man dieses Argument bis zum Ende durchdenkt und nicht unbedingt der Israel Banner zu entfernen. Allerdings halte ich einen Boykott nicht unbedingt für das geeignetste Mittel um Herrschaft und Ausbeutungsverhältnisse anzugreifen und er sollte wenn schon, dann auch Unternehmen, Stiftungen, Clubs und diskrete Gesellschaften und Religionen genauso umfassen.

    Insofern ist die Kritik tatsächlich dubios, da sie so einseitig ist.

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  15. Katzenfreund schreibt:

    @genova68

    >1. Ist Israel das menschenverachtendste Regime der Welt?
    Innenpolitische Kennzeichen des israelischen Regimes sind Apartheid und Rassismus, Landnahme und Kolonilisation, außenpolitische Kennzeichen sind Angriffskriege zur kollektiven Bestrafung von Menschen in Ländern mit missliebigen Regierungen, zahlreichen geheimdienstlichen Mordaktionen und das Ausüben von Druck auf Verbündete zur Führung von Angriffskriegen. Das ist meiner Meinung nach in der Tat einzigartig menschenverachtend. Betrachtend vom Gesichtspunkt der Anzahl der Ermordeten ist jedoch die USA führend. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die einflussreiche Lobby des des israelischen Regimes dabei Druck auf die USA ausübt, noch mehr Menschen zu ermorden.

    >2. Wie sieht es aus mit den Menschenrechtsverletzungen in den von mir genannten Staaten?
    Selbst in der Darstellung der von dir verlinkten sehr parteiischen westlichen Organisation Amnesty International wird deutlich, dass die Menschenrechtsverletzungen von Israel weitaus schwerwiegender als die in den von dir genannten Ländern sind. Keines der von dir genannten Länder praktiziert ein staatliches Konzept von Landnahme zur Ausweitung des eigenen Lebensraumes, Besatzung, Apartheid und Rassismus. Keines der von dir genannten Länder verfügt im Westen über eine annähernd ähnlich starke Lobby zur Manipulation von Medien und Politik. Das heißt nicht, dass es in den genannten Ländern keine Menschenrechtsverletzungen gibt.

    >3. Wo berichtet Ihr darüber?
    Über die Menschenrechtsverletzungen in diesen Ländern berichten die Bild-Zeitung, der Spiegel, die Zeit und andere staatstragende Medien ähnlicher Qualität reichlich. Wir berichten vornehmlich, was diese Medien weglassen und wie sie die Berichterstattung verdrehen.

    >4. Gibt es auch einen Boykottaufruf gegenüber Saudi-Arabien, beispielsweise?
    Wie wäre es, mach mal einen substantiierten Boykottaufruf, wir würden den sicherlich unterstützen. Saudi-Arabien ist, auch wenn es außenpolitisch längst nicht so brutal und einflussreich wie Israel ist, ein Staat aus der Steinzeit.

    Wenn ja, wo ist das entsprechende Logo auf Eurer Seite?
    Entwerf mal eine Kampagne und ein paar Logos, wir werden das sicherlich unterstützen. Gern werden wir den Boykott-Aufruf auch damit koppeln, sich für alternative Energiequellen und für andere Energielieferanten als die Marionettenregimes der USA einzusetzen.

    >5. Warum behauptet Ihr, dass Israel die Hauptschuld am Irakkrieg trägt?
    Der Regime-Change im Irak wurde 1996 von Richard Perle, Douglas Feith, Meyrav und David Wurmser und anderen Staatslobbyisten des Likud im Auftrag vom damaligen Israel-Premier Netanjahu geplant. Das kannst du nachlesen in der Studie: A Clean Break. Die israelische Likuniks haben zusammen mit ihren Fronorganisationen in den USA dann versucht, Bill Clinton in Richtung Krieg gegen den Irak zu bewegen. Das ist öffentlich in einem offenen Brief dieser Personen dokumentiert. Nach dem Antritt von George W. Bush haben diese Likud-Lobbyisten führende Positionen im Kriegsapparat der USA bekommen. Mit einer Reihe von gefälschten Beweisen, die Personen um Douglas Feith und Paul Wolfowitz im „Office of Special Plans“ fabriziert haben, wurde der Krieg gegen den Irak durchgesetzt. Diese Aktivitäten sind inzwischen so gut bekannt, dass es zu diesem „Office of Special Plans“ sogar schon einen Wikipedia-Artikel gibt:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Office_of_Special_Plans

    Den israelischen Likudniks ist es damit erfolgreich gelungen, Friedensverhandlungen mit den Palästinensern zu verhindern, so dass die israelische Besatzung und Besiedelung des Westjordanlandes weitergehen konnte.

    Hauptursache des Irakkrieges war der Druck der Likud-Lobby zur Neuordnung des nahen Ostens. Das Interesse, die irakischen Ölquellen zu erobern, das beispielsweise ein Motiv von Dick Cheney gewesen sein dürfte, war ein eher sekundäres Interesse.

    >6. Findet Ihr es nicht merkwürdig, dass Ihr den Aufruf “Deutsche, kauft nicht bei Isrealis” unterstützt?
    Wir unterstützen den Aufruf: „Boykottiert den Apartheidsstaat Israel“. Einen Aufruf, „Deutsche, kauft nicht bei Israelis“ unterstützen wir nicht.

    Und was, wenn der Besitzer des israelischen Ladens in Deutschland Jude ist?
    Gegenfrage: Was tun, wenn ein aggressiver Rechtsextremist nicht deutsches Mitglied der NPD, sondern jüdisches Mitglied der Kach ist?

    Stellst du dich mit einem Transparent vor den Laden und forderst den Boykott?
    Wir werden nicht mit Transparenten zu einzelnen Läden ziehen.

    Es geht nicht um den Boykott jüdischer Läden, sondern um den Boykott israelischer Waren. Es gibt keinen Grund, nicht zum Aufruf des Boykotts von geraubten Produkten aus Besatzungsgebieten und Produkten der Unterstützer der Besatzung aufzurufen, egal wo sie verkauft werden.

    @sekobach
    >Frankreichs Rolle im Libanon, GBs Rolle im Irak, Chinas Rolle in Ostafrika, Deutschlands Rolle im Kosovo, Russlands Rolle in Tschetschenien

    Keines dieser Länder übt ein rassistisches Besiedelungsprogramm in den imperialisch kontrollierten Gebieten aus. Es gibt beispielsweise kein staatlich gefördetes Programm zur Ansiedelung von rassisch als Deutschen geführten Menschen im Kosovo, um mit diesen gegenüber den Einheimischen bevorzugten Deutschen das Kosovo zu einem Teil eines großen Deutschlands zu machen. Doch genau das ist es, was die Regierung von Israel in der Westbank seit Jahrzehnten macht. So etwas gibt es seit Südafrika nirgendwo mehr. Das unterscheidet die Kolonialisationspolitik Israels qualitativ vom Rest der Welt.

    >(von USA ganz zu schweigen)
    Die Verbrechen der USA sind seit Jahren ein umfangreiches Thema im Parteibuch. Auf unserer Startseite prangt an prominenter Stelle seit langem ein großes Banner, mit dem wir Vincent Bugliosi dabei unterstützen wollen, George W. Bush wegen Massenmordes den Prozess zu machen.

    >Allerdings halte ich einen Boykott nicht unbedingt für das geeignetste Mittel um Herrschaft und Ausbeutungsverhältnisse anzugreifen
    Ob ein Boykott-Aufruf die richtige Form ist, auf das Problem „Apartheid in den von Israel besetzten Gebieten“ aufmerksam zu machen, darüber kann man natürlich unterschiedlicher Meinung sein. Wir fühlen uns durch unsere bisherigen Erfahrungen in unserer Meinung bestätigt, dass dieser symbolische Boykott-Aufruf zum Nachdenken und zu Diskussionen über die unhaltbaren Zustände in den besetzten Gebieten anregt. Wenn hier als Ergebnis der Diskussion herauskommt, dass die Zustände in Israel äußerst kritikwürdig sind, dann ist das meiner Meinung nach schon mal ein richtiger Schritt. Ich halte es für wichtig, überhaupt Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es in der angeblich „einzigen einigermaßen funktionierenden Demokratie im nahen Osten“ gibt, die zudem noch ein besonders enger Verbündeter Deutschlands ist, sehr ernste Defizite wie zum Beispiel Apartheid gibt. Die Medienberichterstattung ist leider völlig einseitig.

    > auch Unternehmen, Stiftungen, Clubs und diskrete Gesellschaften und Religionen genauso umfassen.
    Ein Boykott-Aufruf müsste Hunderte dieser Seilschaften, die in Israel den Ton angeben und im westlichen Ausland über enormen Einfluss verfügen, umfassen. Hier Öffentlichkeit herzustellen, halte ich auch für wichtig, jedoch die Form eines Boykott-Aufrufes für weniger geeignet. Ich halte es für wirksamer, Strukturen und Einflussbereiche dieser Organisationen offenzulegen. Die Seite Organisationen im Blog Politeia ist auf dem Auge der Likud-Lobby übrigens noch eher schwach besetzt. Wenn es dich interessiert, hier mal ein paar interessante Stichworte zu mächtigen Clubs zum Nachschlagen im Parteibuch Wiki oder zum selber Googlen:

    AIPAC, Bnai Brith, Chabad Lubawitch

    Daneben gibt es Organisationen der amerikanischen Rechten, wo die Likud-Lobby auch recht stark vertreten ist wie z.B.:

    American Enterprise Institute, Hoover Institution, Christians United for Israel

    Im Parteibuch haben wir bemerkenswerte Dinge zu einer ganzen Reihe dieser Organisationen offengelegt.

    Und natürlich nicht vergessen, da gibt es noch die israelischen Geheimdienste, zu denen nur sehr wenig definitiv bekannt ist, aber das, was bekannt ist, oft sehr kritikwürdig ist, wie z.B. Operation Susannah, USS Liberty oder Lillehammer-Affäre, um nur ein paar bekannte Stichworte zu nennen.

    Ganz besonders bemerkenswert ist auf jeden Fall der pro-israelische Medieneinfluss, der, wie sich bei der Operation Cast Lead gezeigt hat, besonders in Deutschland enorm ist.

    Vielleicht habe ich dich damit ja so neugierig geacht, dass du selbst anfängst, dazu zu recherchieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Recherchen das Thema Israel-Lobby, das eigentlich besser Likud-Lobby heißen sollte, neben einem unglaublich starken Gegenwind viele Überraschungen mit sich bringen.

    Meine Recherchen haben ergeben, dass der in Israel grassierende religiös verbrämte Rassismus, das darauf aufbauende rechtsextreme Regime von Israel und sein enormer Einfluss Ursache zahlreicher unhaltbarer Zustände ist, die weit über Israel hinaus gravierende Auswirkungen haben.

    Ich denke, wenn das so ist, dann soll man das auch in aller Deutlichkeit sagen. Mit dem Vorwurf der Einseitigkeit der Kritik kann ich leben. Kritik an einem Missstand ist immer ein Stückchen weit einseitig. Ich denke, Kritik, die sich nicht auch ein Stück weit fokussiert, läuft leer.

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  16. hartmut schreibt:

    Hallo Katzenfreund

    a) wir müssen uns nicht über Selbstverständlichkeiten unterhalten. Leute, die anläßlich von Rabins Ermordung johlend und jubelnd duch tel-Avibv zogen, habe ich immer als das bezeichnet, was sie sind: rassistisch-faschistisches Gesindel. Auch müssen wir nicht streiten darüber, dass die israelische Siedlungspolitik vökkerrechtswidrig ist (von ein paar Intellektuellen-Nutten abgesehen bestreitet das kein Völkerrechtler). Durch diese Siedlungspolitik will Israel – alles Abstreiten ist sinnlos – fait accomplis schaffen und weiter gar nichts. (In der Kritik an der Siedlungspolitik weiß ich ja sogar Henryk Broder auf meiner Seite. Mal sehen, wann die ersten „Antisemit!“-Vorwürfe an Broder adressiert werden – oder sind sie das längst?) Im übrigen gilt für die Siedlungspolitik der alte Tallyerand-Satz „Das war schlimmer als ein Verbrechen, das war ein fehler, Sir!“

    b) Was Du nicht siehst sind die Anteile der muslimischen Welt in diesem Dauerkonflikt. Das israelische Angebot von 1967: Abgelehnt! jahrzehntelang wurde die Lebenslüge von der „Rückkehr“ aufrecht erhalten.

    c) Dass Israel Lobbyismus betreibt, ist schon klar (tut jeder Staat), und dass es, wie jeder Staat, lügt bis zum Balkenbiegen, wenn es seinen vorgeblichen Interessen dient, stimmt natürlich auch. Nur philosemitische Seppels bestreiten das, und die kann man nicht Ernst nehmen. Aber Deine Andeutungen, die ja ein Stück weit auf ein „Israel rules the world“ hinauslaufen, sind schon atemraubend. Warum wohl unterstützen die USA Israel? Weil jüdische pressue groups den Staatsapparat der USA unterwandert haben? Blödsinn: Weil Israel der vorgeschobene Posten der USA ist. Die konservativen Israelis sind so dumm – soviel zur jüdischen Cleverness! -, ihre Haut für die globalstrategischen Interessen des Westens zu Markte zu tragen, und jubeln dabei auch noch. Belohnt werden sie mit viel „Exodus“-Pathos und peinlichem Juden-Geschmuse. Der Westen hat seinen Antisemitismus in Nah-Ost entsorgt, den schwarzen Peter an die Muslime weitergereicht und schlägt dadurch mehrere Fliegen mit einer Klappe. Die muslimische Welt wiederum ist überwiegend so dumm, die Rolle als neuer Judenhasser auch noch anzunehmen. Das ist doch das Schlimme an Nah-Ost: Ein Spiel, in dem sich alle drei Seiten verrannt haben. Klug hat sich da keiner Verhalten.

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  17. genova68 schreibt:

    Tja. Katzenfreund, ich glaube, deine Sichtweise ist schlicht zu extrem, zu schwarz-weiß, und das geht in diesem Konflikt nun mal gar nicht.

    Wenn du meinst, ist Israel auch innenpolitisch das menschenverachtendste Regime der Welt. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich trotzdem lieber in Israel leben statt in Saudi-Arabien, Nordkorea oder im Sudan. Und zwar unabhängig, welche Hautfarbe oder Religion ich habe.

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  18. Katzenfreund schreibt:

    @hartmut
    Wir halten Broder nicht für einen geeigneten Maßstab.

    @genova
    Versuch mal Betlehem oder eine andere Stadt in den besetzten Gebieten als Wohnort. Natürlich mit arabischen Papieren. Hier ein paar Eindrücke von deinem zukünftigen Weg zur Arbeit:

    Und hier sind noch ein paar generelle Eindrücke von einem Land, in dem die Städte und Dörfer eingezäunt und ein Verlassen nur mit Permits möglich ist:

    Wir werden auch weiterhin deutlich auf Probleme aufmerksam machen.

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  19. sekobach schreibt:

    Das wird mir zu umfangreich. Danke dir Katzenfreund auf jeden Fall für deine Mühen und Hinweise. Den anderen Diskussionsteilnehmer.

    Dennoch kurz:
    Du schriebst anfangs:
    >Schaut man genau hin, ist der Nahost-Konflikt kein religiöser oder völkischer Konflikt, sondern ein imperialer Konflikt

    und später bzgl. Russland, China etc. …:

    >Keines dieser Länder übt ein rassistisches Besiedelungsprogramm in den imperialisch kontrollierten Gebieten aus.

    Völkischer oder imperialistischer Konflikt, ganz sicher scheints du dir auch nicht zu sein.

    Die einseitige deutsche Unterstützung für die faschistische UCK hatte für mich völkische und antiserbische Momente, auch wenn die Deutschen nicht selber am Siedeln sind. Lässt sich auch in einen größeren historischen Kontext einordnen, Stichwort: „Serbien muss sterbien“.

    Und China im Tibetkonflikt könnte man ebenfalls als völkischen Konflikt in einem imperialen verstehen, auch wenn ich jetzt nicht der große Tibet Fan bin.

    >Die Seite Organisationen im Blog Politeia ist auf dem Auge der Likud-Lobby übrigens noch eher schwach besetzt. Wenn es dich interessiert, hier mal ein paar interessante Stichworte zu mächtigen Clubs zum Nachschlagen im Parteibuch Wiki oder zum selber Googlen:

    AIPAC, Bnai Brith, Chabad Lubawitch

    Die beiden ersten sind mir bekannt. Werden auch früher oder später Aufnahme finden, das verspreche ich!

    Im Endeffekt geht es meines Erachtens um Herrschaft und Ausbeutung in Israel und sonstwo auf der Welt. Diese sollte boykottiert werden…

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  20. sekobach schreibt:

    Korrektur: Im zweiten Satz oben gilt mein Dank auch den anderen Diskussionsteilnehmern….

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  21. A.Bundy schreibt:

    mein-parteibuch.com ist ein spin off von mein-parteibuch.de des Verschwörungsschwurblers Marcel Barthels, dass heute mit tatkräftiger Unterstützung dieses Hernn geführt wird.
    „nemetico“ aka Pedro Kreye http://www.pedro-kreye.net/ ist ein ganz besonders ekelhaftes Exemplar der Gattung patologischer Antisemit. Im bürgerlichen Leben komplett gescheitert, tobt sich dieser Mutant unter seinem Pseudonym in diversen Internetforen und Blogs aus. Zum Beipiel hier http://nemetico.twoday.net/ oder hier http://linkpin.de/30de7w.
    Ganz gern aber auch hier http://www.radio-utopie.de/2008/02/28/Fairness-fuer-die-Topmanager!#extended oder hier http://linkpin.de/j1qm7h. Und wenn er nicht gerade mit seiner völkische Volkstanzgruppe http://nhz.twoday.net/ im Frühtau durch die Wiesen hüpft und sich neue, noch nie dagewesene Paarungsrituale ausdenkt, erbricht er sich als Chefpropagandist im Blog des paranoiden Verschwörungsdödels Marcel Barthels http://www.mein-parteibuch.com/blog/. Oder er liefert seine Ergüsse an andere, ganz besondere Exemplare der antisemitischen Szene http://www.steinbergrecherche.com/journalist.htm#Assheuer. Dieser spezielle Mitbürger definiert sich selbst so: “ Ich bin zum Teil jüdischer Abstammung, aber ich bekenne mich nicht zum Judentum. Ich bin also kein Jude. Ich habe keine Angst vor Auseinandersetzungen mit irgendeiner religiös gebundenen Gemeinschaft.“ und seine Ambitionen so: „Gegenstand meiner Internetseite ist Herrschaft. Ich suche nach Möglichkeiten zum Abbau von Herrschaft und ihrer schließlichen Beseitigung. Israel ist ein Land. Ich kritisiere seine Herrscher. Israels Herrscher, ihr Kapital, ihre Regierung und ihr Staatsapparat, sind verbündet mit denen, die mich beherrschen – teils direkt, teils auf dem kurzen Umweg über die US-Herrscher. Deshalb schenke ich den israelischen Herrschaftsverhältnissen mehr Aufmerksamkeit als zum Beispiel den nordkoreanischen oder iranischen. Aufgrund meiner Herkunft glaube ich, zum Verständnis speziell der israelischen Herrschaftsverhältnisse beitragen zu können.“ Nachzulesen hier http://muslimmarkt.de/interview/2004/steinberg.htm. Besonders an letztgenanntem hat Judenhasser „nemetico“ seine wahre Freude!

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  22. genova68 schreibt:

    Ich schließe mich sekobach an: Danke, Katzenfreund, für deine Ausführungen, auch wenn ich sie für teilweise abenteuerlich halte. Das erste Video ist aber heftig.

    Die Beiträge von Sobottka wie auch dem Typen direkt über mir hinterlassen bei mir allerdings den Eindruck, dass man das Thema anders angehen sollte, weniger entschieden, weniger fanatisch. Je radikaler die Kritik (egal von welcher Seite), desto sinnloser wird das alles.

    Das einzige, was ich hier sicher sagen würde: Schwarz-Weiß-Denken geht nicht. Muss auch nicht sein. Hirn und Herz sind zu mehr in der Lage.

    Katzenfreund, falls du das noch liest: Nimm mich bitte aus deinem Newsfeed raus. Dennoch nichts für ungut,
    genova

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  23. ThomasXY schreibt:

    Mein Senf:

    – Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, in dem du als Frau ein gleichberechtigtes Leben führen kannst.
    – Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, in dem man sich offen zu seiner Homosexualität bekennen könnte.
    – Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, in dem du in aller Öffentlichkeit Kritik an der Regierung üben kannst (tun die israelischen Bürger laufend).
    – Israelische Araber haben mehr Rechte und Freiheiten als die Araber in den umliegenden Ländern.
    – Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, das Religionsfreiheit gewährt.

    Vieles von dem, was Katzenfreund schreibt, strotzt vor Israelhass, Antiamerikanismus und generellen Hass auf den Westen.

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  24. bersarin schreibt:

    @ Thomas XY

    Hier muß ich Dir uneingeschränkt und absolut recht geben. Es sind zwar eigentlich Binsenweisheiten, doch für einige Menschen muß man sie immer einmal wieder in das Gedächtnis hineinrufen. Bei mancher berechtigter Kritik, die man an Israel durchaus üben kann, so wie man sie an vielen demokratischen Staaten üben mag, könnte die Diskussion zwar etwas ausgeprägter stattfinden, aber die meiste Kritik ist, auch in Israel selbst, öffentlich formulierbar. Ausnahme mag vielleicht die Kritik an bestimmten Aktionen der Armee sein. Dies ist aber zu recht dem beständigen Ausnahmezustand geschuldet, in dem sich Israel dank der umliegenden arabischen Staaten befindet. Die Lage der Palästinenser ist in Israel selbst durchaus diskutierbar und wird auch kontrovers diskutiert. Die Lage der Kopten in Ägypten oder der Juden im Iran ist öffentlich überhaupt nicht diskutierbar.

    Vor allem aber ist Israel das einzige Land im Nahen Osten, in dem freien Wahlen möglich sind. Alle Ihre angeführten Punkte werden von der völlig einseitigen Israel-Kritik ganz bewußt außer acht gelassen. Dies hat naturgemäß ideologische Gründe.

    Vor allem aber wird in der Diskussion eines immerzu hübsch unterschlagen: Wie wohl würde sich Katzenfreund gegenüber einem Gegner verhalten, der beständig damit droht, ihn, seinen Blog und alles, was von seinem Fleisch ist, in das Meer zu treiben? Kaum würde er traurig maunzend mit treuen Hundeaugen daneben stehen und diesem Treiben zusehen, bis keine Blicke mehr möglich sind.

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  25. Ralf schreibt:

    Ich würde mich niemals bei einem Antisemiten bedanken, egal, wie katzenfreundlich er im Kommentarbereich eines Weblogs „Auskunft“ gibt. Ganz besonders eklig sind mir jene Katzenfreundlichen, die sich für rot halten, in Wirklichkeit aber so braun sind wie gewisse menschliche Ausscheidungen.
    Vielen Dank an A. Bundy übrigens für seine hochinteressanten Ausführungen.
    Lang lebe Israel, das zusammen mit den USA und der Bundesrepublik Deutschland zu den großartigsten Ländern dieser Erde gehört!

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  26. Pingback: Warum der Palästinenserchef die WM im TV schaute « Exportabel

  27. alf schreibt:

    MeinParteibuch.com strotzt nur so vor dummheit, ressentiment und judenhass, wer das nicht gleich beim ersten kurzen drüberlesen der seite bemerkt sollte sich mal mit dem thema antisemitismus beschäftigen. Die seite ist linker nazidreck in reinform

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  28. Pingback: Wurde „mein-braunes-parteibuch.com“ vom Mossad ermordet? « Weltverschwörungsblog

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