Sarkozy geht ins Kloster

Nicolas Sarkozy, fast schon lustig: Um 20 Uhr schließen die Wahllokale, um 21 Uhr sitzt er in einem Luxusrestaurant, um Mitternacht liegt er im Bett eines Luxushotels, wo die Suite 15.000 Euro kostet. Pro Nacht. Der Präsident der Armen und Schwachen, die früh aufstehen, um zur Arbeit zu gehen. Einen Tag nach der Wahl fliegt er mit einem Privatjet (Hin- und Rückflug laut Süddeutscher Zeitung 50.000 Euro) zu einer Luxusjacht (Miete 170.000 Euro pro Woche), wo er mit seiner Familie Urlaub macht. Die Preise gelten nur für Otto Normalverbraucher, Sarkozy zahlt wohl nichts, denn er kennt die Leute, denen Restaurant, Hotel, Flugzeug und Jacht gehören, persönlich und gut.

Sarkozy ist so unseriös, dass er nicht mal am Wahlabend noch so tun konnte, als sei er ein Politiker, der ans Gemeinwohl denkt. Er war wahrscheinlich schon das ganze Wochenende total fickerig und konnte dann nicht mehr an sich halten. Endlich Schluss mit dem Geplapper, wie wichtig ihm die Integration von Behinderten sei und die Armen und Schwachen blabla. Die Franzosen sind empört. Ein Anrufer in einem französischen Radiosender sagt, er habe Sarkozy gewählt, aber nun sei er erbost über dessen Verhalten.

Vielleicht braucht Demokratie ein Mindestmaß an Intelligenz der Bevölkerung, sonst klappt es nicht. Wer Sarkozy bei der Debatte mit Segolène Royal gesehen hat, spürte, dass der Mann komplett unseriös ist. Andererseits: Er hatte wohl prominente Unterstützer aus der Wirtschaft und vor allem aus den Medien. Die Jacht und der Jet gehören einem Herrn Bolloré, der auch mehrere Zeitungen und Fernsehsender besitzt. Kürzlich in der taz: Sarkozy bedroht subtil Journalisten, die nicht in seinem Sinn schreiben. Wie soll Demokratie funktionieren, wenn die Medien von dem gesteuert werden, der darin eigentlich kritisch bewertet werden soll? Nimmt das ganze berlusconihafte Ausmaße an? Letztlich ging es bei der Präsidentschaftswahl um zehn oder 20 Prozent der Bevölkerung, die verarscht werden mussten. Die anderen ließen sich nicht verarschen oder wählten Sarkozy sowieso, weil ihnen Demokratie egal ist bzw. weil sie den Neoliberalismus wollen. Um die zehn Prozent dreht sich der ganze Wahlkampf, das Lügen. Das schafft ein Politiker mental wohl nur, wenn er pathologisch ergeizig ist.

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Nicolas Sarkozy auf der gemieteten Luxusjacht

Mal sehen, ob die kampferprobten Franzosen sich eine französische Agenda 2010 genauso locker überstülpen lassen wie die Deutschen. Sarkozy hat übrigens vor dem Kurztripp laut Süddeutscher behauptet, er gehe zu einem Kurzurlaub ins Kloster. Geil. Mir fällt schon wieder Berlusconi ein. Zwei doch ganz angenehme Länder in den Händen von Komikern.

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