Fatalismus statt Freiheit

Léon Krier (Foto) ist laut Bauwelt, Ausgabe 25/08, als Berater von Gianni Alemanno, dem neuen Bürgermeister von Rom, im Gespräch. Die Bauwelt bezieht sich wiederum auf das Turiner Magazine dell´ Architettura. Dazu muss man erstens wissen, dass Alemanno Mitglied der laut Wikipedia „postfaschistischen“ „Alleanza Nazionale“ ist und sich früher bei dem laut Wikipedia „neofaschistischen“ „Movimento Sociale Italiana“ betätigt hat. Verheiratet ist er mit der Tochter des rechtsextremen Politikers Pino Rauti. Alemanno hat kürzlich auf sich aufmerksam gemacht, weil er ein von Richard Meier neuerbautes Museum in Rom abreißen lassen will. Genauer gesagt, es ist ein Gebäude, das um einen antiken Friedensaltar herum gebaut wurde, um ihn vor Verfall zu schützen. Der Altar war vorher auch schon umbaut, und zwar von einem Gebäude, das 1938 unter Mussolini errichtet wurde und wohl den konservatorischen Standards nicht mehr genügte.
Dass in Italien sowas möglich ist, wundert den Beobachter ja schon lange nicht mehr. Neu ist, dass ein bekannter deutscher Architekt offenbar kein Problem damit hat, diesen Typen zu beraten. Wer ist Léon Krier? Krier veröffentlichte 1998 ein Buch mit dem Titel „Freiheit oder Fatalismus“, in dem er für „politischen Pluralismus“ plädierte. 1978 und 1985 schrieb er zwei Bücher über Albert Speer, die der Architekturkritiker Wolfgang Schäche als „widerwärtig“ bezeichnete, schon der Schutzumschlag rezipiere „vollends nationalsozialistische Buchgestaltung“. Krier wollte offensichtlich den NS-Klassizismus rehabilitieren, indem er ihn einfach von der NS-Ideologie abspaltete.

Krier und Alemanno: Wächst da einfach nur zusammen, was zusammen gehört? Vielleicht hat sich Krier einfach nur für Fatalismus statt für Freiheit entschieden.

(Foto: Wikipedia)

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