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Deutsche Gemüsekunde

7. Juli 2009 · 5 Kommentare

Man lernt nie aus, auch nicht beim Einkaufen. Deutschen Spitzkohl kannte ich schon:

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Deutsche Bundmöhren noch nicht. Oder ist ein deutscher Bund Möhren gemeint? Was unterscheidet einen deutschen Bund von einem nichtdeutschen? Oder ist das Bund gemeint? Oder haben sich deutsche Möhren zu einem Bund zusammengeschlossen? Oder verkauft Edeka deutsche bunte Möhren?

Jedenfalls kostet ein Bund nur 49 Cent.

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Kategorien: Alltagskultur · Essen & Trinken
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Günter Wallraff? Nie gehört!

3. Juli 2009 · 1 Kommentar

So funktioniert Öffentlichkeitsarbeit:

Ein Azubi eines pfälzischen Luxusrestaurants bat kürzlich Günter Wallraff um Hilfe. Der 16-jährige musste 80 Stunden die Woche arbeiten und wurde „körperlich und psychisch“ schikaniert. Andere Azubis dort berichteten das gleiche.

Wallraff ruft nun bei dem Restaurantchef an und schlägt ein Treffen mit den Beteiligten vor. Wallraff selbst will als Schlichter fungieren. Was macht der Chef? „Er lehnte ab und zeigte sich absolut uneinsichtig“.

Das muss man erstmal hinkriegen. Man stelle sich vor: Es klingelt, Wallraff ist dran, erzählt was von unmenschlichen Arbeitsbedingungen und der Chef sagt: „Ist mir wurscht“ und legt auf. Jetzt steht die Story in allen Zeitungen, nicht nur in der Pfalz. Selbst das Zeit-Magazin berichtet darüber. Konnte der Chef mit dem Namen  Wallraff nichts anfangen?

Das Restaurant hat von der Wirtschaftskrise übrigens noch nichts gehört. Auf der Website liest man:

Wir sind stets auf der Suche nach engagierten und motivierten Mitarbeitern die uns unterstützen und unser Team verstärken.

Woran das wohl liegt?

Das Restaurant habe „ein bundesweit einmaliges Ausbildungsprogramm entwickelt“, steht da noch, haha. Wallraff widerspricht:

„Das Schlimme ist, dass es leider überhaupt keine Ausnahme ist. Solche Arbeitsbedingungen nehmen immer mehr zu, gerade jetzt, wo jeder um seinen Arbeitsplatz zittert.“

Nebenbei ist das natürlich wieder ein schönes Beispiel für die Logik des Systems: Auch wenn der Kunde für das „Menü komplett“ 119 Euro zahlt, muss man den Lehrling noch lange nicht menschenwürdig behandeln.

Vielleicht darf er ja wenigstens die Reste essen.

Kategorien: Aufmerksamkeitsökonomie · Essen & Trinken · Neoliberalismus
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Klickabel (1) – Enveloop

26. März 2009 · 7 Kommentare

Ob wir das Internet brauchen oder ob jetzt alle nur noch stumpf vorm PC hocken und was besser ist, Netz oder Print: Die Diskussion ist mir derzeit zu ermüdend. Oder auch zu kompliziert, wer weiß.

Hin und wieder findet man aber schöne Beispiele dafür, dass wir ohne das Internet ärmer wären.

Beispielsweise diese Seite: Laut Eigenaussage eine kleine Gruppe von Leuten, die „Bilder und Meinungen teilen über Lebensmittelverpackungen“. Sie wollen Verpackungen „feiern“, die „täglich unser Leben erfreuen“. Tausende von Flaschen, Dosen und anderen Behältern, schön geordnet nach Ländern und Verwendungszweck, werden einfach gezeigt, sonst nichts.

Wo, wenn nicht im Internet, hätten diese Freaks eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Es hat etwas vom Kantschen „interesselosen Wohlgefallen“ (vorausgesetzt, dahinter versteckt sich nicht die Verpackungsindustrie).

Kostprobe: Bier aus Lappland

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Kategorien: Alltagskultur · Blogs · Essen & Trinken · Internet · Klickabel
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Ein Gefühl von Kultur in Nordfrankreich

1. Juli 2007 · Kommentar schreiben

Zurück aus Frankreich. Schon angenehm, das Land. Die Umgangsformen sind angenehmer, „Bonjour, Monsieur“ allerorten. In Deutschland ist das komplett verloren gegangen. Im Café in Rouen sagte ein Mann zu der Kellnerin, der Tee sei „für die Dame“ („pour Madame“). Wunderbar. In Deutschland geht das nicht. Früher gab es das „die Dame“ und „der Herr“. Das ist irgendwann abhanden gekommen. Wann eigentlich? Waren das die Achtundsechziger? In Frankreich jedenfalls gibt es das noch, eigentlich in jedem Kulturland (Spanien, England, Portugal). Wie ist das in Italien?

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Die Region Pas-de-Calais ohne Regen

Dann die Esskultur. Mir ist bei meinen zahlreichen Frankreichbesuchen noch nie so sehr das Konditoreiwesen aufgefallen. An jeder Ecke eine Patisserie mit unglaublichen Köstlichkeiten. Nicht nur süß wie in Portugal, sondern sehr vielfältig, viel mit Früchten, ganz unterschiedliche Geschmacksrichtungen, vertretbare Preise. Und die Metzgereien. Es ist beschämend, womit wir uns hier zufrieden geben. Die nordfranzösische Landschaft reizt mich jedesmal mehr. Die Normandie, sogar die Region Pas-de-Calais, eigentlich eher grau, aber schön melancholisch. Dazu der Dauerregen, passt dorthin. Zumindest, solange man nicht aus dem Auto aussteigt.

Kategorien: Alltagskultur · Essen & Trinken · Frankreich
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Zu Besuch bei Pina Bausch

15. Februar 2001 · Kommentar schreiben

Ich habe in der Pause der Aufführung im Tanztheater von Pina Bausch Sauerkraut mit Bratwürstchen gegessen, superlecker. Das Kraut war zwar schon ziemlich durch, aber trotzdem gut, die Würstchen erst recht. Ein Gaumenschmaus, und die Sorge, dass die Pausenzeit nicht reichen könnte, hat den Genuss noch erhöht. Überhaupt, das, wo man mit geringen oder keinen Erwartungen drangeht, ist das beste, und wenn es Sauerkraut ist. Ein Gemeinplatz, natürlich. Die Pause hat dann locker gereicht, umso besser.

Pina Bausch kam am Ende des Stücks auf die Bühne. Wir hatten sie schon in der Pause gesehen, auf den Tipp einer Garderobenfrau hin, sie käme gleich da aus der Tür, aschfahl, aber trotzdem vital, 60 soll sie sein, ein bisschen theatralisch, vielleicht auch sorgenvoll, aber auf alle Fälle mit viel, viel Würde. Das Publikum steht ausnahmslos auf vor soviel Würde. Die Garderobenfrau meinte, es kämen immer wieder diesselben, und ob wir wirklich das erste Mal da wären. Ja, waren wir. Und vielleicht nicht das letzte Mal.

Die erste Viertelstunde war ja eher Panne, ziemlich bürgerlich, aber dann immer besser. Einige Szenen waren bestimmt vom Absurden, da ist mir deutlich geworden, dass genau das mich anzieht, mir fast immer gefällt, absurde, groteske Situationen, vielleicht auch nur grotesk.

Ein junger Mann steht auf der Bühne, Hemd an, aber keine Hose, und Gummistiefel, alte schwarze. Er steht da ziemlich geistesverloren und konzentriert sich auf eine Frau, ein Stück weg auf der Bühne, und dann kippt er sich Mineralwasser aus einer Vitellflasche in die Stiefel. Oder eine Frau, die Wasser auf die Sitzfläche eines Stuhls kippt und sich dann mit einem ordentlichen Ruck und sichtlich genussvoll draufsetzt, immer wieder.

Ich kann nicht gut erklären, was mich daran so reizt. Das Sinnlose in eine Szene konzentriert und bis zur Penetranz ausgebreitet, isoliert von der Welt, von allem, was vernünftig sein könnte. Das ist zumindest EIN Sinn des Theaters, Sinnlosigkeit zu thematisieren, wo doch ansonsten immer alle so tun, als sei alles so sinnvoll. In der S-Bahn nachhause sah jede zweite Frau aus wie Pina Bausch.

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Kategorien: Essen & Trinken · Kunst · Musik
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