Kairo (1)

Griechenland von oben ist völlig neu, mein erster Blick darauf. Ich war noch nie da, und jetzt sehe ich alles von oben. Und mir fällt auf, dass man in erster Linie aus zweiter Hand lebt. Jeder kennt das Inselgewirr hier von Landkarten. Jeder weiß, dass tausend kleine Inseln hier verstreut sind. Und wenn ich es jetzt sehe, ist es neu und bekannt zugleich. Aber überwältigend auf alle Fälle. Das Überwältigende am Realen ist das. So wahnsinnig real. Smaragdgrünes Wasser, sagt man dazu, glaube ich. Wobei ich keine Ahnung habe, wie ein Smaragd aussieht. Postkarte ist das alles hier. Von meinen Mitfliegern interessiert das fast niemand. Oder sie haben Angst, rauszuschauen.
Plötzlich ist Afrika da, ich sehe genau in dem Moment aus dem Fenster, wo das Land gut sichtbar wird. Der Nil fließt ins Meer, alles ist grün, ein bisschen Strand. Grün, und das Flugzeug geht langsam runter, alles wird immer deutlicher. Ein komisches Gefühl, als ich die ersten Dörfer sehe: nur kubische Lehmhäuser, zwar durch meine Bauhaus-Beschäftigung vertraut, aber doch ziemlich fremd.

Der Knaller überhaupt: Mit einem unvermittelten harten Schnitt hört das grüne Land auf und die Wüste beginnnt. Dann ist da nur noch Sand, sandfarben bis an den Horizont. Krasser Kontrast zwischen Nildelta und Wüste, mit dem Lineal gezogen. Mitten in der Wüste ein fertig angelegtes Straßensystem, aber keine Häuser, nur Asphaltstraßen, die an den Rändern schon von Sand zugedeckt sind. In Europa würde man sofort an fehlinvestierte EU-Gelder denken. Wer gibt hier das Geld? Vielleicht die arabische Liga, gesponsort von Saudi-Arabien und Kuwait. Ja, Sand ohne Ende, selbst am Rand der Rollpiste fängt der Sand schon an.

Flughafen Kairo

Koffer weg, Rucksack weg, nette Deutsche, nette Italienerin, die alle ziemlich cool bleiben. Ich bleibs dann auch, obwohl das alles ziemlich nervig werden könnte. Vier nette Jungs aus Singapur, genauso cool, mit denen ich dann im Taxi in die Stadt fahre. Dieses coole, freundliche und doch bestimmte Verhalten in so einer unvorhergesehenen und leicht kritischen Situation ist vielleicht ein typisches gemeinsames Merkmal von arrivierten Menschen aus der ganzen Welt. Das System Flughafen ist auf der ganzen Welt gleich, und in einer bestimmten Situation, nämlich Koffer weg, verhält man sich überall gleich. Und überall wird Englisch geredet.

Und dann noch die Deutsche, die in Düsseldorf mit einem Kaninchen eincheckt, wuchtige Lederjacke, blond, und ich auf dem Koffer lese: Cairo. Die dann erzählt, dass sie in Kairo wohnt und erst im November wieder nach Deutschland kommt.

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