Attac zwischen Karrieristen und Hartz IV

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Zuerst eine Korrektur: Der Kapitalismus-Kongress, den Attac vergangenes Wochenende in Berlin veranstaltete (auf dem Foto sieht man eine von sicher hundert Veranstaltungen), besuchten nicht nur alte Menschen, wie von mir kürzlich suggeriert, sondern auch viele Leute zwischen 16 und 25. (Allerdings wurde am selben Wochenende eine Studie veröffentlicht, die der Studentenschaft bescheinigte, immer unpolitischer zu werden.)

Auffällig ist noch etwas anderes. Auch Attac dient mittlerweile als Durchlauferhitzer für berufliche Karrieren. Liest man sich die Biographien vieler exponierter Attacies durch, sieht man, dass sie erfolgreich sind. Sie machen Karriere an der Uni oder in wissenschaftlichen Instituten oder kommen, wie der Attac-Finanzexperte Sven Giegold, bei den Grünen auf einen sehr aussichtsreichen Platz auf der Kandidatenliste für die Europawahl. Diese Attacies leiten auf dem Kongress Podiumsdiskussionen mit wichtigen Menschen und fördern damit zugleich die eigene Karriere. Wer im Attacschen Koordinierungskreis sitzt, sammelt Punkte FÜR seine Karriere, nicht dagegen.

Nichtregierungsorganisationen als Plattform für den beruflichen Aufstieg der Gewinner in der Gesellschaft. Das ist in Ordnung, nichts gegen Karriere. Gleichzeitig aber sind viele Attac-Sympathisanten beruflich und sozial schlecht gestellt, machen keine Karriere und gehören eher zu den Opfern oder den Gelenkten der Gesellschaft. Dennoch kämpfen die Gewinner und die Verlierer in einer Organisation zusammen. Zumindest sieht das an dem Wochenende so aus.

Wie gesagt, das ist okay. Nur: Am Montag macht jeder Einzelne wieder seinen Streifen. Die einen machen weiter Karriere, die anderen Ein-Euro-Jobs. Die Gemeinsamkeiten schmelzen im Alltag auf eine theoretische Basis zusammen, die praktisch kaum Auswirkungen hat.

Die Gemeinsamkeiten der Attacies sind also eher theoretischer, ideeller Natur. Das soll keine Kritik sein, nur eine erwähnenswerte Feststellung, denn gemeinhin organisieren sich politische Gruppen entweder, weil sie ein punktuelles Ziel erreichen wollen (beispielsweise die Rodung eines Waldes verhindern) oder ihre soziale Rolle in der Gesellschaft verbessern (Arbeiter, Selbstständige usw.). Attac vereint alle, die für eine „bessere Welt“ kämpfen, sprich: eine, die sozialer und ökologischer ausgerichtet ist als die heutige.

Nur so dahingeplappert, deshalb fällt mir jetzt kein guter Schlusssatz ein.

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