Aus einem Interview des Spiegel vom Sommer 2006 mit dem damaligen palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija, Mitglied der Hamas:
SPIEGEL: Herr Ministerpräsident, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Hanija: Jetzt habe ich noch eine Frage. Ich bekleide neben dem Amt des Ministerpräsidenten auch den Posten des Sportministers. Früher habe ich selbst Fußball gespielt. Was muss ich tun, um von der Kanzlerin Angela Merkel eine Einladung für die Spiele der Fußballweltmeisterschaft zu erhalten?
SPIEGEL: Auch dafür müssten Sie wohl Israels Existenzrecht anerkennen und der Gewalt abschwören.
Hanija: Dann schaue ich mir die WM doch lieber im Fernsehen an.
Hanija galt seinerzeit als gemäßigter Vertreter seines Vereins.
Vor ein paar Tagen noch machte die Hamas klar, dass sie sich in einem Report für die Vereinten Nationen keinesfalls für zivile israelische Opfer des Gaza-Krieges vor einem Jahr entschuldigt habe. Das sei ein Missverständnis gewesen, man entschuldige sich nicht.
Ein paar Jahr vorher sagte der frühere israelische Ministerpräsident und General Ariel Sharon:
“Die Araber sollten jede Nacht und überall in nicht mehr als 500 Meter Entfernung jüdische Lichter sehen”
Wohlgemerkt in Palästina.
(zitiert nach Eyal Weizman: Sperrzonen. Israels Architektur der Besatzung. London 2007, S. 95).
Und der israelische Außenminister Lieberman verhält sich im derzeitigen Konflikt mit Syrien laut der liberalen israelischen Zeitung Haaretz wie
“ein Tyrann aus der Nachbarschaft, der die schlimmsten rechtsextremen Schläger bedient“.
Wenn Hardliner auf beiden Seiten das Sagen haben, muss man sich nicht wundern. Wobei es psychologisch ja nachvollziehbar ist, dass sich in Spannungssituationen extreme und somit strukturell nicht friedensfähige Positionen gegenseitig hochschaukeln und dann auch noch fast nur testosterongeschwängerte Männer Gehör finden.
Und noch weniger wundern solche Positionen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass sich auch unter Deutschen, die weit weg sind vom Geschehen, auffällig viele Extremisten zu Wort melden. So behauptete der Betreiber von Mein Parteibuch vor einer Weile in diesem Blog, Israel habe das menschenverachtendste Regime der Welt. Schuld an allem sind also die Israelis.
Umgekehrt wandeln sich derzeit einige Rechtsaußendeutsche wie die Betreiber von Spirit of Entebbe in angebliche Israel-Freunde, was sich vor allem dadurch bemerkbar macht, dass sie Palästinenser nur noch abstrakt und als terroristische Masse darstellen, quasi entmenschlicht. Schuld an allem sind also die Palästinenser.
Zwei kleine Beispiele aus der Bloggerwelt. Diese extremen Positionen sind sich näher als sie ahnen, kultivierte Hassprediger. Deshalb wünschen sie sich insgeheim überall so starke Männer wie Hanija und Sharon.
Sie sind auf einem guten Weg.
Update, 10.2.: Einen hervorragenden, wenn auch zu langen Artikel zum Thema “Rassismus, als Antisemitismuskritik verkleidet” habe ich noch bei hagalil.com gefunden. Auszug:
In der Linken stehen die so genannten „Antideutschen“ an vorderster Front jener, die den Antisemitismus als islamimmanent betrachten. Moshe Zuckermann merkt dazu kritisch an, dass diese einer „Antisemitismuseuphorie“ frönen würden, „die den Begriff inzwischen fast vollends entleert hat“. Sie würden dabei auch einen enthistorisierten Zionismusbegriff verwenden und eine Ideologie vertreten, die „mit den ideologischen Positionen rechtsradikaler Siedler in den besetzten Gebieten“
Diese Kritik gilt genauso für evangelikale oder rechte Israel-Freunde. Auch deren Sorge angesichts des islamischen Antisemitismus ist nicht in diesem begründet, sondern in einem narzisstischen Identifikationsversuch mit den „Opfern“ der eigenen Tätervorfahren und im Rassismus gegen Muslime und Musliminnen.
Wie das antisemitische Ressentiment Teile des Rechtsextremismus und des Linksradikalismus mit dem politischen Islam zusammenführt, so führt das antimuslimische Ressentiment andere Teile der extremen Rechten mit manchen Linken zusammen.