Nachdenken statt Moral

„Die 68er sind Schuld am weit verbreiteten Gutmenschentum“, sagt Richard Wagner heute auf Deutschlandradio Kultur. Wer ist Richard Wagner? 1952 in Rumänien geboren, seit 1987 lebt er in Deutschland, Schriftsteller. Wer benutzt das Wort Gutmenschentum? Rechtsradikale? Der Begriff ist mittlerweile in die Mitte der Gesellschaft gewandert, wenn man jemanden abwerten will, der sich nicht auf Stammtischniveau begibt. Ein verräterischer Satz von Wagner: „…der Gutmensch will ja immer verstehen, auch dort, wo nichts zu verstehen ist.“ Tja, es gibt eben Situationen, da ist nichts mehr zu verstehen. Und dann muss man halt draufhauen oder Todesstrafe oder Gaskammer. Immer dieser blöde Intellekt.

Bemerkenswert ist auch, dass der Interviewer, ein Holger Hettinger, sich offenbar mit Wagner verbrüdert. Er fragt: „Was glauben Sie, warum ist diese Generation so versessen darauf, die Welt mit aller Gewalt zwangszubeglücken?“ Mit „dieser Generation“ meint er „die 68er“. Wagner wirft den Deutschen und den Europäern vor, sie wären zu schuldbewusst und würden sich zu sehr selbst bezichtigen. Wagner will auch, dass man nachdenkt, ANSTATT Moral zu betreiben. Das ist so eine typische neurechte Position oder auch Unterstellung.

Wie stellt er sich das vor? Nachdenken ohne Moral? Rein theoretisch: Durch Nachdenken könnte man zu dem Schluss kommen, dass irgendwo, meinetwegen in China, ein paar zig Millionen Menschen zu viel leben, zum Beispiel, weil die als Arbeitskräfte nicht gebraucht werden, oder weil es unverhältnismäßigen Aufwand bedeutet, für diese Menschen genügend sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen, oder was auch immer. Also bringt man sie industriell um. Wie soll man ein solches Resultat von Nachdenken verhindern? Rein intellektuell? Wagner propagiert offenbar eine Art verschärften Utilitarismus.

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