Unter Mutterkomplexlern

Jan_FleischhauerDas Buch des Spiegel-Redakteurs Jan Fleischhauer (Bild) „Unter Linken“ ist nach dem, was man im Vorabdruck des Spiegel lesen konnte, dämlich, deshalb schreibe ich nichts dazu. Nur soviel: Es wird die alte Mär aufgetischt, dass „Linke“ die Deutungshoheit hätten und alle anderen sich immerfort rechtfertigen müssten. Eine in neurechten  Kreisen beliebte Theorie. Dann schreibt Fleischhauer, dass es „in der Meinungswirtschaft praktisch nur Linke“ gebe. Warum fallen mir jetzt die Namen Broder, Steingart und Matussek ein, allesamt beim Spiegel unter Vertrag? Immerhin ist das Buch an manchen Stellen lustig. Egal.

Interessant ist aber die bei Amazon zu dem Buch gehörende Rubrik „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch…“. Da werden folgende Geistesblitze aufgeführt:

  • Gabor Steingart: Die Machtfrage. Ansichten eines Nichtwählers
  • Wolfram Weimer: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Warum die Krise uns konservativ macht.
  • Josef Joffe: Wie man politisch unkorrekt ist.
  • Henryk Broder: Kritik der reinen Toleranz.
  • Dietmar Bittrich: Achtung Gutmenschen! Warum sie uns nerven.
  • Hugo Müller-Vogg: Volksrepublik Deutschland. Drehbuch für die rot-rot-grüne Wende.

Politische Schundliteratur von anerkannten Rechtspopulisten also. Wobei Joffe wenigstens hin und wieder etwas Interessantes in der Zeit veröffentlicht.

Leute, die ein dummes Buch lesen, bleiben auf dem Level offenbar hängen und kaufen sich gleich ein paar andere dumme Bücher.  Mir fällt die Theorie der Wissenskluft ein. Demnach wird der Unterschied zwischen gebildeten und ungebildeten Menschen im Laufe des Lebens immer größer, weil die Ungebildeten nie von der Bildzeitung (und den oben zitierten Büchern) wegkommen, weil ihnen der intellektuelle Zugang fehlt. Wobei man dann immerhin ein paar linkspopulistische Bücher lesen könnte.

Die bei Amazon zitierten Pressestimmen sind auch lustig. Der mittlerweile greise Barrikadenstürmer Arnulf Baring jubelt in der Welt:“Endlich! Wie lange hat man auf dieses Buch gewartet, das überfällig war.“ Was geht in jemandem vor, der auf dieses Pamphlet allen Ernstes lange gewartet hat?

Noch besser ist eine Julia Encke, die in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Herrn Fleischhauer bescheinigt: „Sein Mut ist unerhört“. Wahrscheinlich ist sie auch der Meinung, dass man als Nicht-Linker total mutig sein müsse.

Harald Jähner beschreibt dieses Phänomen in der Berliner Zeitung als Mutterkomplex. Bei den Fleischhauers (Mutter: SPD-Mitglied!) gab es weder Nesquik, weil von Nestlé, noch Cola, weil imperialistisch: „Noch heute verdrückt Jan Fleischhauer, inzwischen 47 Jahre alt, ab und zu einen Burger von McDonald´s mit dem prickelnden Gefühl eines heimlichen Widerstandsaktes“.

Es wäre ja am besten, Jähner hätte recht mit seiner Vermutung. Dann wären die Linken wenigstens selbst schuld daran, dass ihre Kinder einen Schaden haben.

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7 Antworten zu Unter Mutterkomplexlern

  1. Lou schreibt:

    Hallo hallo, jemand zuhause? Julia Enckes Satz vom „unerhörten Mut“ ist IRONIE, schon mal gehört? Geschweige denn den ganzen Text gelesen?

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  2. genova68 schreibt:

    Jaja, habe ich mittlerweile auch gemerkt. Ich hatte den ganzen Text NICHT gelesen, sondern nur den Satz, der bei Amazon abgedruckt war. Mittlerweile habe ich ihn gelesen. Wobei Amazon die Ironie auch nicht gemerkt hat, obwohl die den ganzen Text hatten. Ich bin also auf den Irritationsversuch von Amazon hereingefallen. Was aber an der Aussage meines Artikels nichts ändert.

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  3. Max Krapp schreibt:

    “Noch heute verdrückt Jan Fleischhauer, inzwischen 47 Jahre alt, ab und zu einen Burger von McDonald´s mit dem prickelnden Gefühl eines heimlichen Widerstandsaktes”.

    Ich hab fast das Vollkornknäckebrot (Als linker Körnerfresser, der ich nun mal bin) auf dem Monitor verteilt. Herrlich, mehr davon!

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  4. Pingback: Fleischhauer: Rechte haben Humor « Exportabel

  5. ThomasXY schreibt:

    „Politische Schundliteratur von anerkannten Rechtspopulisten also“

    Also, wer Hugo Müller-Vogg und Henryk Broder als Rechtspopulisten diffamiert, beweist im Grunde nur, dass Fleischhauer mit seinen Behauptungen gar nicht so Unrecht hat…

    Besonders witzig finde ich dabei das Wörtchen „anerkannt“…

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  6. genova68 schreibt:

    Mit „Rechtspopulisten“ kommen die beiden Hampelmänner doch noch gut weg. Oder liest du sowas etwa auch?? Das kann ich mir nicht vorstellen.

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  7. Micha W. schreibt:

    Was Fleischhauer m.E. fehlt ist Selbsthumor … der fehlt vielen Linken bzw. Pseudolinken und Konservativen ebenso. Insofern fällt es Fleischhauer auch nicht schwer vom sog. linken ins konservative Lager zu wechseln.
    Ob ich nun rote Socken anhabe oder schwarze ist nur ein äußeres Zeichen.

    Wirklich interessant wird’s erst (wieder), wenn ich einen roten und einen schwarzen Socken anziehen, diese wahlweise auch mal wechseln kann und das alles – selbstreflektiv – auch noch zu erklären versuche. Da kann man sich dann gern bei Woody Allen Anleihen suchen …

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