Warum die Portugiesen den Nachnamen von Tim K. kennen

Skurril am Rande: Auch portugiesische Zeitungen berichten über den Amokläufer von Winnenden, Tim K., reduzieren aber den Nachnamen nicht auf den ersten Buchstaben, sondern schreiben ihn voll aus und merken leicht irritiert an, dass Tim in den deutschen Medien nie mit vollem Namen genannt werde.

Die Portugiesen sind da relaxter. Ich erinnere mich an Berichte in portugiesischen Zeitungen vor rund 15 Jahren: Bei jedem Unfallopfer wurde der volle Name samt Adresse angegeben, ein Schutz der Privatspähre fand und findet nicht statt. Es hat etwas von einem überdimensionalen Dorf: Vielleicht kennt man den Betreffenden, oder man kennt jemanden, der ihn kennt oder man weiß jetzt zumindest, wo der, den man vielleicht kennt, wohnt etc.

Tratsch als Lebensmittel. Alles nur menschlich. Mir ist die anonymisierte Version trotzdem lieber.

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3 Antworten zu Warum die Portugiesen den Nachnamen von Tim K. kennen

  1. Pingback: Tim K.: Unfreiwillige deutsch-portugiesische Kooperation « Exportabel

  2. yeoldemason schreibt:

    Ich kenne mich in der portugiesischen Presse-Praxis zu wenig aus, aber könnte es auch etwas von einer Pranger-Mentalität haben? Beispiel Schottland, wo in der Regionalzeitung jeder kleine Schwarzfahrer öffentlich mit Name, Alter und Wohnort benannt wird.

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  3. genova68 schreibt:

    yeoldemason,

    ich bin auch kein intimer Kennter der porgugiesischen Presse, aber das Gefühl mit dem Pranger hatte ich bislang nicht. Es sieht eher nach solider Information aus, in etwa so:
    „Gestern Abend verunglückte ein VW Golf auf der Straße von Lissabon nach Cascais. Der Fahrer, Pedro Nuno verunglückte tödlich. Er wohnte in der Rua Principal in Lissabon und hinterlässt seine Frau Maria, geborene Gomes sowie drei Kinder (es folgen die Namen, Berufe etc.).
    Es hängt meiner Meinung eher damit zusammen, dass in manchen Gesellschaften Datenschutz oder Privatspähre keinen so hohen Rang hat. Es ist wie in einem sehr kleinen Dorf, wo Intimsphäre ja auch nicht existiert.

    Dein Beispiel mit dem Schwarzfahrer ist hart. So etwas kannte ich bislang nicht.

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