Deutsche Wirtschaft: Wir sind Ethik

Auch nicht schlecht: Es gibt einen „Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V.“. Das alleine wäre eigentlich schon eine Meldung wert.

Aber es geht noch weiter: Dieser Ethikverband wirft laut Welt nun den linken Parteien vor, „soziale Unruhen herbeizureden“. Das sei nicht gut, man fürchtet „großen Schaden für die Wirtschaft“. Die Begründung ist immerhin ehrlich: Ethik ist offenbar nur dazu da, größere Profite einzufahren.

Namentlich greifen die Ethiker Gesine Schwan an, die demnächst Bundespräsidentin werden will. Sie spiele mit den „Ängsten der Menschen“, wenn sie vor sozialen Unruhen warne, sagt der Verbandschef Ulf Posé. Woher Posé die Ängste der Menschen kennt, würde mich interessieren. Zumindest weiß er, warum Frau Schwan sich so verhält: „Sie möchte bestimmte Bevölkerungsgruppen ansprechen, um ins Präsidentenamt zu gelangen“. Wer die bestimmten Bevölkerungsgruppen sind, sagt Posé nicht.

Man sollte dem Ethikpapst bei Gelegenheit mitteilen, dass der Bundespräsident nicht von der Bevölkerung gewählt wird.

Überhaupt sei die „Stigmatisierung von Managern“ ein „Missbrauch ethischer Grundsätze“, sagt Klaus-Jürgen Grün, die rechte Hand von Posé im Ethikverein und Philosophieprofessor in Frankfurt. Um welche Grundsätze handelt es sich hierbei genau? Keine Angabe. Danach folgt in dem Artikel in der Welt noch ein bisschen pseudophilosophisches Geschwätz. Und schließlich der bemerkenswerte Satz:

„Der von Politikern und Bürgern eingenommene Standpunkt der Ethik richtet nicht selten großen Schaden an“.

Schaden meint hier wahrscheinlich wieder, dass durch Ethik zuwenig Geld verdient wird.

Ethik als zweckrationale Veranstaltung. Was Ethik ist, bestimmen nun die Manager. Je mehr Gewinn gemacht wird, desto mehr Ethik. Wenn andere den Vorwurf mangelnder Ethik machen, kontern die Wirtschaftsethiker das mit der Feststellung, der Vorwurf sei populistisch. Natürlich beschreibt das der Ethikverband auf seiner Website ganz anders. Ein nur schwer zu ertragendes, sinnfreies Geplapper, fast schon sektiererisch. Aber auch hier sind sie in einer Feststellung offenherzig: „Letztlich sind Ethiken wie alle anderen Ansprüche der Menschen von Interessen getrieben“.

In diesem Zusammenhang ist auch ein taz-Interview mit dem Protestforscher Roland Roth lesenswert. Es geht um die Frage, ob das Wutpotenzial in Deutschland für massive Proteste ausreicht. Roth glaubt das nicht, im Gegensatz zu der Situation in Frankreich.

Mag sein. Vielleicht kann deshalb ein „Ethikrat“ in Deutschland den Begriff, um den es geht, so lange verdrehen, bis die Manager die einzig ethisch handelnden Personen sind.

Es kann aber auch sein, dass irgendwann das Fass voll ist. Ulf Posé und Herr Grün werden sich dann sicherlich wieder beschweren, diesmal über die unethischen Massen. Wenn man sie noch lässt.

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Eine Antwort zu Deutsche Wirtschaft: Wir sind Ethik

  1. hanneswurst schreibt:

    Die Altherren des Verbands hatten eben Ethik noch nicht als Pflichtfach, kannten nur beten und beichten und haben Matthäus 25, 29 komplett in den falschen Hals bekommen: „Wer hat, dem wird gegeben werden und wer nicht hat, dem wird auch noch genommen werden, was er hat.“

    Liken

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