Die neue deutsche Lächerlichkeit

Eben gerade gesehen: Ein Panorama-Beitrag über Lafontaine, in dem er als böser Populist dargestellt wird. Eigentlich das mittlerweile übliche, nur der Ort ist ein besonderer: Ausgerechnet in dem linken Polit-Magazin Panorama wird sowas gesendet. Es ist gut möglich, dass Lafontaine ein böser Populist ist, aber die Panorama-Recherchen geben das nicht her. Miserable journalistische Qualität.

Was aber richtig lustig ist: Die Panorama-Redakteure befragen dazu ausgerechnet Wolfram Weimer, den Chefredakteur von Cicero, einem ausgewiesenen intellektuellen Flachbrenner, der sich vor allem darüber freut, dass jetzt wieder alles so schön bürgerlich wird in Deutschland. Er meint damit spießig, miefig und dumm. Weimer sagt also in Panorama mit herzzerreißendem Augenschlag: „Er erzeugt Emotionen und nimmt es mit den Fakten dann nicht so genau“. Natürlich wird das von Weimer nicht belegt, aber selbst wenn es so wäre: Wäre das ein Alleinstellungsmerkmal von Lafontaine oder funktioniert so nicht der gesamte Politbetrieb? Und wie kommt ausgerechnet Weimer dazu, jemandem vorzuwerfen, es mit den Fakten nicht so genau zu nehmen?

Es ist ein weiteres Beispiel für das unglaubliche Niveau, das mittlerweile in der politischen Auseinandersetzung herrscht. Nicht nur zwischen Parteigeneralsekretären, da war man noch nie anderes gewohnt. Aber jetzt kommen Leute dahergelaufen, gründen mit reichen Verlagen im Hintergrund Magazine, denen sie eine Art intellektuellen Anstrich geben, rufen die neue Bürgerlichkeit aus und beschränken ihr geistiges Format auf schwachsinnige Rankings („Die wichtigsten Intellektuellen“) und Kommentare, in denen jedes Argument ideologisch so lange gebogen wird, bis es zur neuen Bürgerlichkeit passt.

Noch ein lustiger Satz von Weimer: „Die Berliner Republik hat einen neuen Demagogen.“ Lol. Lafontaine ist Populist, kann schon sein. Aber wenn die Panorama-Redaktion Fachleute sucht, die das kommentieren sollen, warum fragen sie dann nur Deppen?

Was mir dabei noch auffällt: Nichts gegen Bürgerlichkeit, das war ja mal ein prima Attribut, als der Bürger noch gegen den Adel kämpfte. Jetzt kommen die Neo-Konservativen und tun so, als seien SIE die mutigen Bürgerlichen, die selbstlos kämpfen, diesmal gegen die bösen Linken, die 68er und deren politische Korrektheit. Es ist lächerlich, klar, aber manchmal habe ich das Gefühl, es funktioniert.

Beruhigend dabei ist eine neue Studie, die die Zeit bei Emnid in Auftrag gegeben hat: Die Deutschen werden immer linker. Deutliche Mehrheiten zumindest gegen die Privatisierung von Bahn, Post, Telekom und Energieversorgungsunternehmen.

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