Auf dem Weg in den Gottesstaat

Der Papst steht in der Kritik. Zuerst holt er den Holocaustleugner Bischof Richard Williamson samt der erzkonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X in den Schoß der katholischen Kirche zurück, dann ernennt er Gerhard Maria Wagner zum Weibischof von Linz. Der erklärt sogleich, dass er Homosexualität für „heilbar“ hält und will Schwule in Behandlung schicken. Dass die katholische Elite Schwule für, vorsichtig ausgedrückt, fehlgeleitet hält, ist bekannt. Es wird nur nicht immer so deutlich ausgesprochen. Insofern ist Wagner Teil einer schon immer währenden internen machtpolitischen Auseinandersetzung in der katholischen Kirche: Mal ein bisschen reaktionärer, mal ein bisschen liberaler. Wagner steht dafür, dass es derzeit halt in die erstgenannte Richtung geht.

Die Affäre um St. Pius hat eine andere Qualität. Die Bruderschaft wurde 1970  von Priestern und anderen katholischen Amtsträgern gegründet, die das Zweite Vatikanische Konzil nicht anerkannten. Sie vertritt, unter anderem, diese Standpunkte:

    Mit den Lehren folgender Personen soll man so umgehen wie „sich Medizinstudenten mit Krankheiten beschäftigen: mit dem Ziel, diese Krankheiten dann bekämpfen zu können: Martin Luther, René Descartes, David Hume, Immanuel Kant, Hegel und Sartre.“
  • Pater und St.-Prius-Mitglied Peter Lang sagte 2007, Homosexualität sei „moralische Umweltverschmutzung“. Bei Veranstaltungen wie dem Christopher Street Day müssten „unsere Kinder ansehen, wie pervers Erwachsene sein können“.
  • Richard Williamson behauptete schon 1989 während einer Messe in Kanada, es seien keine Juden vergast worden. Juden hätten den Holocaust nur erfunden, um die Anerkennung des Staates Israel zu erpressen. 2001 bezeichnete er die Protokolle der Weisen von Zion als „Gabe Gottes für alle Menschen, die die Wahrheit wissen wollen“. Der Stuttgarter „Distriktobere“ von St. Pius, Franz Schmidberger, schrieb noch 2008 an alle deutschen Bischöfe, dass die Juden des „Gottesmordes“ mitschuldig seien, solange sie sich nicht taufen ließen.
    Zum Thema türkische Migration in Deutschland und den Zielen der Türken hierzulande schreibt derselbe Schmidberger laut tagesschau.de: „Erster Punkt: Eroberung von ganzen Stadtvierteln! Zweiter Punkt: Eindringen in die Stadtverwaltungen! Dritter Punkt Kinder!“
  • Richard Williamson schrieb 2001 wörtlich: „Fast kein Mädchen sollte zu irgendeiner Universität gehen. (…) Aber wo finden weiterführende Mädchenschulen dann ihrerseits weibliche Lehrkräfte, wenn kein Mädchen mehr ein Studium absolviert? Man braucht keine Universität, um das meiste von dem zu lernen, was Mädchen unterrichtet zu werden brauchen, zum Beispiel Hauswirtschaft, Einrichtung und Unterhalt eines Heims, Pflege und Erziehung der Kinder, die geistige und soziale Vorbereitung auf die Ehe.“
  • Last but not least: Die Zeit schreibt in ihrer aktuellen Ausgabe, dass die Pius-Bruderschaft „enge Kontakte“ zu dem rechtsradikalen „Front National“ unterhalte. Außerdem sollen Pius-Priester „Veranstaltungen von Neonazis mit Gottesdiensten angereichert“ haben.

Was soll man dazu sagen? Diese Gestalten wollen alle aufgeklärten Denker und ihre Ideen, ohne die unser Leben kaum noch denkbar ist, als Krankheit bekämpfen, sie sind antisemitisch, sie wollen die Hälfte der Menschheit in die Küche sperren, sie sind rassistisch, betrachten Nicht-Heterosexuelle als pervers und arbeiten mit Neonazis zusammen. Der Politikwissenschaftler Gerd Langguth bringt es auf den Punkt: Die Pius-Bruderschaft strebe einen „katholischen Gottesstaat“ an.

Und diese Leute will Papst Benedikt XVI. in die Kirche zurückholen.

Ich kann die Pius-Brüder verstehen. Alles, was sie fordern, wird von der Bibel gedeckt. Die Bibel kennt nur einen wahren Gott, neben dem man keine anderen Götter haben darf. Insofern sind muslimische Türken abzulehnen. Religionsfreiheit garantiert das Grundgesetz, nicht der Katholizismus. Die Bibel enthält antisemitische und frauenfeindliche Passagen. All das ist nach offizieller Lesart das „Wort Gottes“, warum sollte man es nicht Ernst nehmen?

Hier zeigt sich auch die Verwandtschaft mit dem Islam. Beide Religionen erheben einen Absolutheitsanspruch und haben mit der Bibel und dem Koran Bücher parat, in denen das tägliche Leben bis ins Detail geregelt wird. Die Strafen bei Missachtung der Vorschriften sind oft drakonisch – Züchtigung, Unterwerfung, Steinigung. Beide Religionen wollen expandieren, die eine mittels Mission, die andere mittels Dschihad.

Apropos Steinigung: So gesehen sind die Forderungen der Pius-Brüder milde.

Undogmatische Muslime und undogmatische Christen sagen an dieser Stelle, dass man die beiden Bücher zeitgemäß interpretieren und fortentwickeln müsse. Da haben sie sicher Recht. Aber was sagt man denen, die von solch einer Fortentwicklung nichts halten und darauf beharren, dass das Wort Gottes und das Wort Allahs konsequent und wörtlich umgesetzt werden müssen?

Islam und Christentum haben einen fundamentalistischen Kern, der jederzeit aktiviert werden kann. Im Islam gelingt das ganz gut, das ist spätestens seit dem 11. September 2001 klar, im Christentum hat sich die Lage seit ein paar hundert Jahren halbwegs beruhigt – vor allem auf äußeren, laizistischen Druck hin, selten von innen heraus.

Am Rande aber brodelt es. Und der Papst schürt das Feuer.

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6 Antworten zu Auf dem Weg in den Gottesstaat

  1. petersemenczuk schreibt:

    @Hallo Ihr Wahrheitsuchende,
    Wir haben z.Zt. in Deutschland und Europa,
    weit über 600 verschiedene Religionen, Kirchen, Tempeln, Gemeinden, Sekten und Missionswerke, die sich auf die Bibel berufen und von ihr“gedeckt“ werden wollen, doch,
    Gott hat sie verworfen,denn sie tun das im Fleisch und Fleiches-Werk, was Gott nur den, im Geist wiedergeborenen Christen und Kinder Gottes zugesteht, denn sie allein haben den Geist,Wort und Allerheiligsten Glauben in ihrem Innern WOHNEND!
    Römerbrief 8,1-4
    Selbst der Teufel und Satan will das auch, und so kam er auf dem Berg der Versuchung
    und Zinne des Tempels, zu Jesus Christus und versuchte Ihn gleich so als ein anmaßender und selbstberufener Interpret und 2.Lehrer nach Gott, wie er den ersten Adam versuchte, um auch Christus zum Abfall von Gott zu bewegen durch falsche Wortauslegung und Ungehorsam.
    Dieser Teufel und Satan kam Nicht zu Jesus Christus,
    um IHN mit weltlich, wissenschaftlichen Weisheiten zum Abfall zu bewegen, auch Nicht mit politischen Sprüchen und Weisheit dieser Welt, zum Abfall zu bewegen SONDERN,
    Mit den niedergeschriebenen Bibelzitate der ersten Gottesmänner und Gottesfrauen aus dem Alten Testament:
    1.Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese
    Steine Brot werden. 1.Mose 3, 1-7 denn…
    2.Bist du Gottes Sohn, so lass dich hinab,
    denn es steht geschrieben: Matthäus 3,3-10
    3.Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle
    REICHE der WELT und ihre Herrlichkeit, (denn er ist der Fürst und Geist dieser Welt),
    und sprach zu Christus:
    Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest.
    Da sprach Jesus Christus zu ihm:
    Hebe dich weg von mir Satan!
    Denn es steht geschrieben:
    „Du sollst anbeten Gott, deinen HERRN, und IHM allein dienen“.
    1.Wie es einen breiten Weg gibt, der den Menschen in die Verdammnis hinabführt,
    gleich so,
    2.gibt es einen schmalen Weg, der zur Erlösung, Reinigung und Heiligung des Menschen führt in dem Geist Jesu Christi.
    1.Wie es einen weltichen Geist gibt, der den natürlichen Menschen in den Irrtum führt,
    auch wenn man den Buchstaben der Bibel verinnerlicht, in dem der Mensch, von Kind auf an wider Gott und seinem Heiligen Geist sündigt, gleich so,
    GIBT es den, v on Gott und Christus zugesagten Heiligen Geist Gottes, welcher ist der Geist der Wahrheit und der bleibende Tröster im Christnemenschen, den der Mensch nur dann bekommt, wenn er Gottes Heilsplan erfüllt und Christus gehorsam ist und bleibt.
    Johannes 14, 16-23/ Apostelgeschichte 5,32
    Es liegt nun an den natürlichen und ungeistigen Menschen dieser Erde nach dem Urteil Gottes, 1.Korintherbief 2,
    für welchen WEG und für welchen GEIST
    der Mensch sich entscheidet um danach zu leben.
    UM Christus sich versammeln in einer stillen Andacht und hören was der Geist ihm zu sagen hat, erlöst den Menschen, von der
    Gehirnwäsche und Manipulation des anmaßenden und selbstberufenen 2.Lehrer nach Gott, welcher im Geist der Welt und des Irrtums predigt: 1.Johannesbrief 4, 2-6

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  2. genova68 schreibt:

    Klasse Beitrag. Ich verstehe nur Bahnhof.

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  3. petersemenczuk schreibt:

    „Paulus,
    „Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes, es ist ihm eine Torheit,
    und er kann es nicht erkennen, denn er;
    sie oder es, muss geistlich gerichtet sein.
    Der geistliche aber (welcher ist für Gott wiedergeboren und ein wahrer Christ),
    richtet alles und wird von niemand gerichtet“. 1.Korinther 2, 14-15´
    Wer ein wahrer Christ ist, entscheidet Gott und sein Geist, der den Menschen erfüllt und lebendig macht und kein Mitgliedsausweis oder Taufschein, einer von Gott abgefallenen unter dem christlichen Etikett agierenden, abgefallenen Institution auf Erden.

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  4. genova68 schreibt:

    Jetzt hab ich´s verstanden, alles klar.

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  5. Pingback: Vergewaltigung: Für rechte Katholiken eine Bagatelle « Exportabel

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