Deutscher will unbedingt Jude sein

Skurril: Der frühere langjährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hamburg, Andreas Wankum, ist gar kein Jude. Das behauptet zumindest der aktuelle Vorsitzende der Gemeinde, Ruben Herzberg. Er spricht von „arglistiger Täuschung“, Wankum habe Dokumente gefälscht. Für Stephan Kramer vom Zentralrat der Juden wiederum „ist und bleibt Wankum Jude“.

Eigentlich ein gutes Zeichen: Ein Deutscher will unbedingt Jude sein.

Daneben das übliche Gezerre: Wankum ist auch Funktionsträger der Hamburger CDU, außerdem ist sein Bauunternehmen pleite gegangen, es hat sich beim Bau des HSV-Stadions übernommen. Pikanterweise ist es pleite gegangen, kurz nachdem Wankum Jude geworden ist bzw. geworden sein wollte und die Führung der Jüdischen Gemeinde in Hamburg übernommen hatte. Ist vielleicht auch der angenehmere Job. Der Rabbiner, der ihm seinerzeit sein Jüdischsein zertifiziert hat, leistete sich – mit Wankums Genehmigung – einen Dienstwagen, den er brauchte, um irgendwo hinzufahren, wo er „die koschere Zubereitung von Marmelade“ bestätigen sollte. Das fand ein Teil der Jüdischen Gemeinde schon damals nicht koscher, wie sich jetzt herausstellt.

Solche Geschichten zeigen, dass die Juden in der deutschen Normalität angekommen sind. Es geht um Bauskandale, korrupte CDU-Politiker, gefälschte Papiere und Fußball. Beruhigend.

Beruhigend ist auch, dass es offenbar Bauunternehmer mit literarischem Anspruch gibt: Wankum regte sich kürzlich auf über die „Lesungen auf Hausfrauen-Niveau“, die sein Rivale Herzberg in der Jüdischen Gemeinde veranstalte. Was wohl jüdische Hausfrauen dazu sagen?

(Alle Zitate aus der Print-taz vom 7. April 2009 und von hier.)

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