Schon wieder Roland Berger und die Menschenwürde

Der Unternehmensberater und Aktivist für Menschenwürde Roland Berger soll jetzt ja Opel retten. Ich weiß nicht genau, was er da retten will: Ob es ihm um Arbeitsplätze geht oder ob er eher daran denkt, der Investmentgesellschaft  Blackstone Group, der er als „Chairman of Germany“ dient, ein neues Betätigungsfeld zu verschaffen.

Mir fällt jedenfalls ein Interview ein, das Berger der portugiesischen Wochenzeitung Expresso gegeben hat. Das war 2004 (das exakte Datum weiß ich leider nicht mehr), also auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen in Deutschland über die „Arbeitsmarktreformen“, der Agenda 2010. Deren Einführung wurde ja gerne damit verteidigt, dass Deutschland in allen Statistiken die „rote Laterne“ Europas innehabe und deshalb endlich die „Hausaufgaben“ machen müsse, die unsere Nachbarn schon gemacht hätten. Einkommen und Sozialleistungen müssten leider gekürzt werden, sonst könnten wir im europäischen und weltweiten Wettbewerb nicht mehr mithalten.

Deswegen war ich überrascht über die Tipps, die Roland Berger nun den Portugiesen gab. Auf die Frage, was er den europäischen Regierungen empfiehlt, um die (damalige) Wirtschaftskrise zu überwinden, antwortete er:

„Was meiner Meinung nach wirklich gemacht werden muss, ist das, was Gerhard Schröder mit der Agenda 2010 vorschlägt und gerade beginnt: Eine größere Deregulierung unserer Märkte. Dazu gehören vor allem die Arbeitsmärkte und eine Reduzierung der Kosten der Sozialversicherungen in ganz Europa.

Das bedeutet harte Einschnitte in die Gewohnheiten vieler Europäer, vor allem der mittleren Generation. Außerdem Kürzungen bei den Subventionen alter Industrien, Reduzierung der staatlichen Anteile in der Wirtschaft…“ (Übersetzung von mir)

Komisch. Hierzulande gehörte Berger zu denen, die Deutschland hinterherhinken sahen in der Umsetzung von Reformen in Europa. Den Portugiesen erzählte er nun, Europa solle sich ein Vorbild nehmen an der tollen Politik von Schröder.

Das perfide daran: Das soziale Netz in Portugal spottet sowieso jeder Beschreibung. Auch wenn man Arbeit hat, läuft es nicht unbedingt gut: Die Menschen verdienen schätzungsweise halb so viel wie hier, die Einkommensverteilung ist wesentlich ungerechter als in Deutschland, ein Lehrergehalt deutlich unter 1.000 Euro brutto ist gang und gäbe, 500 Euro für einen Vollzeitjob als Verkäufer sind normal, 20 Prozent der Bevölkerung haben monatlich weniger als 200 Euro zur Verfügung und so weiter. Die Lebenshaltungskosten in Lissabon liegen praktisch auf deutschem Niveau.

Berger interessiert das nicht. Er, dessen Privatvermögen auf „einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag“ geschätzt wird, empfiehlt allen Ernstes, diese Einkommen weiter zu senken. Der Markt erfordert es halt. Auch bei 500 Euro monatlich sind „harte Einschnitte“ nötig.

Vielleicht sollten sich die Opelaner gut überlegen, was sie von diesem Experten erwarten können. Und vielleicht sollte man Roland Berger in dem Zusammenhang einmal fragen, was genau er denn unter Menschenwürde versteht.

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2 Antworten zu Schon wieder Roland Berger und die Menschenwürde

  1. Pingback: Nachtrag zum Opel-Retter Roland Berger « Exportabel

  2. Hund Frauke schreibt:

    Also so einen unsinn hab ich seit jahren nicht mehr gelesen…. solltest dich schaemen so einen artikel hier zu verfassen! ich vermute ja mal dass dein blogg nicht gerade von erfolg gekroent ist!

    Gefällt mir

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