Critical Design reloaded

„Designing Critical Desgin“ heißt eine Ausstellung in Hasselt, Belgien. Klingt interessant.“

Das habe ich am 10. Mai 2007 in mein Notizbuch notiert und sofort vergessen. Die Ausstellung ist lange vorbei, ob sie interessant war, weiß ich nicht, aber man findet immer noch Bilder von Ausstellungsexponaten im Internet. Die wecken zumindest sofort Assoziationen:

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Anthony Dunne und Fiona Raby, Parc Interactives, 2001

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Jurgen Bey, Family Cocoon

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Jurgen Bey, Tea Bag Garden

Nebenbei gerade gefunden: art interviewt den Designer Mirko Borsche, der meint, dass es in Deutschland, „im Gegensatz zu den Niederlanden und der Schweiz … kein richtiges Designbewusstsein“ gibt. Er führt das unter anderem auf den Krieg zurück und sagt:

„Wenn man sich zum Beispiel ein niederländisches und ein deutsches Steuerformular anschaut – da liegen Welten dazwischen. Das deutsche Formular sieht scheiße aus und funktioniert nicht, weil man gar nicht genau weiß, was man da tun soll. Ich glaube einfach, das ästhetische Empfinden wird nicht genug geschult.“

Das deutsche Steuerformular kenne ich, das niederländische würde mich jetzt interessieren. Es würde mich aber nicht wundern, wenn Borsche Recht hat. Ich weiß nicht, ob das alleinig ein Problem des Designbewusstseins ist, oder ob da nicht diese typisch deutsche Unbeweglichkeit Schuld ist, die Starre, oder Unflexibilität, wie man heute sagt. Genau wie die Holländer einfach Radstreifen auf die Straße pinseln und so im Handumdrehen einen neuen Radweg haben, oder die Pariser einen vernünftigen Radverleih organisieren (schon irgendwo hier geschrieben). Sowas klappt in Deutschland nicht. Das Steuerformular neu zu konzipieren, wäre sicher eine Aufgabe für Designer. Aber es erforderte auch eine Vereinfachung des Steuersystems. Oder es würde bei einem besseren Formulardesign auffallen, wie umständlich das deutsche Steuersystem ist. Über das Formale könnte man zu inhaltlichen Änderungen kommen. Via Visulierung zur Veränderung.

„Critical Design“ wäre somit ein interessanter Begriff. Design nicht um der Ästhetik willen, sondern als Ansatz und als Voraussetzung, gesellschaftlichen Fortschritt zu erreichen.

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