Turmbau zu Köln

Das Kölner Stadtarchiv ist eingestürzt, weil direkt darunter ein U-Bahntunnel gebuddelt wird. Es sieht so aus, als seien viele tausend mittelalterliche Handschriften zerstört. Der Historiker Johannes Fried hält das „für eine Katastrophe, nicht nur für die deutsche, sondern auch für die europäische Geschichtswissenschaft“. Daneben ist wohl auch vom Nachlass Heinrich Bölls nichts mehr übrig.

Eine skurrile Situation: Im Jahr 2009 eine U-Bahn zu bauen ist verkehrstechnisch anachronistisch, weil sich die Benutzer des öffentlichen Personenverkehrs sozial- und umweltverträglich verhalten und nicht unter die Erde verbannt werden sollten. Außerdem wird so überirdisch mehr Platz für Autos geschaffen, ganz abgesehen von den extrem hohen Kosten. In Köln kommt dazu, dass man beim Buddeln alle paar Meter auf archäologische Funde stößt, die das Projekt verzögern. Die U-Bahn wird dennoch gebaut, weil sie zweckrational begründbar ist.

Und genau dieses unzeitgemäße Projekt, das keine Zukunft haben sollte, trennt jetzt unsere Verbindung zur Vergangenheit ab. Sicher haben vorher Menschen mit einwandfreiem ingenieurstechnischen Leumund versichert, dass keine Gefahr bestehe.

Irgendwie erinnert das an den Turmbau von Babel.

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