K. u. K.

In der FAZ: Der Leipziger Maler Sighard Gille hat in den 1970ern ein Bild namens „Brigadefeier gemalt“ (anzuschauen hier), ein bisschen wie Corinth, ein ausuferndes Fest nach Feierabend in einem DDR-Betrieb. Daraufhin schreiben 500 Werktätige Protestbriefe, dass es doch so ausufernd gar nicht gewesen sei. Wahnsinn, wenn ein ganzes Land diesen eindimensionalen Kunstbegriff hat, Kunst ist gleich Realität, nur gemalt. Die DDR bestand nicht aus Proletariern, sondern deren schlimmsten Feinden, den Kleinbürgern.

Lustig: Gille hat 1973 ein Bild namens „Autofahrer“ gemalt, die Autotypen sind nicht zu erkennen, dafür sitzen die Fahrer so beengt am Steuer und die Hände kommen von oben ans Lenkrad und umfassen es vollständig, da ist klar: Das muss ein Trabant sein. Diese Lenkradhaltung der Trabbifahrer hatte sowas devotes, untergebenes, vielleicht auch hingebungsvolles, in das Schicksal des unterprivilegiert motorisierten Kleinbürgers.

m-autofahrer

Die Bilder scheinen mir mutig, für DDR-Verhältnisse. Wer war dieser Gille? Vielleicht lohnen sich Recherchen.

(Foto: Sighard Gille)

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3 Antworten zu K. u. K.

  1. Beobachter schreibt:

    „…die Hände kommen von oben ans Lenkrad und umfassen es vollständig, da ist klar: Das muss ein Trabant sein…“
    Die Logik erschließt sich mir nicht. Beobachte mal vorallem ältere Autofahrer egal ob aus Ost (also alter Trabi-Fahrer) oder aus West (eher Golf oder Mercedes-Erfahrungen).
    Die meisten haben die Hände exakt so wie auf dem Bild am Lenkrad. Das wurde offenbar so früher deutschlandweit über Grenzen hinweg in den Fahrschulen vermittelt.

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  2. genova68 schreibt:

    Tja, so unterschiedlich sind subjektive Eindrücke. Beim Betrachten des Bildes kamen mir sofort die Bilder von Trabifahren in den Kopf, die ich in der DDR beobachtet habe. Meines Erachtens hing das damit zusammen, dass die Trabis so klein waren und man Schwierigkeiten hatte, entspannt hinterm Lenkrad zu sitzen.
    Wäre aber auch komisch, wenn wir alle die gleichen subjektiven Eindrücke hätten. Dann wären sie ja quasi objektiv und man könnte immer nur zustimmend mit dem Kopf nicken.

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  3. nimrouz schreibt:

    Also, mein Bruder fuhr in jener Zeit auch einen Trabi. Er hätte die Hände gar nicht so halten *können*, denn seine Knie waren ungefähr auf der Höhe der Ohren (für ihn war es also ein recht leises Gefährt). Dadurch war er gezwungen, die Hände unterhalb der Knie, also etwa 20.20 Uhr, zu halten. Wie groß mag wohl der durchschnittliche Trabifahrer gewesen sein, für den der Kleine gebaut wurde? Eine Größe von etwa 2,02 m wie bei meinem Bruder war sicher für Trabifahrer nicht repräsentativ. Übereinstimmende Zahlenreihen bei Lenkradhaltung und Körperhöhe allerdings auch nicht.

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