Schwere Schäden beim Streik der Lokomotivführer

Die Lokomotivführer wollen streiken. Die politische Klasse ist in Aufruhr, das Niveau erwartbar im Keller. Es melden sich Leute zu Wort, von deren Existenz ich bislang nichts wusste. Dietrich Austermann zum Beispiel, schleswig-holsteinischer Wirtschaftsminister, kommt mit der Keule schlechthin: Der wirtschaftliche Aufschwung ist in Gefahr, der doch ein „Ergebnis der Zurückhaltung bei den Tarifverhandlungen in den vergangenen Jahren war“. Im Klartext: Je weniger die Leute verdienen, desto besser für den Aufschwung und für die Wirtschaft. Vielleicht sollte man den Lokführern maximal fünf Euro die Stunde bezahlen. Das müsste doch vertretbar sein, es geht schließlich um den Aufschwung.

Oder am besten gar nichts, wie das wahrscheinlich Meinhard Miegel will. Zumindest hat der in seinem Bestseller Die deformierte Gesellschaft allen Ernstes gefordert, Deutschland solle sich ein Beispiel nehmen an der Sklavenhaltergesellschaft im alten Ägypten. Die haben es ja immerhin geschafft, riesige Pyramiden zu bauen, ohne einen Cent Lohn zu zahlen. Ich habe in den Textstellen von Miegel keine Ironie finden können. Fast lyrisch äußert sich der Parteisoldat Dirk Niebel von der FDP zum Thema Eisenbahn. Er fordert den Einsatz eines „Mediators“: „Ohne einen solchen Zug werden Bahn und GDL aufeinander prallen und schwere Schäden verursachen“. Hahaha. Wobei der Satz schon wieder so lächerlich ist, dass er in der Tagesschau bestimmt nicht zitiert wird. Insofern hat Niebel an der Absicht vorbeigeplappert.

Die beste Bemerkung kommt vom Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Ernst Hinsken, der vor Imageschäden für den „Standort Deutschland“ warnt. Und jetzt allen Ernstes: „Das gute Bild Deutschlands aus dem vergangenen Jahr während der Fußball-WM sollte nicht getrübt werden.“ Sowas behaupten Leute, die ranghohe Posten bekleiden und dafür eine Menge Geld kriegen. Die Welt soll bitteschön der Meinung sein, in Deutschland werde nur auf der Straße gefeiert, alle schwenken Deutschlandfahnen, das ganze Leben ist eine Party. Streiks? Die gibt es nur bei Untermenschen, in Ländern, die kulturell nicht so hoch stehen wie wir, bei Völkern, die sowieso nichts geregelt kriegen. Bei den Italienern vielleicht. Aber nicht bei uns. Übrigens findet der Tourismuschef auch, dass die Gehälter der Lokführer steigen müssten. Wie das gehen soll? Die Bahn solle sich „etwas flexibler zeigen“. Sehr gut. Das machen die jetzt bestimmt.

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Der Beauftragte der Bundesregierung für Tourismus, Ernst Hinsken (Mitte), wahrscheinlich im Urlaub

Noch ein lustiger Satz aus der Süddeutschen: „Die steigenden Lebensmittelpreise lassen die Union in der Wählergunst absacken.“ Lol. Ist das empirisch belegt, dass die Hausfrau jetzt nicht mehr CDU wählt, weil die Milch teurer geworden ist? Möglich ist ja alles.

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