Günter Grass verliert den Überblick

Günter Grass meldet sich in der Zeit zu Wort. Er fordert von der SPD, „laut und deutlich“, für den „demokratischen Sozialismus“ einzustehen, der seiner Meinung nach einzigen „Alternative zur kapitalistischen Ideologie“ und zum „absolut herrschenden Kapital“.

Die Wortwahl ist interessant, ich lese weiter und werde schnell enttäuscht. Grass schreibt allen Ernstes, der demokratische Sozialismus habe sich

„immer wieder erneuern müssen. Ihn prägt kein Dogma. Der Weg ist ihm Ziel. Ständig bedarf er der Revision. Demokratische Sozialisten sind gelernte Revisionisten. Weshalb die Agenda 2010 und in ihr Hartz IV, weil von Menschenhand geschaffen und deshalb fehlerhaft, auf Revision angewiesen sind. Nur dank dieser Fähigkeit konnte der demokratische Sozialismus Verbot und Verfolgung überleben.“

Hartz IV ist also von demokratischen Sozialisten wie Schröder, Clement oder Steinbrück auf den Weg gebracht worden und nun, in der großen Koalition, sozialistisch verbessert worden, denn selbst Sozialisten sind nur Menschen und machen Fehler. Und Grass vergleicht Schröder, Clement, Steinbrück und andere SPD-Protagonisten aus der Agenda-2010-Zeit mit Sozialdemokraten, die verfolgt wurden, also noch vor dem Ersten Weltkrieg, oder meint er gar das Dritte Reich?

Ist Grass schon senil? Es ist zu befürchten. Der Linken spricht er jede Seriosität ab, auch den Anspruch auf das Etikett „demokratischer Sozialismus“. Lafontaine setzt er mit Koch gleich. Tja.

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2 Antworten zu Günter Grass verliert den Überblick

  1. Pingback: Momente der Nähe « Exportabel

  2. genova68 schreibt:

    Grass scheint in der Tat senil zu sein. Jetzt wirft er Lafontaine vor, keine Koalition mit der SPD zu wollen. Die klaren Aussagen zum Thema von Steinbrück, Steinmeier und Gabriel sind ihm offenbar entgangen. Und Göring-Eckardt sprach vor ein paar Tagen noch von „einigen Linken“, die sich in der Koalitionsfrage „immer wieder anbiedern.“ Vielleicht sollte die nette und sicher auch geduldige Göring-Eckard den dummen Antisemiten aufklären.

    Immer wieder interessant, wie völlig unterschiedlich man die Realität wahrnehmen kann.

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