Niki de Saint Phalle oder: Provokative Kunst 1972

 

In einer bauwelt von Februar 2008 lese ich, dass 1974 in Hannover eine Skulptur von Niki de Saint Phalle aufgestellt wurde, „was seinerzeit einigen Unmut in der Bevölkerung auslöste“. Wer oder was löst heute Unmut aus? In der Kunst sicher nichts mehr. Westerwelle sammelt Leipziger Schule, in Düsseldorf feiern die Provinzzeitungen Joseph Beuys als tollen Sohn der Stadt (die ihn 1972 aus der Uni schmiss, weil er als Professor gegen die Einführung eines Numerus Clausus protestierte), und die sogenannten Skandalkünstler Damien Hirst und Jonathan Meese provozieren mit ihren sogenannten Skandalen niemanden, nicht einmal die Journalisten, die ihnen das Attribut „skandalös“ angehängt haben. Alles ist Kunstmarkt. Provozieren tut man heute eher, wenn man Türke ist und einen deutschen Rentner zusammenschlägt. Eigentlich reicht es schon, wenn man Türke ist, auch wenn man keinen deutschen Rentner zusammenschlägt. Oder wenn man sich über spießige deutsche Rentner mokiert. Andererseits: Schön, dass Saint Phalle heute keine Unruhe mehr auslöst (das waren damals sicher schon die deutschen Rentnerspießer).

(Foto: Wikipedia)

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