Archiv der Kategorie: Blogs

Wenn Nazis Gas geben

Aus einem Artikel des rechtsradikalen Internetblogs pi-news über einen Bericht, der sich mit den neonazistischen Hintergründen einiger PI-Mitstreiter beschäftigt:

“Wir kreuzbraven Islamkritiker aus der Mitte der Gesellschaft von BPE und der FREIHEIT kennen diese linksradikalen Diffamierungskampagnen zur Genüge. Sie prallen mittlerweile von uns ab wie Regentropfen von der Windschutzscheibe eines immer schneller fahrenden Autos.

Was passiert mit einem Auto, das bei Regen immer schneller fährt? Genau. Diese Leute fahren nicht nur schneller, als die Polizei erlaubt, sie tappen auch immer wieder in die selbstgestellte Falle. Denn letztlich ist dieses merkwürdige Bild gar nicht so falsch. Pi und Co. hoffen unterbewusst auf das große gesellschaftliche Aquaplaning. Hauptsache, es passiert was. Schuld sind dann eh wieder die linksgrünversifften Moslems.

Aber nehmen wir die Jungs einfach wörtlich: Der Pi-Artikel handelt im Weiteren von einer Fahrt dieser Hanseln zu einer rechtsradikalen Kundgebung nach Dänemark. Heute.

Soll es heute nicht Regen geben? :-)

Ich versteigere Exportabel – Mindestgebot: 4.750 Euro

Auf dieser Qualitätsseite namens URLPULSE kann man den Tauschwert der eigenen Website ermitteln lassen. Das enttäuschende Ergebnis für den Exportabel-Blog: Er soll lediglich 4.750 Euro wert sein. Angesichts der vielen wertvollen Informationen, mit denen der Leser hier seit Jahren versorgt wird, kaum zu glauben.

Exportabel ist der zweihundertfünfzehntausenddreihunderachtundsechzig-meistgelesene Blog Deutschlands. Bei 82 Millionen Einwohnern kann man ihn also zur quantitativen Blogelite überhaupt zählen. So eine Art Bildzeitung der Bloggosphäre.

Ich mache die 4.750 Euro deshalb zum Startpreis einer Auktion. BieterInnenfrist, wie man sagt: eine Woche. Angebote entweder per Kommentar oder per Mail.

Möge der neue Besitzer mit dem Erbe verantwortungsvoll umgehen.

Suchbegriffe, Teil drei

Die prägnantesten Suchbegriffe, mit denen dieser Blog in den vergangenen Monaten via Suchmaschinen gefunden wurde (Fortsetzung von hier und hier):

tapferkeit deutscher soldaten

betrunken auf dem boden

katzen in flaschen gezüchtet

große möpse

doppelte latte bei traufe

hunde-kot-stop- fahnen

verlassene freizeitparks

suche stelle als kopfschlächter

feuerlöscher aus sichtbeton

rösler volltrottel

wieviel gas ist in einen feuerzeug

was reitet di lorenzo

ich engagiere mich für

sexualtabu und neurose

deutschland scheiss land

kopfschlächter köln

welcher amerikanische sänger hatte was mit johanna quandt zu tun

krümeln im sperma

fdp scheiße

wenn der kot drückt

waschbeton selber machen

düsseldorf kölsch bestellt zusammengeschlagen

tasche die aussieht wie ein hund

ich ficke meine schwiegermutter an neujahr

schiefe augenmuskeln

liebe ist du und ich

jüdin merkel

unglaubliche sachen

“das einzige, worüber ich mir sorgen mache, ist, woher ich ersatzteile für meinen morris traveller aus dem jahre 1971 bekomme“

Die an Neujahr gefickte Schwiegermutter steht nach wie vor hoch im Kurs wie überaupt alles, was mit Sperma, Kot, großen Möpsen, doppelten Latten und FDP zu tun hat. Um zu wissen, dass Rösler ein Volltrottel ist, braucht es eigentlich kein google, schon eher, wenn man in Köln eine Stelle als Kopfschlächter sucht.

Überhaupt stelle ich fest, dass die Exportabel-Leser außergewöhnliche Menschen sind. Wer macht sich schon Gedanken über Katzen, die in Flaschen gezüchtet werden? Und wie ein Feuerlöscher aus Sichtbeton aussieht, würde mich auch interessieren.

Am meisten berührt hat mich allerdings die schlichte Anfrage nach “unglaublichen Sachen”. Schön, dass Herr Google den Suchenden hierher leitet.

“prima. b”

Flott mal was zum alten Thema “Extremismus der Mitte”. Die Berliner Zeitung berichtete im September dieses Jahres über die nicht-öffentlichen Verbindungen zwischen Henryk Broder und dem Blog Politically Incorrect:

Dass sie [PI-Chef Stefan Herre und Broder] sich überhaupt so oft schreiben, überrascht: Broder distanziert sich bisher von PI. “Was Politically Incorrect macht, ist meine Sache nicht”, sagte er in 3 Sat. Als eine Bekannte Herre damit konfrontierte, schrieb der: “Mit Broder telefonier und email ich ab und zu. Dass er öffentlich was anderes über PI sagt, naja, damit muss ich leben.” Auch Broders E-Mails sprechen nicht für große Distanz: Er bestellt Grüße an Geert Wilders oder bespricht mit Herre eine gemeinsame Veranstaltung mit Thilo Sarrazin. Umgekehrt fragt Herre den prominenten Autor um Rat.

So schickte er ihm am 9. Februar 2011 den Link zu einer PI-Veröffentlichung mit den Worten: “So ok?” Broders Antwort: “prima. b” Nur das PI-Forum, schrieb er Herre vor drei Wochen, sei “unter aller Sau”. Gemeinsame Freunde sind auf Broders “Achse”dennoch willkommen: Jüngst ließ er Detlef Alsbach ausbreiten, wieso es in Deutschland “von Nachteil ist, Deutscher und von Vorteil ist”, Türke zu sein. Alsbach ist Mitglied von Pro Köln – und Duzfreund von Herre.

Broder, PI, Pro Köln – die Unterschiede liegen wohl im Detail – wenn überhaupt.

Der “liebe Stefan”: Die Verbindungen von CDU und FDP zu Politically Incorrect

Kurz etwas zu den Verbindungen zwischen den vermeintlich bürgerlichen, konservativen, liberalen Lagern in Deutschland und Rechtsextremisten. Dem Verlag DuMont-Schauberg wurden kürzlich interne Mails der Verantwortlichen des Vollpfostenblogs PI-News zugespielt. Die zu DuMont gehördenden Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau berichteten deshalb in den vergangenen Wochen öfter über PI, man erhielt ein paar interessante Einblicke in die Geisteswelt der Nazis 2.0. Kurzversion:

Dokumente, die dieser Zeitung zugespielt wurden, belegen, dass PI weit mehr ist als eine harmlose Internetseite. Es handelt sich vielmehr um eine Organisation, die zum Teil hochkonspirativ an der Verteufelung einer ganzen Glaubensgemeinschaft arbeitet. Die in einem internationalen Netzwerk von Islamhassern eine entscheidende Rolle spielt und diese noch auszuweiten gedenkt. Die Gewaltverherrlichern und Rassisten, deren Weltbild dem des norwegischen Massenmörders Anders Breivik ähnelt, ein Forum bietet. Und in der die Person Stefan Herre [der Bloggründer aus Bergisch Gladbach] weit mehr ist als ein bloßer Moderator.

Die Macher dieser Seite sind sektenartig miteinander verbunden, es existieren mannigfaltige Kontakte zu rechtsextremen Parteien. Die politischen Argumente dieser Leute sind nur unter psychologischen Gesichtspunkten diskutierbar. (Man vergleicht sich allen Ernstes mit der Weißen Rose.) Das war aber schon vorher klar. Die angeblich fest vereinten Kameraden bezeichnen sich in Mails hintenrum schon mal gegenseitig als “Gehirngewaschene”, womit man ihnen wenigstens einmal zustimmen kann.

Interessanter aber sind die Informationen darüber, wer sich so alles mit diesen Leuten gut versteht. Die Berliner Zeitung schreibt:

Die Strahlkraft des Blogs scheint inzwischen sogar bis in lupenrein demokratische Parteien zu reichen. Anders jedenfalls ist es nicht zu erklären, dass auch der Stresemann-Club – ein rechtslastiger Verein innerhalb der FDP – Kontakt mit dem “lieben Stefan” aufgenommen hat. Gleiches gilt für die Senioren-Union der CDU Deutschlands. Deren Geschäftsführer Dirk Hülsenbeck wandte sich am 19. Mai an das PI-Team, weil er “Sympathie für Ihr Engagement” empfindet. Es gebe “viele in der CDU, die die Union von innen erneuern möchten”, so Hülsenbeck, der einen islamfeindlichen Blog dafür offenbar als Mittel zum Zweck erachtet. Daher bot er PI an, gelegentlich “brauchbare Infos” zu liefern.

Ein leitendes Mitglied einer offiziellen CDU-Gruppierung empfindet Sympathie für volksverhetzende Rechtsradikale, will in diesem Sinne offenbar seine Partei “erneuern” und sieht sich darin parteiintern massiv unterstützt. Ähnliches gilt für die FDP. Der Stresemannclub nennt sich “rechtsliberal” und “demokratisch” und “patriotisch”. Gut zu erfahren, was Liberale meinen, wenn sie von Liberalismus reden. Offenbar sind tägliche Volksverhetzung, Begriffe wie “Museldreck” und das dahinter stehende Weltbild einfach nur Ausflüsse liberalen Denkens. Hätte ich mir ja denken können.

Dass Teile der FDP schon immer zu Rechtsradikalismus neigen, ist historisch begründet und bekannt. Dass in der Seniorenunion verkappte Nazis auch im Jahr 2011 noch maßgeblichen Einfluss haben, verwundert dann doch ein wenig. Mich zumindest.

Hans-Olaf Henkel denkt ja jetzt darüber nach, eine neue Partei zu gründen. Stramm-rechts mit Eurokritik als Aufhänger. Henkel hat ebenfalls gute Kontakte zu PI. Vielleicht wird hier ein gelb-schwarz-brauner Sud aufgesetzt, der über kurz oder lang vielen mundet. Das Potenzial ist in Sarrazin-Land auf alle Fälle vorhanden.

Vom Pfeifen in Orkanstärke

Nochmal kurz zu Breivik und seiner geistigen Verwandtschaft in Deutschland. Ein Autor des Blogs Politically Incorrect, der Wahlberliner Marc Doll, rezensierte (wenn man das so nennen will) vor gut zwei Jahren einen Actionfilm namens “96 Stunden”. Es geht dort, wie in unzähligen Hollywood-Produktionen, um eine Variation des Themas “Auge um Auge, Zahn um Zahn”. Eine junge Amerikanerin wird in Paris von albanischen Mädchenhändlern entführt, und Mills, der Vater, beginnt seinen Feldzug gegen das Böse.

cinefacts schrieb damals über den Film:

Man darf sich nicht mit Fremden einlassen. Der Papa wird’s schon richten. Bleibe im Lande und nähre dich redlich. Der Zweck heiligt die Mittel. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Derartige simple, reaktionäre Weisheiten verbreitet der Film, und er zeigt ausführlich, was passiert, wenn man sich nicht dran hält.

Dabei sind die Actionsequenzen wirkungsvoll inszeniert: Es tut dem Zuschauer wirklich weh, wenn Mills wieder mal zuschlägt, wenn er einen der Schurken Metallstäbe in die Oberschenkel rammt, um dort Strom anzuschließen für die Folter, wenn er die Knochen krachen lässt bis zum schmerzvollen Tod. Das will man gar nicht sehen; vor allem, weil es in einen Kontext eingebettet ist, der all dies gutheißt. Denn die ganze zornige Rache von Mills, daran lässt der Film nie einen Zweifel, ist gerechtfertigt, weil die da sterben werden keine Menschen sind, sondern die Räuber seiner Tochter.

Dies ist ein grundübler Film: sowohl was die ultrareaktionäre Haltung betrifft als auch die ultrabrutale Umsetzung. Und es ist ein Skandal, dass die FSK diesem Hassfilm eine Freigabe ab 16 gewährt hat.

Marc Doll dagegen ist von “96 Stunden” begeistert:

Das Werk ist eine, in eine brillant-subtile Form gegossene, Abrechnung mit einer durch das Versagen der links-liberalen „Multi-Kulti“-Apologeten entstandenen und kaum mehr aufzuhaltenden gesellschaftlichen Katastrophe in den europäischen Großstädten.

Eine Abrechnung mit der zunehmenden Islamisierung und Orientalisierung, die die abendländisch geprägten gesellschaftlichen Werte zersetzt; eine Abrechnung mit inkonsequenten europäischen Staaten, die sich weg ducken statt endlich einzugreifen.

Dieser Action-Reißer pfeift in Orkanstärke auf politische Korrektheit und lässt seinen Hauptdarsteller Liam Neeson als von der Leine gelassenen Berserker über die Leinwand wüten. Die schmierigen orientalischen Bösewichte kriegen dermaßen ordentlich ihr Fett weg, dass einem schier die Spuke weg bleibt.

Die schmierigen orientalischen Bösewichte, die unsere abendländischen Werte zersetzen, haben jetzt in Norwegen ihr Fett weggekriegt, und Sozis waren das auch noch. Auf die Versager in der Politik können wir uns ja nicht verlassen. Breivik hat versucht, eine gesellschaftliche Katastrophe aufzuhalten, wohl in etwa so brilliant-subtil, wie in dem Film dargestellt.

Ein PI-User namens Toddyx kommentiert dazu:

WIR MÜSSEN WIEDER LERNEN, KOPF UND KRAGEN ZU RISKIEREN

Genau.

Es verschwimmen die Grenzen zwischen Fiction und Realität. Natürlich ist 96 Stunden nur ein Film. Aber offenbar (ich habe ihn nicht gesehen) trifft er mit seinem Gut-Böse-Schema einen Nerv: Man darf, ja, man muss sich wehren gegen das Böse. Egal wie. Und es ist kein Zufall, dass auf PI ausgerechnet dieser Film rezensiert wurde, wohl der einzige, der überhaupt einmal Beachtung fand bei Leuten, die mit Feindbildkonstruktionen beschäftigt sind.

Man könnte jetzt weit ausholen: Der Plot und die Umsetzung von 96 Stunden ist in extremer Form das, was die (vor allem amerikanische Filmindustrie) in weiten Teilen ausmacht: Feinbildkonstruktion, Kampf gegen das Böse, Abwehrhaltung, Legitimierung von Gewalt, dramaturgisch und cineastisch in die immergleich banalisierte kulturindustrielle Form gepresst, die dem Zuschauer ein dauerhaft wohliges Schaudern im Rückenmark verspricht. Dass diese extreme Darstellung in 96 Stunden auch gewaltbereite Kleinbürger anspricht, ist nur folgerichtig.

Sehr gut bringt das Armin Laschet, der ehemalige NRW-Integrationsminister, in der Welt auf den Punkt:

Diese Blogs entwickeln Horrorszenarien, sodass manche daraus die Rechtfertigung für einen irgendwie gearteten Widerstand ableiten. Das Verhetzen von Menschen schafft das Klima für Gewalttaten. Das ist fast deckungsgleich mit islamistischen Hetzseiten im Internet, die zum Widerstand gegen die westliche Welt aufrufen. Das sind die gleichen Mechanismen und die gleichen Denkmuster, durch die sich Einzeltäter radikalisieren. So wie wir islamische Hetzseiten beobachten, müssen wir auch diese rechtspopulistischen Seiten beobachten.

So ist es. Die fortwährende Entwicklung von Horrorszenarien ist das entscheidende. Es darf die Puste nicht ausgehen. Bei Islamisten wie bei deren angeblichen Kritikern.

Henryk Broder ist derzeit übrigens damit beschäftigt, dem “linksreaktionären Gutmenschenpack” in Orkanstärke pfeifend auf die Mütze zu geben, während die Berliner Zeitung klarmacht, dass zwischen die Kameraden Broder und Breivik inhaltlich kein Blatt Papier passt. Nur so nebenbei.

Wer nun glaubt, ein Knallkopp wie Doll habe abseits rechtsextremer Internetforen nichts zu sagen, irrt: Er macht Karriere. Marc Doll ist mittlerweile stellvertretender Bundesvorsitzender der neuen “Bürgerrechtspartei” “Die Freiheit”. Wählbar im September in Berlin.

Das Massaker von Norwegen und die deutschen Brüder im Geiste

Interessant, was der norwegische Attentäter Anders Breivik in den vergangenen Jahren in diversen Blogs, bei facebook und sonstwo im Netz publiziert hat. Er bezeichnete sich als Protestant, aber die heutige evangelische Kirche als “Witz”, weil deren Priester “für Palästina marschieren” und ihre Kirchen “wie minimalistische Einkaufszentren aussehen”. Und: “Das einzige, was die evangelische Kirche retten kann, ist eine Rückkehr zu ihren Grundlagen.”Auge um Auge, Zahn um Zahn, meint er wohl. Spiegel-Online sieht bei Breivik einen “christlich-fundamentalistischen Standpunkt”.

Weiter schreibt er:

“Für mich ist es sehr heuchlerisch, Muslime zu behandeln, als  unterschieden sie sich von Nazis und Marxisten. Sie sind alle Anhänger von Hass-Ideologien.”

Breivik sieht sich außerdem als “Rechtsnationalen”, als “Multi-Kulti-Hasser” und er ist gegen “Kulturmarxismus”. Vieles davon schrieb Breivik auf dem norwegischen Blog document.no, der größten norwegischen “anti-Islam, anti-immigration and pro-Israel website”. Auf einem anderen Blog sympathisierte er mit dem niederländischen Rechtspopulisten Gert Wilders. Breivik war von 1999 bis 2006 Mitglied der rechtspopulistischen Fortschrittspartei.

Na, an was erinnern diese Beschreibung und die Zitate Breiviks? Klar, an die glorreichen Kameraden von pi-news, dem antiislamischen, rassistischen und vorgeblich israelfreundlichen Blog des Kölner Sportlehrers Stephan Herre. Der schließt sich den Aussagen Breiviks an. Der Blog bemerkt: “Was er schreibt sind großenteils Dinge, die auch in diesem Forum stehen könnten.”

Die Verbindungen sind offensichtlich, aber nicht nur das. Auch die Morde Breiviks stehen in Einklang mit der PI-Logik. Wer vom “Geburten-Dschihad” spricht, von der Scharia, die kommen wird, von dem nicht überbrückbaren Gegensatz von Okzident und Orient, von “wir oder die”; wer eine islamische Bedrohung an die Wand malt, die dazu führen wird, dass in wenigen Jahren alle Frauen in Deutschland mit einer Burka rumlaufen müssen, impliziert die Tat. Die Botschaft des publizistischen Dauerfeuers ist klar: Entweder wir wehren uns oder wir gehen in Dekadenz unter. Der Bürgerkrieg kommt. Und danach Nürnberg II.

Zu weit hergeholt? Von wegen: Bei PI wird gerne die Waffenfreigabe für “Bürger” gefordert und die passenden Kaliber diskutiert. Der “Hass auf alle Musels” und “Schleiereulen” gehört zum täglichen Repertoire. Fundamentalistische Christen werden gerne zitiert. Die vertreten ja “unsere” Werte. Wer sich sowas täglich durchliest und einschlägig deformiert ist, für den kann Widerstand zur Pflicht werden. Es ist ja für die gute Sache. Und folgerichtig bemerkt ein Kommentator, dass seit dem Attentat in Norwegen “sicher schon Hunderte Opfer islamischer Anschläge” wurden.

Ein anderer PI-User bringt das klar zur Sprache:

“Von seiner (Breiviks) Warte aus hat er wahrscheinlich rational gehandelt. Islamisierung ist mit friedlichen Mitteln nicht mehr aufzuhalten, also wende ich Gewalt an und zwar nicht gegen die Symptome (Moslems), sondern gegen die Ursache ( linksgrüner multikulti sozi Wahn).”

Der PI-Sud ist die Grundlage für eine Geisteshaltung, die Norwegen möglich machte. Es geht da nicht um “Islamkritik”, es geht um Hass. PI selbst ist das angesichts von 90 Toten wohl auch eine Nummer zu heftig. Die “Redaktion” schreibt:

“Dieser Beitrag soll darum auch eine sachliche Analyse und kein Reinwaschen von Eigenverantwortung sein … Wir dürfen uns vor lauter Auf-andere-mit-dem Finger-Zeigen nicht unserer Eigenverantwortung entziehen. Wir stehen in der Verantwortung für unser Handeln und Denken.”

Eigenverantwortung, aha. Doch erwartbar kommt keine Analyse zur Eigenverantwortung, sondern lediglich die Aussage, die Tat sei “das Werk eines einzigen Mannes”, eines Irren, gewesen. Er handelte wohl gesellschaftlich im luftleeren Raum. Wie könnte denn “Eigenverantwortung” angesichts des Blutbads aussehen?

Und selbst diese vagen Erklärungen der “Redaktion” gehen den meisten Lesern schon zu weit: User “Mastro Cecco” beispielsweise schreibt:

“Die Regierungen haben doch auf diesen Anschlag lange gewartet und gehofft, er möge möglichst bald kommen, damit sie allen Kritikern von Masseneinwanderung, Islamisieurung und Migrantengewalt den endgültigen “Todesstoß” verpassen können! …

DAS dürfen wir uns nicht gefallen lassen!

JETZT erst recht!!!”

Weitere bezeichnende Reaktionen der PI-Leserschaft zum Attentat von Norwegen finden sich im Blog Lindwurm.

Es geht noch besser. Pro Deutschland, ein Ableger der Rechtsradikalen von Pro Köln, stellt angesichts des Massakers in Norwegen die Frage: “Heute Oslo – morgen Berlin?” und dreht im dazugehörigen Artikel den Spieß um:

Auch in Berlin ist es ja bereits zur akzeptierten Normalität geworden, dass jede Nacht Autos angezündet werden, dass die Polizei um Leib und Leben fürchten muß, und dass sich viele Bürger in bestimmte Stadtviertel gar nicht mehr getrauen.

Es sind also böse Linke und böse Muslime, gegen die es jetzt vorzugehen gilt. Es gilt, das Feindbild aufrechtzuerhalten, egal, wie zwanghaft dieses Vorhaben daherkommt. Wer offiziell für “Grundgesetz und Menschenrechte” kämpft, kann wohl psychologisch nicht anders. Folgerichtig titelte PI am Freitag Abend noch, bar jeder (auch grammatikalischer) Erkenntnis:

“Warum bombt Islam ausgerechnet in Norwegen?”

Die Suppe köchelt. Es geht bei PI (täglich rund 50.000 Leser) und anderen Nazis 2.0 ja nicht um Islamkritik. Die wird, soweit ich das sehe, am effektivsten noch von kritischen Muslimen selbst praktiziert. Es geht um die Dauerproduktion von Hass. Hass auf Linke, Grüne, Schwule, Moslems, Türken, Araber, Afrikaner, alle, die sich für die Produktion von Hass anbieten.

Wohin das führen kann, haben wir jetzt gesehen.

Zitatquellen, soweit nicht anders gekennzeichnet: Spiegel-Online und pi-news. Zu pi-news außerdem das hier.

Rainald Goetz über Matthias Matussek: “Komplett über seine geistigen Verhältnisse”

Nochmal flott zum Egozentriker Matussek, weil Rainald Goetz anlässlich einer Veranstaltung mit Rüdiger Safranski pointiert über ihn schreibt (Klage, 2008):

“Wenn Matussek redet, im weit offenen Hemd, werden Worte zu Vokabeln ohne Zugriff auf die geistigen Inhalte, die sonst von ihnen bezeichnet werden, werden Argumente zum rein körperlichen Akt des Sprechens, der nur noch dazu da ist, Expressivität vorzuführen, Intensivität und Plausibilität … Er hat sich völlig daran gewöhnt, dass er vokabularmäßig dauernd komplett über seine geistigen Verhältnisse lebt. Ein tolles Spektakel war dieser Abend, auf den Matussek in seinem Videoblog selbst hingewiesen hatte, vielen Dank.”

Treffend. Ergänzen könnte man, dass einem Journalisten heutzutage in Journalistenschulen gerne  beigebracht wird, wie man dauernd komplett über seine geistigen Verhältnisse schreiben kann. Die Tatsache des fehlenden Fachwissens wird nicht etwa durch sich anzueignendes Fachwissen kompensiert, sondern durch einen Schreibstil, der darauf ausgerichtet ist, das Fehlen des Fachwissens vor dem Leser zu verstecken.

Bei Matussek ist es ein rechts-reaktionäres, oberflächliches Bewusstsein von Geschichte, das er mit seinem Stil zu etwas Flottem, Lockerem, Energetischem hinbiegt. Beispielhaft noch immer sein Eintreten für´s Berliner Stadtschloss im Spiegel von 1998. Rechter, ahistorischer Blödsinn von der ersten bis zur letzten Zeile, kein Verständnis für Architektur noch für deren Geschichte, noch für Geschichte überhaupt, kein einziges seriös begründetes Argument; mir zu nervig, das auseinanderzunehmen. Schinkel ist da plötzlich Rekonstruktionsbefüworter. Aber dieser Blödsinn, der jedem Volontär um die Ohren gehauen werden müsste, schaffte es in den Spiegel.

Zu Rainald Goetz gehören allerdings auch Sätze wie (ebenfalls aus Klage):

“Die figurative Malerei ist am Ende, hatte ich zu Daniel Richter in der Paris Bar gesagt, das war mir am Tage zuvor bei Norbert Bisky eingefallen.”

Was eitle (oder schon egomane?) Selbstbespiegelung angeht, ist Goetz von Matussek so weit nicht entfernt. Der Unterschied ist, dass ersterer sehr gut beobachtet, im Detail und in positivem Sinn unpolitisch, und deshalb das plattmachende Klischee, vielleicht ironisierend gemeint, hin und wieder braucht, als Ausbruch aus der Genauigkeit.

Suchbegriffe, Teil zwei

Bei wordpress sieht man intern, mit welchen (Google-)Suchbegriffen dieser Blog gefunden wird. Auf welche Blogartikel sie abzielen, kann ich nur raten.

Hier (in Fortsetzung dieses Artikels) die sinnfälligsten Suchen der vergangenen vier Monate:

Baby isst katze

katze +tot +überfahren

scheiß auf neoliberalismus

destroyed

götterbaum sperma

gagfah im arsch

zionisten steuer

“ein lächerliches ländchen”

das grÜne wunder: keine deutsche partei ist bei kindern so beliebt wie die grünen

scheis schweiz

abschreckende mittel gegen hundekot, eventuell plakate

von schwiegermutter versklavt

alles ist bereits entdeckt, nur in der gegend der banalität

meine jungs sind psychopathen weil die waffe wirklich schiesst

saft abstellen

chinesin hat mich

universität genova

hitler+ziegel

freier zugang zum feuerlöscher

nacktfoto

unglaubliche sachen

es riecht nach wixxe in der stadt

stinkt die stinkesche

gibt es soldaten die auch normal nach dem krieg zurückkommen

История прусского ландтага

merkel ist jüdin

verfaulen auf brot

nutte ferrari düsseldorf

zwischen rudis reste rampe und dem südpol von neukölln

gaststätten in düsseldorf wo ab 22 uhr man rauchen darf

gaststätten düsseldorf rauchverbot ab 22 uhr aufgehoben

praktikum arschloch

cdu ist link geworden

vollbusige schwiegermutter

meine dreijährige tochter gehorcht nicht

underberg religion

investmentbanker psychopaten

zwanghafte armbewegungen

pimmelgröße bilder

winfried hermann verkehrsminister welche religion hat er

wie kann man sich gegen psychopathen wehren

warum wollen schwule schwarze immer weisse jungs

mit sperma durch die stadt

der mann der als erster die gesichtsplastik erfunden hatte

große eichel video

frisuren über hemden

tablett an brüste angehängt

sophie marceau ist sie operiert

was ist ein psychopath

türken sind unkultiviert

arschlochfreie zone

Auffällig nach wie vor ist das Thema “Sex mit der Schwiegermutter”, in welcher Variation auch immer, dazu die sinnfälligen Fragen nach der Authentizität der Brüste Sophie Marceaus und der Möglichkeit, dort ein Tablett anzuhängen. Allgemeine Fragen nach Bildern von großen Pimmeln sind nicht mehr so gefragt, die Bildersuche nach großen Eicheln zeigt, dass der User es konkreter möchte. Wichtig für meine Leser ist weiterhin der Komplex “Sperma in der Stadt”.

Daneben sind immer noch Psychopathen eine gefragte Kategorie, in Zusammenhang mit Soldaten und Investmentbankern ist das ja auch ein fruchtbares Thema, ebenso wie die Verbindung von Nutte und Ferrari mit Düsseldorf. Vielleicht der ehrlichste Ansatz einer Beschreibung des sogenannten rheinländischen Frohsinns.

Dass allerdings eine Anfrage mit der völlig sinnlosen Eingabe “CDU ist link geworden” ausgerechnet auf exportabel verweist, ist ärgerlich. Weiß doch der treue Leser, dass die CDU nicht link geworden ist. Sie war es immer schon.

Tja, liebe Blogger, das war´s wohl:

(Foto: genova 2011)