In Treue zum System

Alexander Rittweger hat das Bonusprogramm Payback erfunden und wird von der Welt am Sonntag interviewt. Aber nicht einfach als Meinung eines Unternehmers über sein Produkt und den Markt, sondern als eine Art Philosophierversuch. Es wird ein „Expertengespräch über Treue“. Naheliegend bei Payback. Rittweger muss nun über zwei lange Spalten allerlei einstudierte Plattheiten von sich geben, wie er Treue definiert, ob sie sich auszahlt. Dann wird er gefragt, ob er eine „Treue-Firma“ sei (??) und ob es im Geschäftsleben denn „echte Treue“ gebe. Rittweger plappert drauflos. Er war Berater bei der Lufthansa und bei Roland Berger.

Sicher hatte der lustige Chefredakteur der Welt am Sonntag, Christoph Keese, beim Zähneputzen oder Duschen den tollen Einfall, in seinem Blatt Unternehmer philosophieren zu lassen. Der Wirtschaft ist es ja wichtig, ihre Corporate Identity zu pflegen, zu der seit einigen Jahren auch die Corporate Social Responsibility gehört. Treue hat was sehr soziales, oder? Dass das Paybackprogramm einfach nur dazu dient, möglichst viele Kundendaten zu bekommen, bei jedem Einkauf und ohne Meinungsumfragen, und dass der Hobbyphilosoph Rittweger gerade einen bedeutenden menschlichen Wert in die wirtschaftliche Verwertbarkeit gepresst und damit ins Klo gespült hat, das auch nur zu ahnen, wäre von einem Redakteur der Welt am Sonntag wahrscheinlich zu viel verlangt.
Hagen Seidel heißt er, der Interviewer von Alexander Rittweger, NRW-Korrespondent der Welt in Düsseldorf.

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4 Antworten zu In Treue zum System

  1. nimrouz schreibt:

    Werte in allen Ehren, und ich bin sogar mit dieser Sicht auf den Inhalt des Artikels weitgehend einverstanden. Aber dass es nur zwei Leuten, einem geschäftstüchtigen Hobbyphilosophen mit einer Seite PR-Geblubber und einem alle Seh- und sonstigen Synapsen zudrückenden Journalisten gelingen sollte, einen menschlichen Wert ins Klo zu spülen – ich weiß ja auch nicht. Damit gibt man ihnen meines Erachtens wohl ein bisschen zu viel Macht…

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  2. genova68 schreibt:

    Ich wollte nur sagen, dass in diesem Gespräch der Begriff Treue eindimensional betrachtet wurde, nämlich als Kundentreue, also rein ökonomisiert. Ein Beispiel für die Verwertungslogik des Kapitalismus.

    Übrigens: Danke für das Posting, es ist das erste in diesem Blog :-)

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  3. nimrouz schreibt:

    Oh, habe erst jetzt die Antwort gesehen und danke für die Reaktion. Konnte ich kaum glauben, dass das der erste Kommentar ist – aber wie ich las, gibt es das Blog auch in der Form erst seit Januar. Dann drücke ich die Daumen. Und: mir gefällt dieser besondere Blick auf die Dinge. Bestimmt kommen die anderen KOmmentare bald. Und wenn nicht: es sind trotzdem hervorragende Texte und schöne Gedanken. Liebe Grüße nimrouz

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  4. genova68 schreibt:

    Danke für deinen Beistand. :-)

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