Schon wieder vergessen: Das Ypsilanti-Bashing

Zu der sympathischen Andrea Ypsilanti will ich seit Monaten noch etwas schreiben. Jetzt ist das Thema natürlich durch. Leider, denn die Auseinandersetzung über den Umgang mit Ypsilanti steht aus.

Ypsilanti hat sich auf dem Parteitag der hessischen SPD Anfang März wohl aus der Politik verabschiedet. Dabei brachte sie das Bashing gegen ihre Person auf den Punkt: Gegen sie sei ein „mediales Kesseltreiben“ veranstaltet worden, um „meine Idee der sozialen Moderne zu denunzieren“ (alle Zitate aus der Print-taz vom 2.3.09)

So isses. Die Wehklage über den Wortbruch war vorgeschoben. Oder hat sich jemand aufgeregt, als in Berlin die große Koalition beschlossen wurde, obwohl Angela Merkel sie kurz zuvor im Wahlkampf kategorisch ausgeschlossen hat („Es wird keine große Koalition geben“)? Wurde Merkel Wortbruch vorgeworfen?

Auch wenn es ein wenig verschwörungstheoretisch klingt: Das Establishment hat erkannt, dass eine linke SPD plus Linkspartei wirklich andere Verhältnisse schaffen kann in Deutschland. Da ginge es ans Eingemachte. Das muss das Kapital verhindern, mit so ziemlich allen Mitteln.

Und es war einfach: Eine Reihe gefügiger Journalisten in allen Medien hat die Drecksarbeit erledigt, teilweise sogar begeistert. Das reichte schon. Ein SPD-Politikerin, die eine soziale Politik ankündigt und bei den Wahlen (gegen den Trend!) auch noch erfolgreich ist? Das geht nicht, die muss abgeschossen werden. Und zwar mit Zustimmung der SPD-Parteiführung. Aber das ist ein anderes Thema.

DE_Ypsilanti_by_Steschke_02(Foto: Sven Teschke, Wikipedia)

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8 Antworten zu Schon wieder vergessen: Das Ypsilanti-Bashing

  1. hanneswurst schreibt:

    Mich würde interessieren, ob zum Beispiel der enorme Druck, den Frau Ypsilanti angeblich auf die eigenen Parteikollegen bezüglich der Abstimmung ausgeübt hat („Handybeweis“) der Realität entspricht.

    Tatsächlich fügte sich für mich das mediale Bild der Frau Y. zu einem solchen Schlamassel zusammen, dass ich schon fast froh war, als Kotze-Koch wieder an der Macht war. Einfach deshalb, weil ich so keine Y. News mehr hören musste.

    Aber vielleicht bin ich nur einer riesigen Schmutzbewurfkampagne auf den Leim gegangen?

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  2. genova68 schreibt:

    Es gab keinen Druck von Ypsilanti. Sie war gar nicht in der Lage, Druck auszuüben, da die Bundespartei nicht hinter ihr stand, genausowenig wie die Medien. Ypsilanti hat einfach jeden einzelnen gefragt, ob er bei der Tolerierung mitmachen würde. Und jeder hat „ja“ gesagt. Bis diese drei Hampelmänner einen Tag vor der Wahl ihr Gewissen entdeckten.

    Der Handybeweis ist von Ypsilantygegnern frei erfunden (ich habe gerade keine Quelle dafür zur Hand, keine Zeit).

    Und wenn dein Ypsilanti-Bild so schlammasselig ist, dann hat die Medien-Kampagne ja ihr Ziel erreicht :-)

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  3. hanneswurst schreibt:

    Hier ist eine Quelle, die Deine Vermutungen stützt. Allerdings auf Plattdeutsch:

    http://www.wsws.org/articles/2008/mar2008/koch-m13.shtml

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  4. genova68 schreibt:

    Nimm besser den Artikel. Auf Hochdeutsch:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/126/450843/text/

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  5. hanneswurst schreibt:

    Ich habe von diesen Mediendementis nichts mitbekommen. Tatsächlich habe ich angenommen, dass Frau Y. im Grunde ganz zu recht von der Bühne verbannt wurde.

    Jetzt muss ich auf exportal.wordpress.com, dem Blog für Poststrukturalismus und politische Aufklärung, erfahren, dass ich total verarscht wurde.

    Ich verteidige mich damit, dass ich als Nordrheinwestfale nur vermindertes Interesse an diesen skandalösen Vorgängen in „Hesse“ hatte, die eine Landes-CDU als Sieger und eine Bundes-Linke als Verlierer hinterlassen. Wollte hier eine Bundes-SPD den Schwanz nicht mit dem Hunde wedeln lassen und hat unseriös interveniert? Dem Schröder-Kader und der FAS ist in dieser Hinsicht Einiges zuzutrauen.

    Ich frage mich, mit welcher linken Tour Frau Nahles abserviert wird. Ich finde sie übrigens sehr sexy, aber das hat nicht viel zu sagen, ich finde auch Frau Merkel sexy. Aber wenn Frau Nahles Bundeskanzlerin wäre, dann würde ich sie sexier finden als ich jetzt Frau Merkel sexy finde. Allerdings hätte ich etwas Angst vor einem Außenminister Lafontaine, der inzwischen noch deutlich durchgedrehter sein dürfte als 1999.

    Ich bitte weiterhin um gnadenlose Aufklärung über Manipulationsvorgänge, die abgestürzte Wohlstandsbürger wie mich davon abhalten sollen, die Linkspartei zu wählen.

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  6. genova68 schreibt:

    Wenn Lafontaine erst mal Außenminister IST, wirst du ihn auch sexy finden (Stichwort Knackarsch).

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  7. Pingback: Ich sage JA zur SPD! « Exportabel

  8. Pingback: SPD: Auch Scheer schmeißt hin « Exportabel

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