Die neue Bürgerlichkeit und das Wetter

Niggemeier berichtet in seinem Blog über einen Artikel in der FAZ, in dem „Klimaskeptiker“ zu Wort kommen, also Leute, die der These des vom Kohlendioxid verursachten Klimawandels skeptisch gegenüberstehen. Man trifft alte Bekannte, darunter Mathias Horx, Wolfram Weimer und Dirk Maxeiner. Alleine die Tatsache, dass die drei den Artikel mitverfasst haben, zeigt, worum es geht. Natürlich nicht um den Klimawandel, sondern um ein publizistisches und gesellschaftliches Feld, auf dem eine Schlacht geschlagen werden kann. Es ist ähnlich wie bei der angeblichen demographischen Katastrophe: Ob das so kommt oder nicht, werden wir erst in 50 oder 100 Jahren wissen. Sehr praktisch, denn das bedeutet, dass wir heute munter drauflos plaudern können, ohne dass uns jemand inhaltlich an die Karre fahren könnte.

Horx, Weimer und Maxeiner denken strategisch: Sie haben das Prinzip des mentalen Kapitalismus verinnerlicht. Sie analysieren einen Sachverhalt daraufhin, wie man sich zu ihm verhalten muss, damit man auffällt. In der Klimadebatte sehen fast alle Beteiligten, dass wir dringend umsteuern müssen, also weniger CO2 produzieren. Wenn sich die drei Jungs da dranhängen, nimmt sie keiner mehr wahr. Erfolgversprechender ist es, den Gegenpart zu besetzen. Es sichert ihnen mediale Aufmerksamkeit. Und es ist ja so einfach. Denn es geht in der Klimadebatte eben nicht um Fakten. Das Thema ist so kompliziert, dass sich nur eine Handvoll Experten ernsthaft darüber austauschen können. Der Rest glaubt. Das eine oder das andere. Alles eine Frage der Weltanschauung. Alles ganz menschlich.

Bei Weimer, Maxeiner und Horx geht es allerdings auch um aktuelle gesellschaftliche Grenzverläufe. Der neue Konservatismus, die neue Bürgerlichkeit und wie das alles heißt. Die rechten Meinungsführer haben gesprochen: Für die Rechte in Deutschland gibt es keinen Klimawandel.

Schade, dass wegen solcher deppiger Debatten wirklich interessante Nachrichten untergehen, die die alltägliche Dominanz des Kapitals veranschaulichen. Die Financial Times Deutschland berichtet, dass die Deutsche Bahn alle Grundstücke, die sie nicht braucht, für 1,65 Milliarden an Hochtief verkauft. Laut Albrecht Müller verfügt die Bahn über 27 Millionen Quadratmeter Fläche, was einen Quadratmeterpreis von 61 Euro ergibt.

Für Hochtief und die Bahn eigentlich ganz praktisch, dass wir heute lieber über Klimawandel und Demographie diskutieren.

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