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Wider unser ungerechtes Steuersystem

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Wer gottfreundlich ist, zahlt in Deutschland Steuern. Wer tierfreundlich ist, ebenfalls. Ich bin beides nicht und zahle deshalb keine Steuern. Muss ich mich nun selbst anzeigen?

Hoeness ist vermutlich sowohl sehr gott- als auch sehr tierfreundlich. Sicherlich besitzt er mehrere Dutzend Hunde und ein paar Kirchen. Deshalb muss er nun so viele Steuern nachzahlen.

Vielleicht sollte ich für eine Bloggersteuer eintreten, der Gerechtigkeit wegen. Die wird dann natürlich auf die Leserinnen und Leser umgelegt.

Macht ist perfekt, wenn sie nicht mehr bemerkt wird

Hinweis auf einen angenehmen Artikel von Georg Seesslen aus meiner Blogroll:

Das Projekt der Linken, wie immer sich diese selber definiert, ist nach wie vor in einer einfachen Aussage zusammenzufassen: Die Befreiung der Menschen von ungerechter, unterdrückender und ausbeuterischer Macht. Die Veränderung dieser Macht bzw. dieser Mächte verändert auch die Linke. Die Ungerechtigkeit, die Unterdrückung und die Ausbeutung sind vergleichbar konstant (da der Mensch als Objekt einigermaßen konstant bleibt und nicht, zum Beispiel, auf einmal fliegen oder gar mit einem Schlag „gut“ geworden sein kann); die Nutznießer von Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung wechseln Form und Methodik. Was man von der Macht sagen kann, bevor man ins einzelne geht: Die Macht ist immer auf der Höhe der Zeit. (Oder sie verschwindet.)

Daher hat (der Karlsruher Philosoph) Byung-chul Han natürlich vollkommen recht, wenn er sagt, die Macht sei beinahe perfekt, wenn sie gar nicht mehr bemerkt werde, und umgekehrt sei die Gewalt noch stets ein Anzeichen der Schwäche, nicht der Stärke der Macht. Die Macht ist demnach am perfektesten, die den Menschen ausbeutet, weil er ausgebeutet werden will, und die ungerecht ist, weil seine Adressaten Ungerechtigkeiten wollen, und  die unterdrückt, weil die Unterdrückten Geschmack an der Unterdrückung haben.

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Nichts wirklich neues, aber gut auf den Punkt gebracht. Überhaupt könnte dieser Han lesenswert sein, weil er offenbar neoliberale Logiken recht anschaulich beschreibt. Die Foucaultsche Biopolitik, die Verlagerung der Steuerung des Individuums und der Masse ins Subjekt selbst, und zwar gemäß der Wünsche der herrschenden Klasse. Der Untertan übernimmt die Selbststeuerung also freiwillig. Die Übernahme der objektiven Interessen der herrschenden Klasse vom ausgebeuteten Objekt, das jene als seine eigenen wähnt. Der Ansatz vom Ausgebeutet-werden-wollen als unbewusstem psychologischen Aspekt, der sich sein Ventil dann beispielsweise in Fremdenfeindlichkeit und Homophobie sucht.

Das alles wird im Neoliberalismus verschleiert durch den vordergründig eigentlichen Aspekt des Begriffs. Alles ist so liberal, es gibt keine Hierarchien mehr, kein oben und kein unten, wir sind alle mündig und frei und autonom, wo soll denn der Feind stehen, bitteschön? Das war Achtundsechzig einfacher. Da gab es wenigstens noch den Nazi mit Hut, der offen davon sprach, irgendwen vergasen zu wollen. Wer macht das heute noch?

Die Nazis von heute sind Leute, die sich Islamkritiker nennen oder Grundgesetzverteidiger. Auch so eine skurrile Begriffsverwirrung, die, so nehme ich an, 1930 ähnlich war und erst im Rückblick die Klarheit bekam, an die wir uns gewöhnt haben.

Die Macht ist perfekt, wenn sie nicht bemerkt wird. Man lese sich nur einmal die Kommentare zu einem Spiegel-Artikel über Flüchtlinge durch oder die Kommentare zu einem Welt-Artikel über Griechenland. Die realen Zumutungen des Kapitalismus werden nicht als solche erkannt, sondern umgeleitet auf die Habenichtse. Das alte Spiel. Immer wieder aktuell.

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(Foto: genova 2011)

Ein smarter Grüner und sein Einsatz für die “Rechte zukünftiger Generationen”

Vielleicht nimmt das Thema “Neoliberaler Umbau der Gesellschaft” hier so langsam überhand, aber ich finde ständig durch Zufall interessante Hinweise darauf, die ich dann doch flott mitteilen möchte. Es geht im Folgenden um einen Gast der heute Abend laufenden Talkshow Maybrit Illner. Sein Name ist Danyal Bayaz. Das Thema ist “Arm im Alter – erst schuften, dann betteln?”

Herr Bayaz ist 29 Jahre alt und bei Illner eingeladen, weil er Vorstandsmitglied der “Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen” ist. Klingt ja nett. Was ist das für eine Stiftung? Googeln ergibt das übliche Geblubber von dem “Think Tank” an der “Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft”, man will “die Veränderung der Gesellschaft”, also auf den ersten Blick nichts Konkretes. Ein Blick auf die Kontaktdaten zeigt aber, dass die Stiftung ihr Konto bei der GLS-Bank hat, die sich für soziale und ökologische Projekte einsetzt und, soweit ich das überblicke, keinen Mist baut.

Na, das nimmt einen doch mal positiv ein für die Stiftung! Und es scheint Geld dahinter zu stecken: Sie loben alle zwei Jahre einen mit 10.000 Euro dotierten “Generationengerechtigkeits-Preis” aus.

Doch dann lese ich erstens, wer im “wissenschaftlichen Beirat” der Stiftung sitzt:

  • die bekannten neoliberalen Propagandisten Bernd Raffelhüschen und Meinhard Miegel
  • das Vorstandsmitlied der Bertelsmann-Stiftung, Werner Weidenfeld
  • der angebliche Philosoph Vittorio Hösle, der mir schon einmal durch, sagen wir: merkwürdige Gedanken aufgefallen ist
  • sowie weitere rund 30 hochkarätige Personen (unter anderem Dieter Birnbacher, wofür sich mein Stammleser Hannes Wurst interessieren dürfte).

Nebenbei: Rund die Hälfte der Beiratsmitglieder ist älter als 70 Jahre.

Und ich lese zweitens, dass die Stiftung beim Thema “Staatsverschuldung” den üblichen neoliberalen Blödsinn schreibt:

Die herrschende Generation kann die Kosten für ihren Konsum den nachfolgenden Generationen aufbürden, ohne dass sich diese dagegen wehren können.

Braucht man für so einen falschen Satz 35 “wissenschaftliche Berater”?

Ich will mich hier nicht ständig wiederholen (über die Kategorien rechts kommt man zu weiteren Infos). Deshalb nur so viel: Das Thema deutsche Staatsverschuldung hat mit der “Generationenfrage” nichts zu tun. Alleine das reichste Prozent der Bundesbürger besitzt 35 Prozent des gesamten Vermögens, plus die Schwarzgelderträge aus der Schweiz und anderswo.Im Wesentlichen sind die reichsten fünf oder zehn Prozent der Bevölkerung die Gläubiger der Staatsschulden, die kriegen jedes Jahr den Großteil der knapp 40 Milliarden Euro Zinsen, alleine vom Bund. Wenn ich Kind der Reichen bin, profitiere ich also von den Staatsschulden, inklusive Vererbung der Ansprüche. Wenn ich das nicht bin, kriege ich keine Zinsen, sondern zahle sie. Die “junge Generation” übernimmt nicht nur Schulden, sondern auch die Forderungen. Aber eben immer individuell, je nach Elternhaus.

Es geht also, wie immer, um Klassen, um arm und reich, um Kapitalverhältnisse, um Macht. Wenn Bayaz wirklich Gerechtigkeit wollte, würde er für Vermögensabgaben plädieren.

Die Stiftung ist eine weitere verdeckt neoliberale Propagandatruppe in einer langen Liste neoliberaler Propagandatruppen, die dieses Mal so tut, als vertrete sie die jungen Menschen in diesem schönen Land. Nein, tut sie nicht. Sie vertritt die Reichen, egal welchen Alters. Und es sind andere, die sich “nicht wehren können”.

Richtig interessant wird es, wenn ich den Gast von Frau Illner, das Vorstandsmitglied Danyal Bayaz, google. Der Mann ist Mitglied bei den Grünen und fester Autor des Blogs der Grünen Baden-Württemberg. Dort heißt es über ihn (Rechtschreibfehler übernommen):

Der Deutsch-Türkische Doppelstaatler interessiert sich für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik und setzt sich als Anwalt der Jungen für Generationengerechtigkeit ein.

So geht das. Wenn der sich ernsthaft für Wirtschaft und Gesellschaft interessiert, dann dürfte er sich über seine Rolle im Klaren sein.

Eines muss man der neoliberalen Propgagandamaschine lassen: Sie haben es drauf. Nachdem ein Miegel und ein Raffelhüschen mittlerweile mehr als einmal entlarvt wurden, machen sie nurmehr in der zweiten Reihe mit. Vorne sitzen jetzt smarte 29-Jährige, die gerade promovieren (mit einem Stipendium der “Deutschen Wirtschaft”) und Mitglied der Grünen sind. Das dürfte die Mehrheit der schätzungsweise drei Millionen Zuschauer heute Abend überzeugen: Der meint es ehrlich! Dass dahinter nur ein weiterer Ansatz steckt, Gesellschaft zu zerstören und dem Kapital die Renditemöglichkeiten auszubauen, merkt man nicht so schnell.

Es ist aber auch möglich, dass Herr Bayaz das selbst nicht merkt. Ein 1983 Geborener ist in den 1990er Jahren und später politisch sozialisiert worden. Da kann man leider nicht viel erwarten. Die neoliberale Maschinerie lief sich warm, für den smarten Heidelberger ist das smarte Geplapper wahrscheinlich ganz normal und sehr vertraut. Ich Opa, geboren 1968, erinnere mich noch an die Grünen im Jahr der Geburt von Bayaz. Der wäre da hochkant rausgeflogen. Vermutlich aber hätte er die Ökos als Jungliberaler bekämpft. Heute nehmen die Grünen ihn und seine FDP-Positionen erfreut auf.

Grüne, GLS-Bank, Gerechtigkeit: So läuft das. Der Neoliberalismus hat sich festgesetzt und nutzt jede Ritze. Dazu passt, dass im erwähnten 35-köpfigen wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Generationengerechtigkeit auch Claus Offe sitzt, der in den Sechzigern zwar mal Habermas assistierte, jüngst aber Professor der Berliner “Hertie School of Governance” war, bei der im Kuratorium haufenweise die üblichen Marktradikalen von Wolfgang Clement über Udo di Fabio bis Dieter Lenzen (den kennt man auch von der “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft”) vertreten sind. Was einen Offe dazu bringt, sich zu prostituieren, würde mich interessieren.

Die Karriere des jungen Bayaz jedenfalls dürfte gesichert sein.

Falls sich wer die Sendung von Maybrit Illner anschaut, möge er oder sie berichten.

So sieht er aus, der Herr Bayaz:

(Foto: Grüne Bayern/SWR/Kluge)

Update: Bayaz ist tritt heute Abend in der Sendung wohl doch nicht auf, sein Name ist auf der Illner-Webseite nicht mehr zu finden.

Der deutsche Herrenmensch im Update

“…der Krieg gegen die europäischen Völker wird zwar nicht mehr mit Gewehren und Kanonen geführt, sondern indem die Deutschen ihre europäischen Nachbarn ökonomisch niederzwingen und ausbluten wollen. Eine Mehrheit hat offenbar aus den beiden katastrophalen Niederlagen des letzten Jahrhunderts nichts gelernt. Der von der Politik und den Medien geschürte Größenwahn der Deutschen kann nur erneut in einer Katastrophe enden.”

Das schreibt Wolfgang Lieb von den nachdenkseiten. Vielleicht im letzten Satz zu dick aufgetragen, aber vom Ansatz her dringend notwendig zu betonen: die deutsche Herrenmenschenmentalität, die den faulen Südeuropäer und also den Ansatz minderwertigen Lebens immer noch so bereitwillig ins bodenständige Argumentationsrepertoire aufnimmt. Türken, Moslems, Griechen, Portugiesen, Spanier, Italiener sowieso: immer noch das gleiche Pack, das uns das Leben schwer macht und uns ausnutzt. Und es ist doch offensichtlich: Das, was “wir” bis 45 nicht schafften, wird nun auf dem ökonomischen Schlachtfeld nachgeholt. Alleine diese pubertäre Freude über den Exportweltmeister, was ja immer auch ein Treten nach unten ist. Bar eines jeden ökonomischen Sachverstandes freuen wir uns, weil wir so “fleißig” sind, eine regressive Freude, die ohne das Verächtlichmachen derer, die unsere Waren kaufen, nicht möglich ist. Gerade das Wirtschaftswunder zeigte doch, das wir Deutsche offenbar genetisch so unglaublich tüchtig sind, da reicht niemand heran. DAS ist doch die eigentliche Lektion unserer Vergangenheitsbewältigung.

Und das darf man jetzt wieder etwas lauter sagen. Sarrazin hat es vorgemacht.

Derzeit besetzt Markus Söder die Stelle des Hetzers. Auszug aus einem Interview mit der Bild am Sonntag (gemeinsam mit Sahra Wagenknecht):

“Hier gilt eine alte Regel vom Bergsteigen: Wenn jemand an deinem Seil hängt und dabei ist, dich mit in den Abgrund zu reißen, musst du das Seil kappen.”

sagt er mit Blick auf Griechenland. Und:

„Weitere Hilfen für Griechenland ist wie Wasser in der Wüste vergießen… Irgendwann muss jeder bei Mama ausziehen, und die Griechen sind jetzt so weit.“

Söder markiert derzeit den Rechtsaußen, weil Sommer ist und weil rechtsaußen parteipolitisch eine Leerstelle herrscht, die die CSU seit Strauß niemand anderem überlassen will. Die Willfährigkeit, mit der die Medien ihn unterstützen (wie oft wurde Söder eigentlich schon vom Deutschlandfunk interviewt?) und die Popularität, zu der er mit solchen Aussagen kommt, sind bezeichnend.

Noch eine kurze Sequenz aus dem Interview der Bild am Sonntag mit Söder:

BamS: An Athen muss ein Exempel statuiert werden, dass diese Eurozone auch Zähne zeigen kann.

Söder: Die Deutschen können nicht länger der Zahlmeister für Griechenland sein.

Ökonomische Analyse wird ersetzt durch Rassismus und Stammtisch und Plakatives. Der Zahlmeister zeigt Zähne und statuiert ein Exempel. Die Bild-Journalistin (Anna von Bayern heißt sie, kein Scherz) hat da oben übrigens tatsächlich keine Frage gestellt, sondern eine Feststellung getroffen. Wir armen Deutschen sind Zahlmeister, wo wir doch so schuften und alles reformiert haben. Vor zehn Jahren waren wir noch bemitleidenswert, weil die Chinesen und die Slowaken uns die Arbeitsplätze wegnehmen. Irgendwer will uns ja immer böse. Wir helfen allen, aber uns hilft niemand.

Nun sind Bild und Söder das eine. Das andere ist, dass es funktioniert. Söder kriegt nach solchen Aussagen keinen Shitstorm ab, er hat ja nur tief in Volkes Seele geguckt. Die Herrenmenschenlogik ist offenbar nach wie vor tief verwurzelt.

Wichtig in diesem Drama auch, Linke als vaterlandslose Gesellen darzustellen, wieder in einem bemerkenswerten Zusammenspiel mit Anna von Bayern. Söder an Wagenknecht gewandt:

SÖDER: Deutschland ist ein starkes, stabiles Land. Reden Sie Deutschland nicht immer schlecht! Gibt es ein Land in Europa, in dem Sie lieber leben würden?

BamS: Alle in Europa beneiden uns.

Wer interviewt da eigentlich wen? Skurril: Söder ist ja nun einer der personifizierten Gründe, “Deutschland” schlecht zu reden. Ich weiß nicht, wie viel Prozent der Bevölkerung Söder mit sowas erreicht. Gefühlt würde ich sagen: es werden mehr.

Gleichzeitig läuft eine neoliberale Politik, die immer mehr an Naomi Kleins Schock-Therapie erinnert, auf Hochtouren. Schuldenbremse und Fiskalunion sind zwei Ansätze, die vermittelbar sind, wir haben ja schon genug Schulden.

Das Kapital lacht sich derweil gestaltlos ins Fäustchen. Rendite wird gemacht, ob in nationalem oder internationalem Gewand, ist egal. Anna von Bayern wird es schon richten.

 

Mit welcher Duden-Ausgabe arbeitet der Journalist Andreas Unterberger?

Ein kurzer Ausflug in unser komisches Nachbarland namens Österreich. Ein Land der Extreme und deshalb interessant. Zum einen gab und gibt es dort viele ganz wunderbare Schriftsteller, Musiker, schöne Berge, guten Kaffee, tolle Torten. Zum anderen die Kronenzeitung, Volksmusik, Jörg Haider, HC Strache und Andreas Unterberger.

Es geht im Folgenden um letzteren und auch nur um ein Detail. Unterberger war früher ein wichtiger Journalist in Österreich: zwischen 1973 und 2004 Redakteur bei der Presse, einer großen konservativen Tageszeitung aus Wien, vielleicht mit der FAZ vergleichbar. Von 1995 an saß Unterberger dort sogar auf dem Sessel des Chefredakteurs. Er hat es also weit gebracht.

Was macht Unterberger jetzt? Er schreibt einen Blog, den ich schlicht als in weiten Teilen rechtsradikal bezeichnen würde. Ein kleines aktuelles Beispiel:

Es ist unfassbar, wie rasch die Diktatur der Politischen Korrektheit voranschreitet. Jetzt hat der sogenannte Presserat eine Zeitung verurteilt, weil sie den Ausdruck „Neger“ verwendet hat. Das also kommt heraus, wenn Gewerkschafter und Herausgeber sich zu Hütern der Pressefreiheit aufschwingen [...] Ein solcher Presserat und seine Ehrbegriffe sind in jeder Hinsicht neger. Dieses „neger“ wird von meinem Duden übrigens als umgangssprachlich gebrandmarkt, der „Neger“ als „Angehöriger der Rasse der Negriden“ hingegen keineswegs. Aber unsere linken Journalisten sind ja dem Duden allemal weit voraus an Korrektheit, freilich nur Politischer.

Fragt sich nur, welche Duden-Ausgabe Herr Unterberger benutzt. Meine, die 24. Auflage von 2006, erwähnt das “diskriminierende” Moment des Begriffs. Dazu kommt Unterbergers Formulierung von der “Rasse der Negriden”.

Wie viele Duden-Ausgaben muss man zurückgehen, bis man solche Einschätzungen und Formulierungen findet? Bis in die 1950er? Oder doch eher vor 1945? Was sagt man zu jemandem, der als einer der (ehemals) wichtigsten Journalisten Österreichs offenbar mit einem Duden aus der Nazizeit (bzw. massiv davon beeinflusst) arbeitet und argumentiert? Und welches Gedankengut muss man pflegen, wenn man bei der Rüge des Presserates aufgrund der Verwendung von “Neger” im Jahr 2012 über die “Diktatur der politischen Korrektheit” lamentiert? Und wieso ist so jemand einer der erfolgreichsten Blogger dieses sympathischen Landes, das mir schon auf den großen Landkarten in der Schule als überdimensioniertes Wiener Schnitzel auffiel?

Besonders pikant: Unterberger war laut wikipedia zwischen 1989 und 1998 Lehrbeauftragter im Fachbereich Politikwissenschaft an der Uni Wien und hielt unter anderem “Seminare und Vorlesungen” ab zu den Themen “Minderheitenschutz” sowie “Minderheiten- und Selbstbestimmungsfragen”. Wahrscheinlich hatte er vor allem die arme österreichische Minderheit in Europa vor Augen.

Ein recht typischer Kommentar aus dem Unterbergschen Blogartikel:

weil man nicht Neger sagen darf, sagen viele eben Bimbo

Ja, so ist das wohl in Österreich. Drangsaliert und geschunden von den politisch Korrekten. Ich erinnere mich an einen Skiurlaub vor ein paar Jahren, in dem ich die Kronenzeitung las und wirklich den Eindruch hatte, dass die Bild dagegen ein linkes Intellektuellenblatt ist. Die Kronenzeitung erreicht täglich 2,7 Millionen von 8,4 Millionen Österreichern.

Werben tut auf dem Unterberger-Blog übrigens das neoliberale Hayek-Institut. Die beschäftigen sich ja auch mit Sprache.

Update 1.8.12: Die Zeitung, die der österreichische Presserat gerügt hat, heißt “Zur Zeit” und wird herausgegeben vom FPÖ-Politiker Andreas Mölzer.

Neu in der Blogroll: Che und Seeßlen

Beide angenehm zu lesen, beide auf ihre Art:

Che

Georg Seeßlen

Wohl bekomm´s!

Da ist wohl was dran:

Gerade im Statistikbereich dieses Blogs gesehen: Eine aktuelle Suchanfrage bei google, die zu Exportabel führte:

einfache denkstruktur länger leben

Sehr richtig. Also bitte hier den Krempel über pornographische Flugzeugbauchansichten u. ä. lesen und ganz in Ruhe einfach alt werden.

“Russland? Naja.”

Geographiekenntnisse haben zwar etwas rein Formales und sind deshalb einem kritischen Wissensbegriff eher äußerlich, doch wenn die Deutschlandchefin und Vielfliegerin Angela Merkel bei einem Schulbesuch(!) Berlin auf einer Landkarte mal eben mehrere tausend Kilometer nach Osten verschiebt, dann berührt das schon fast peinlich:

Merkel verschiebt Berlin nicht einfach nach Warschau, Kaliningrad oder St. Petersburg, sondern noch mehrere hundert Kilometer östlich hinter Archangelsk. Bedeutet insgesamt rund dreieinhalbtausend Kilometer. Aber halb so wild: Die großen Entfernungen in Russland haben ja schon mal einen deutschen Häuptling verwirrt.

Interessant auch, dass das Thema – abgesehen von der heute-show – nur in Blogs vorkommt. Es lebe die deutsche Medienlandschaft. Im portugiesischen Publico (so eine Art Süddeutsche Portugals) stand das Thema inklusive Video gestern auf der Startseite.

Aber immerhin ist Frau Merkel voller guter Absicht:

Merkel: “Thema Bildung liegt mir sehr am Herzen”

 Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrem neuen Video-Podcast das Ziel bekräftigt, Deutschland zur Bildungsrepublik zu machen. Bildung sei “ein zentrales Thema für unsere Zukunft”, sagt die Kanzlerin.

Wenn Nazis Gas geben

Aus einem Artikel des rechtsradikalen Internetblogs pi-news über einen Bericht, der sich mit den neonazistischen Hintergründen einiger PI-Mitstreiter beschäftigt:

“Wir kreuzbraven Islamkritiker aus der Mitte der Gesellschaft von BPE und der FREIHEIT kennen diese linksradikalen Diffamierungskampagnen zur Genüge. Sie prallen mittlerweile von uns ab wie Regentropfen von der Windschutzscheibe eines immer schneller fahrenden Autos.

Was passiert mit einem Auto, das bei Regen immer schneller fährt? Genau. Diese Leute fahren nicht nur schneller, als die Polizei erlaubt, sie tappen auch immer wieder in die selbstgestellte Falle. Denn letztlich ist dieses merkwürdige Bild gar nicht so falsch. Pi und Co. hoffen unterbewusst auf das große gesellschaftliche Aquaplaning. Hauptsache, es passiert was. Schuld sind dann eh wieder die linksgrünversifften Moslems.

Aber nehmen wir die Jungs einfach wörtlich: Der Pi-Artikel handelt im Weiteren von einer Fahrt dieser Hanseln zu einer rechtsradikalen Kundgebung nach Dänemark. Heute.

Soll es heute nicht Regen geben? :-)

Ich versteigere Exportabel – Mindestgebot: 4.750 Euro

Auf dieser Qualitätsseite namens URLPULSE kann man den Tauschwert der eigenen Website ermitteln lassen. Das enttäuschende Ergebnis für den Exportabel-Blog: Er soll lediglich 4.750 Euro wert sein. Angesichts der vielen wertvollen Informationen, mit denen der Leser hier seit Jahren versorgt wird, kaum zu glauben.

Exportabel ist der zweihundertfünfzehntausenddreihunderachtundsechzig-meistgelesene Blog Deutschlands. Bei 82 Millionen Einwohnern kann man ihn also zur quantitativen Blogelite überhaupt zählen. So eine Art Bildzeitung der Bloggosphäre.

Ich mache die 4.750 Euro deshalb zum Startpreis einer Auktion. BieterInnenfrist, wie man sagt: eine Woche. Angebote entweder per Kommentar oder per Mail.

Möge der neue Besitzer mit dem Erbe verantwortungsvoll umgehen.