Monatsarchiv: Juli 2012

Mit welcher Duden-Ausgabe arbeitet der Journalist Andreas Unterberger?

Ein kurzer Ausflug in unser komisches Nachbarland namens Österreich. Ein Land der Extreme und deshalb interessant. Zum einen gab und gibt es dort viele ganz wunderbare Schriftsteller, Musiker, schöne Berge, guten Kaffee, tolle Torten. Zum anderen die Kronenzeitung, Volksmusik, Jörg Haider, HC Strache und Andreas Unterberger.

Es geht im Folgenden um letzteren und auch nur um ein Detail. Unterberger war früher ein wichtiger Journalist in Österreich: zwischen 1973 und 2004 Redakteur bei der Presse, einer großen konservativen Tageszeitung aus Wien, vielleicht mit der FAZ vergleichbar. Von 1995 an saß Unterberger dort sogar auf dem Sessel des Chefredakteurs. Er hat es also weit gebracht.

Was macht Unterberger jetzt? Er schreibt einen Blog, den ich schlicht als in weiten Teilen rechtsradikal bezeichnen würde. Ein kleines aktuelles Beispiel:

Es ist unfassbar, wie rasch die Diktatur der Politischen Korrektheit voranschreitet. Jetzt hat der sogenannte Presserat eine Zeitung verurteilt, weil sie den Ausdruck „Neger“ verwendet hat. Das also kommt heraus, wenn Gewerkschafter und Herausgeber sich zu Hütern der Pressefreiheit aufschwingen [...] Ein solcher Presserat und seine Ehrbegriffe sind in jeder Hinsicht neger. Dieses „neger“ wird von meinem Duden übrigens als umgangssprachlich gebrandmarkt, der „Neger“ als „Angehöriger der Rasse der Negriden“ hingegen keineswegs. Aber unsere linken Journalisten sind ja dem Duden allemal weit voraus an Korrektheit, freilich nur Politischer.

Fragt sich nur, welche Duden-Ausgabe Herr Unterberger benutzt. Meine, die 24. Auflage von 2006, erwähnt das “diskriminierende” Moment des Begriffs. Dazu kommt Unterbergers Formulierung von der “Rasse der Negriden”.

Wie viele Duden-Ausgaben muss man zurückgehen, bis man solche Einschätzungen und Formulierungen findet? Bis in die 1950er? Oder doch eher vor 1945? Was sagt man zu jemandem, der als einer der (ehemals) wichtigsten Journalisten Österreichs offenbar mit einem Duden aus der Nazizeit (bzw. massiv davon beeinflusst) arbeitet und argumentiert? Und welches Gedankengut muss man pflegen, wenn man bei der Rüge des Presserates aufgrund der Verwendung von “Neger” im Jahr 2012 über die “Diktatur der politischen Korrektheit” lamentiert? Und wieso ist so jemand einer der erfolgreichsten Blogger dieses sympathischen Landes, das mir schon auf den großen Landkarten in der Schule als überdimensioniertes Wiener Schnitzel auffiel?

Besonders pikant: Unterberger war laut wikipedia zwischen 1989 und 1998 Lehrbeauftragter im Fachbereich Politikwissenschaft an der Uni Wien und hielt unter anderem “Seminare und Vorlesungen” ab zu den Themen “Minderheitenschutz” sowie “Minderheiten- und Selbstbestimmungsfragen”. Wahrscheinlich hatte er vor allem die arme österreichische Minderheit in Europa vor Augen.

Ein recht typischer Kommentar aus dem Unterbergschen Blogartikel:

weil man nicht Neger sagen darf, sagen viele eben Bimbo

Ja, so ist das wohl in Österreich. Drangsaliert und geschunden von den politisch Korrekten. Ich erinnere mich an einen Skiurlaub vor ein paar Jahren, in dem ich die Kronenzeitung las und wirklich den Eindruch hatte, dass die Bild dagegen ein linkes Intellektuellenblatt ist. Die Kronenzeitung erreicht täglich 2,7 Millionen von 8,4 Millionen Österreichern.

Werben tut auf dem Unterberger-Blog übrigens das neoliberale Hayek-Institut. Die beschäftigen sich ja auch mit Sprache.

Update 1.8.12: Die Zeitung, die der österreichische Presserat gerügt hat, heißt “Zur Zeit” und wird herausgegeben vom FPÖ-Politiker Andreas Mölzer.

Kurze Bemerkung zur Olympiade

Bei Olympia regieren McDonald’s, Coca Cola und Adidas. Deshalb behält sich das Organisationskomitee vor, Zuschauer nach Kleidung auszusuchen. Heißt: Wer den falschen Schriftzug trägt, bleibt draußen.

schreibt der Fokus. Gesagt hat das der Olympia-Chef Sebastian Coe. Das IOC ruderte danach zurück, klar. So offiziell möchte man die totale Abhängikeit vom Kapital dann doch nicht kommuniziert sehen. Aber schön, dass Herr Cloe so aus dem Nähkästchen plaudert. Diese Form der Selektion verstieße sicher gegen britische Gesetze der Gleichbehandlung. Aber die Olympiade ist wahrscheinlich offiziell eine private Veranstaltung, auch wenn die Queen mitmacht. Da laufen solche Aussortierungen wie bei einer Krawattenpflicht: Es soll ein bestimmtes Dressniveau durchgesetzt werden, aber nun nicht mehr im Namen der bürgerlichen Gesellschaft, sondern nur noch ganz unverblümt im Namen des Kapitals.

Nicht schlecht auch die Begründung Cloes laut Handelsblatt:

Die Rechte der Sponsoren müssten geschützt werden, weil ihre Gelder einen Großteil des laufenden Olympia-Etats bestritten.

Zu den “Rechten” des Kapitals gehört also nicht nur, dass Coca-Cola überall an den olympischen Veranstaltungorten seine Produkte bewirbt, sondern auch, dass die Firma tendenziell über die Oberfläche jedes einzelnen Besuchers verfügen darf.

Mal davon abgesehen, dass die Veranstalter die olympische Idee schon dadurch pervertieren, dass mit Coca-Cola und McDonald zwei Fett-und-Zucker-Experten sich für Milliarden Menschen erfahrbar als sport-, gesundheits- und fitnesskompatibel positionieren können.

Die Olympischen Spiele finden bekanntlich im Londoner Osten statt, einem sozial benachteiligten Viertel, wie man sagt. Dass es den Leuten dort danach besser geht, ist nicht zu erwarten, eher, dass sie vertrieben werden. Wie mit den Einzelhändlern vor Ort, also mit denen, um deren Wohl man angeblich besorgt ist, umgegangen wird, schreibt der Fokus weiter:

Wie weit das IOC bei Nicht-Aktiven geht, um seine Marke zu schützen, beweist auch der Umgang mit britischen Einzelhändlern: Ein Café-Besitzer in London hatte in seiner Auslage fünf Bagel in Form der olympischen Ringe angeordnet – auf Druck der Organisatoren musste er sie entfernen. Ähnlich erging es einem Metzger in Weymouth im Südwesten Englands, der die Olympia-Ringe aus Würsten geformt hatte.

Rund um die olympischen Wettkampfstätten wurde es rund 800 Einzelhändlern untersagt, während der Spiele Pommes Frites zu verkaufen – um die Rechte des Großsponsors McDonald’s nicht zu verletzen.

Wohlgemerkt nicht nur im Stadion, sondern auch außenrum. Es geht da nicht um paar Pommes weniger, die McDonald´s ohne das Verbot während der Olympiade verkaufen würde. Es geht um die Marke, deren perfekte Inszenierung man sich nicht nehmen lassen möchte. Wo der Jesus am Kreuz heute von Titanic bis Kunstschaffenden sich die Aura nehmen lassen muss, sind Coca-Cola und McDonald´s vor solchen Beeinträchtigungen gefeit.

Es ist eine totale Kontrolle in einer einzigartigen Situation: Über mehrere Wochen werden weltweit Milliarden von Menschen vorm TV sitzen und Menschen beim Sporttreiben zuschauen. In diesem Umfeld Marken aufzuladen bedeutet, tatsächlich noch realwirtschaftliche Gewinne erzielen zu können, also nicht immer einen Großteil des Kapitals in diese hibbeligen und fickerigen Finanzmärkte kippen zu müssen, bei denen sich die Rendite als unsicher erweist.

Es sind Spiele des Kapitals, sonst nichts. “London” bewarb sich als Austragunsort, was auch immer “London” sein soll. Die Stadt zahlt aus Steuergeldern Unsummen für die Infrastruktur, das IOC kassiert. Es geht nicht um Stadtentwicklung, es geht ums Rentieren derer, die etwas zum Rentieren haben.

Interessant, was Wikipedia dazu schreibt:

Das IOC wehrte sich ursprünglich gegen die Finanzierung durch Sponsoren. Erst nach dem Rücktritt des als sehr prinzipientreu geltenden Avery Brundage im Jahr 1972 begann das IOC, das Potenzial des Mediums Fernsehen und den damit verbundenen lukrativen Werbemarkt auszuloten. Unter der Präsidentschaft von Juan Antonio Samaranch passte sich das IOC immer mehr den Bedürfnissen internationaler Sponsoren an, die ihre Produkte mit den olympischen Namen- und Markenzeichen bewerben wollten.

Bemerkenswerterweise fällt der Kommerzialisierungsbeginn 1972 mit dem Beginn der neoliberalen Ära überhaupt zusammen, mit der Kündigung von Bretton Woods. Bis dato war es also möglich, dass Sportler gegeneinander antreten, rennen, schwimmen, springen, spielen ohne Coca-Cola, McDonald´s und Co. Heute heißt es, diese bestritten “einen Großteil des laufenden Olympia-Etats”. Auch so ein Neusprech, der suggeriert, dass es ohne diesen Etat nicht gehe.

Fadeout

P.S.: Eine gute Nachricht gibt es doch: “Deutschland” hat auch am zweiten Tag keine Medaille gewonnen. Das melden besorgte Radiosender.

o.T. (6)

Heute ein Foto aus meiner Jugendzeit, damit die Leserinnen und Leser dieses Blogs mal sehen, was der Autor früher so trieb.

Ich also in einer Aufnahme von 1967 in neuem Anzug mit neuer Zigarette, neuer Freundin und neuem Wagen.

Leider brach kurz nach der Aufnahme der Ast. Folgen: Auto kaputt, Freundin weg und ich brannte mir vor Schreck mit der Zigarette ein Loch in den Anzug. Der Abstieg begann.


(Foto: genova 1967)

Was heißt Kiez auf englisch?

Der Tagesspiegel in einer Bilanz über das Guggenheim-Lab im Prenzlauer Berg, über das ich bereits hier und hier berichtet habe:

Im Guggenheim Lab sollten andere zu Wort kommen – Anwohner mit eigenen Erfahrungen und individuellem Blick. Gern im Dialog, damit beide Seiten voneinander lernen …. Nicht bei allen funktioniert die Strategie der Umarmung, schon weil die verbindliche Lab-Sprache Englisch war. Das schloss viele aus.

Mit Anwohnern in Berlin über ihren Kiez diskutieren wollen, aber bitte nur auf englisch. Ich hätte nicht gedacht, dass BMW und Co. ihr Desinteresse so offensichtlich zeigen.

o.T. (5)

 

(Fotos: genova 2012)

Robert Kurz ist tot

Ich fand den zwar zu verbissen, aber die Lektüre seines Schwarzbuch Kapitalismus 2002 hat mich nachhaltig beeindruckt. Der hat darin schon Ende der 1990er Jahre so klar beschrieben, was mit Finanz- und Banken- und Sonstwaskrise auf uns zukommt. Was systemisch wirklich heißt. Zu einer Zeit, als sich alle noch an steigenden Aktienkursen als neues Ei des Kolumbus besoffen haben. Einer, der seinen Marx gelesen hatte und der deshalb die vielen Plapperer im Land jederzeit entlarven konnte. Es hörte ihm nur kaum einer zu.

Laut seiner Witwe starb Kurz (mit 68) wegen Ärztepfuschs in einem privatisierten Krankenhaus. Obduktion folgt.

Auf solche Ironie der Geschichte könnte man verzichten. Und die Plapperer plappern weiter.

Das Antiparktaschenbild

Ein Foto, das mich seit Jahren beeindruckt:

 

Aus einer Zeitung ausgeschnitten, Herkunft, Zeitpunkt und Zusammenhang vergessen, die leichte vertikale Farbnuance im rechten Drittel ist dem durchschimmernden Aufdruck auf der Rückseite geschuldet.

Warum beeindruckt mich das Bild? Es ist wohl der Antiparktascheneffekt. Es ist eine städtebauliche Situation, die man in Deutschland immer seltener zu Gesicht bekommt. Eine nichtaufgeräumte suburbane Landschaft, eine vorübergehende, variable Situation, die sich ändernden Kontexten angepasst werden kann. Eine Landschaft, die offen ist, in der das Unfertige ein Interesse erzeugt, ein Interesse am nicht Eindeutigen. Eine Fläche, die komplett undefiniert ist. Zudem eine Fläche ohne Abstandsgrün, ohne Markierungen, ohne planvolle Variationen bestimmter Oberflächen und Materialien, ohne erwzungene Auflockerungen, ohne irgendeinen Aspekt der üblichen verniedlichenenden selbstberuhigenden Spießerscheiße.

Dazu kommt eine so wunderbare zufällige Anordnung wie die rechts unten: Drei Parkbegrenzer, ihrer eigentlichen Funktion enthoben, angeordnet in einer sehr elegant wirkenden leichten Verschiebung aus dem rechten Winkel, dazu die beiden Mülltonnen, die ein Verhältnis eingehen. Die beiden coolen Autos sind natürlich auch nicht zu verachten.

Die vier quadratischen Platten zwischen den Autos hatten sicher einmal einen konkreten Nutzen. Er ist nicht mehr zu ermitteln, auf den ersten Blick zumindest. Ein zweiter Blick würde lohnen. Eine Art archäologisches Interesse legitimierte ihn.

Ganz rechts unten eine Einfassung, aber ohne Rasen, ohne Grün, eine Einfassung, deren Sinn vergessen wurde, die dennoch existiert.

Im Hintergrund ebenfalls ein Rätsel: Ein Freibad mit Liegen?

Es erinnert mich auch ein wenig an Italienaufenthalte. In Rom jenseits des touristischen kleinen Kerns stehen seit zweitausend Jahren Mauern herum, halbe ehemalige Stadttore, irgendwelches Gerümpel, bei dem niemand auf die Idee kommt und offenbar 2000 Jahre lang niemand auf die Idee kam, dass das jetzt entweder weggeräumt werden müsse oder renoviert, weil der aktuelle Zustand auf keinen Fall erträglich sei. Doch er ist erträglich, solange man das Andere, das Nichtbestimmte, das Ungefähre nicht nur erträglich, sondern ertragenswert findet. Autos und Vespas fahren mal hindurch durch das halbe Stadttor, mal knapp vorbei, Gras sprießt. Man betrachte dagegen das Brandenburger Tor und den Pariser Platz, die gute Stube Berlins. Eine mittlerweile kaum noch steigerbare Banalisierung von Stadt, ein Fantasiapark der Instantgesellschaft. Aber immer historisch-reaktionär aufgeladen mit Adlon und Blockrand und Sockel und Steinfassade und Dachneigung und dem ganzen Preußengeplapper. Starbucks ist auch mit von der Partie.

Situationen wie auf dem Foto dagegen sind Bilder und Stadtlandschaften, die zum Hinsehen einladen, weil es etwas zu Entdecken gibt, das erst im Moment des Sehens definiert wird. Es sind nicht von oben definierte Räume, die in ihrer Bedeutung besetzt werden, sich verändern, flexibel sind in einem positiven Sinn.

Diese zufällig-planvollen Welten sind, von Ausnahmen abgesehen, in westlich aufgeräumten Städten, die nurmehr dem Marketinggedanken und dem weltweit herumlatschenden Touristen, der schnell genießen und verdauen will, zugerichtet werden, kaum noch zu finden. Aktuell laufen im Prenzlauer Berg um die Kastanienallee und die Oderberger Straße solche Parktaschenaktionen. Es wird hergerichtet fürs neue Bürgertum, gerne mit alt wirkenden Granitsteinen und “Abenteuerspielplätzen” für die Sprösslinge. Im Osten und der dritten Welt braucht es keine extra eingerichteten Sonderzonen, wo das Abenteuer geplant eintritt. Weswegen sich Reisen dahin naturgemäß lohnen.

Was Angela Merkel 2005 zur Bankenregulierung sagte:

“Wir entschlacken die Vorschriften zum Kreditwesengesetz und führen die bestehende Überregulierung bei der Bankenaufsicht auf das notwendige Maß zurück.”

(Aus dem Wahlprogramm der CDU/CSU zur Bundestagswahl 2005)

Nur, damit man nicht vergisst, von wem man regiert wird. Und streng genommen machen die das ja mit dem ESM immer noch: die Bankenaufsicht deregulieren. Die klopfen jetzt einfach an und kriegen das Geld ohne Nachfrage.

Wie schon ein paarmal hier im Blog erwähnt: Naomi Kleins Schockstrategie müsste nun vielleicht aus einer etwas anderen Perspektive gelesen werden.

“Straffe Selektion des Humankapitals”: Neues vom Untertan

Als Spießbürger oder Spießer werden in abwertender Weise engstirnige Personen bezeichnet, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung auszeichnen.

Aus der Wikipedia

Kürzlich entdeckt: Den fleißigen FAZ-User und -Kommentator Ottfried Meyer, der sich im FAZ-Forum “Gladium” nennt. Eine kleine Auswahl seiner Ansichten zu vieldiskutierten Themen der vergangenen Monate in O-Tönen, ganz lustig zu lesen und eines jeden Kommentars entbehrlich:

Abstimmung über ESM und Fiskalpakt im Bundestag und die Kläger beim Bundesverfassungsgericht:

“Sozialistische Wutbürger drohen Europa in den Untergang zu treiben
Irgendwo muss mal Schluss sein mit der Klagerei und Abstimmerei. An den Märkten ist man bereits außerordentlich verärgert und man sollte die Händler nicht zum Äußersten treiben. Die können nämlich auch ganz anders.

An den Märkten entscheiden Macher mit allerbester Ausbildung äußerst kompetent darüber, wie sich die Welt entwickelt. Durch jahrelange Erfahrung und durch ihre hervorragende Ausbildung haben nur sie den dafür notwendigen Durchblick. Hierfür brauchen sie aber Freiheit und gleichzeitig Schutz vor sozialistischen und anderen linken Experimenten.”

Oberstes US-Gericht billigt Obamas Gesundheitsreform:

“Ein fatales Urteil. Damit sind die USA von einem Land der Freiheit zu einem Land der sozialistischen Gängelung geworden. Es muss den Leuten selbst überlassen sein, ob sie sich krankenversichern oder nicht. Das ist wahre Freiheit. Jetzt werden all die Habenichtse, Faulpelze und Sträflinge dem US-Steuerzahler auf der Tasche liegen und sich für lau Luxus-Behandlungen finanzieren lassen. Das ist nicht mehr mein Amerika!”

Bürgerentscheid zum Flughafen München:

“Tja, so ist er nun einmal, der Deutsche Wutbürger: linksgrün, wirtschaftsfeindlich, technologiefeindlich und von gestern. Daß man nun auch in Bayern den Anhängern des Kommunismus und Sozialismus folgt, sollte uns bedenklich stimmen. Es ist das Ende des Wirtschaftsstandorts Bayern.

Was jetzt einfach nur noch hilft, ist einfach die Startbahn ohne Berücksichtigung solcher “Volksentscheide” zu bauen. Beim Bau gilt die normative Kraft des Faktischen. Also fangt an zu bauen!”

Hartz-IV-Empfänger muss Münzsammlung verkaufen:

“Der gute Herr selbst sollte ARBEITEN gehen, bevor er Leistungen in Anspruch nimmt. In Deutschland gibt es genug offene Stellen. Zum Beispiel als Straßenfeger oder als Reinigungskraft im Bereich der öffentlichen Toiletten.”

Katholikentag in Mannheim:

“Unsere Kirche hat die Gläubigen nicht mehr im Griff!

Wie kann es angehen, dass kaum noch Kinder geboren werden, wo doch Verhütungsmittel im Rahmen der Enzyklika “Humanum vitae” von Papst Paul VI. ex cathedra verboten sind und zwingend zur Exkommunikation führen? Bei mir als romtreuer, rechtgläubiger Christ macht sich die Vermutung breit, die Priester und Bischöfe hätten die Gläubigen überhaupt nicht mehr im Griff!”

“Mission, Mission, Mission!”

“Die von unserer hl. römisch-katholischen Kirche verbreitete Wahrheit ist nun einmal die einzig wahre Wahrheit. Unsere hl. römisch-katholische Kirche steht in apostolischer Sukzession, d.h. die Reihe der Päpste reicht bis hin zum Apostel Petrus zurück, dem unser Herr Jesus Christus dazu auserkor, der Felsen zu sein, auf dem er seine Kirche bauen wollte. Auf dieser Grundlage kann und darf es keine Abweichung geben. Es sei denn, die Menschen ziehen nach ihrem Tode nicht das Ewige Leben an der Seite Jesu Christi vor, sondern die ewigen Qualen in der Hölle. Ich meine, die Priester, Diakone und Bischöfe müssen hier klar Position beziehen und auf die Folgen sündhaften Verhaltens eindringlich hinweisen.”

“Wenn in einer rechtmäßig geschlossenen Ehe keine Kinder geboren werden, ist es eine fundamentale Aufgabe des Priesters, das Gespräch mit den Eheleuten zu suchen und zu klären finden, welche Gründe für die Kinderlosigkeit vorliegen. Dies ist Teil seiner seelsorgerlichen Arbeit.”

Urheberrechtsdebatte und Downloads:

“Was wir brauchen, ist staatlichen Schutz. Die Politik muss endlich hart gegen die Diebe durchgreifen und auch sicherstellen, dass illegale Downloads BESTRAFT werden. Und zwar mit Gefängnis. Die Politik muss hier endlich FÜHREN.”

Präsidentschaftswahlen in Frankreich:

“Mein DRINGENDER Aufruf an die Wähler von Marie Le Pen: Wählen Sie bei der Stichwahl Präsident Sarkozy. Ein Wahlsieg Hollandes würde Europa und die Welt in den Abgrund reißen und unser Abendland bedrohen. Sollten sich die Wähler in Frankreich dagegen anders entscheiden, muss die Frage gestellt werden, ob Präsidentschafts- und Parlamentswahlen auf Grund ihrer großen Reichweite überhaupt noch zeitgemäß sind.”

Piraten:

“Die Piraten sind eine Partei, deren Mitglieder nichts vom Recht auf Geistiges Eigentum halten. Sie wollen dieses Recht sogar abschaffen. Das dürfte normalerweise reichen, um gegen diese unsägliche Partei ein Verbotsverfahren einzuleiten. Die Partei ist ganz schlicht und ergreifend verfassungswidrig.”

Christian Wulff:

“In vielen Ländern dieser Erde ist es üblich, dass bürgerliche Politiker in herausragender Position für ihre Politik belohnt werden. Sie werden dafür belohnt und bekommen auch dafür etwas zugesteckt, dass sie ihr Land vor dem Linksruck und dem Mob bewahren. Lasst endlich Christian Wulff in Ruhe!”

“In allen Anderen Laendern der Erde waere das alles kein Thema. Nur in Deutschland tobt der Neidhammel. Man neidet dem Bundespraesidenten Wulff alles, sein Einkommen, seine Freunde, seine wunderschoene und gleichzeitig auch sehr intelligente Frau. Deutschland sollte stolz auf solch ein schoenes Praesidentenehepaar sein!”

Super-GAU in Fukushima:

“Jetzt ist Ruhe oberste Bürgerpflicht!”

“Ich warne vor Panikmache, denn japanische Ingenieure gehören zu den Besten der Welt. Sie werden einen richtig guten Job machen und das Problem schon lösen.
Japan kann genausowenig wie Deutschland nicht ohne Kernenergie auskommen. Es gibt zu ihr einfach keine Alternative.”

Gesetzliche Frauenquote:

“In den Unternehmen ist man sich aus tagtäglicher Anschauung über einen Grundsatz klar:
Frau am Steuer, das kommt teuer.
Von der Leyen ist das beste Beispiel.”

“Frauen sind nach meinen Erfahrung schon aus biologischer Sicht nicht in der Lage, herausragende Vorstandsposten zu besetzen, weil sie nicht die Männern angeborenen Jagdinstinkte, für Spitzenjobs erforderliche Brutalität haben. Die Wirtschaft braucht knallharte Männer, die in der Lage sind, im großen Stile Wirtschaftskriege zu führen. Die Wirtschaft braucht Siegertypen und keine Gutmenschen oder Glucken. In der Wirtschaft erweisen sich Frauen ganz einfach als das, was sie sind: das Schwache Geschlecht. Und in der Wirtschaft gilt:
FRAU AM STEUER, DAS KOMMT TEUER.”

Stuttgart 21 und Bundeswehreinsatz im Innern:

“Der Fall Stuttgart 21, bei dem gewalttätiger Aufwiegler versuchen, eine Landesregierung zu zwingen, bereits geschlossene Verträge zu brechen zeigt doch, wie dringend der Bundeswehreinsatz im Innern nötig ist. Deutschland braucht Freiheit und Sicherheit für Unternehmen und Dienstleister und keine sozialistischen Experimente oder andauernd wechselnde Regierungen. Die Terroristen, die unser Vaterland nun bedrohen, wissen ganz genau, wo die Schwachstellen in unserem System sind. Und sie wissen ganz genau, wie sie die sogenannte Öffentlichkeit manipulieren können. Ich möchte nicht wissen, wie viele Islamisten sich zu den Aufwieglern und Revoluzzern in Stuttgart zählen.
Ach ja – und an alles Nörgler: in Ägypten herrscht seit 1981 Ausnahmezustand. Und trotzdem ist Ägypten ein Freies Land für Unternehmer und Investoren, in das es sich lohnt zu investieren, EBEN WEIL dort Armee UND Polizei eine Einheit bei der Inneren Sicherheit bilden und nach klaren Vorgaben handeln.”

“Ich glaube kaum, dass man Herrn Ministerpräsident Mappus in Saudi-Arabien und in den Emiraten am Golf freundlich empfangen würde, wenn der Bahnhofsneubau von einem Mob auf der Straße gekippt wird. Es ist bekannt, dass asiatische und arabische Investoren schnell sehr verärgert reagieren und sich zurück ziehen.”

“Jeder weiss, dass die sogenannten Proteste in Stuttgart in Wirklichkeit von linksextremen Kräften in unserem Land gesteuert werden, die die Bevölkerung mit abartiger Propaganda gegen zukunftsweisende Projekte aufwiegeln.”

“Und den Demonstranten kann ich nur zurufen: GEHEN SIE NACH HAUSE! Sie haben kein Recht, Deutschlands Zukunftsfähigkeit und Deutschlands guten Ruf im Ausland für immer zu beschädigen!”

“In den USA und Israel sowie an den internationalen Finanzplätzen werden die Entwicklungen in Stuttgart mit großer Sorge und zunehmendem Zorn beobachtet. Kommt Stuttgart 21 nicht, dann ist Deutschland nicht zukunftsfähig, weil es nicht in der Lage ist, Verträge und verbindliche Zusagen einzuhalten. Das Deutsche Volk wird schon sehen, was es davon hat, wenn die Revoluzzer und Berufsaufwiegler nicht nach Hause gehen.”

Reihenuntersuchungen für Arbeitnehmer:

“Wirtschaft und Sport sind keine demokratischen Veranstaltungen, sondern Haifischbecken, in denen knallharter Wettbewerb hersscht. Nur dieser Wettbewerb mit seiner straffen Selektion des Humankapitals sichert dauerhaften Erfolg und stärkt den Standort Deutschland.
Geisteskranke Mitarbeiter tragen durch ihr krankheitsbedingtes unberechenbares Verhalten in einem erheblichen Maße mit dazu bei, dass Unternehmen gravierende finanzielle und ganz besonders große Imageverluste erleiden. Andere müssen dann für die Geisteskrankheit eines Einzelnen büßen und zahlen. Schon allein aus diesem Grunde erscheint mir als Unternehmer eine medizinische Früherkennung in Form von gesetzlich vorgeschriebenen Reihenuntersuchungen bei Arbeitnehmern als außerordentlich wichtig.”

Sozialstaat:

“Die Leistungsträger werden zur Notwehr gezwungen”

“Allen, die mehr Geld für Arbeitsscheue und Faulenzer fordern sei gesagt, dass niemand auf der Welt das Recht hat, sich zu Lasten anderer den Wanst voll zu fressen und das Geld und Eigentum anderer zu verprassen. Dies passiert in Deutschland jedoch Millionenfach. Das Land der Dichter und Denker ist ein Land der Arbeitsscheuen und Faulenzer geworden und wird es immer mehr.
Dass Leistungsträger, wie Klaus Zumwinkel und viele andere inzwischen zur Notwehr greifen, sollte die Deutschen zum Nachenken anregen. Täglich verlassen immer mehr Leistungsträger unser Land, täglich bringen immer mehr Leistungsträger Deutschlands ihr sauer verdientes Geld ins Ausland, um es vor der Umverteilung an Arbeitsscheue, Gammler und Faulenzer zu bewahren.
Es wird Zeit, dass in Deutschland gegen Gammler, Faulenzer und Arbeitsscheue rigoros durchgegriffen wird. Notfalls mit harten Mitteln.”

Amoklauf in Lörrach:

“Das Recht, Waffen zu besitzen und sie als Sportschütze oder Jäger zu gebrauchen ist ein Kennzeichen FREIER LÄNDER. Nur in sozialistisch-stalinistische Diktaturen gibt es diese FREIHEIT nicht. Jäger und Schützen sind Bestandteil der deutschen Traditionspflege und gehen mit ihren Waffen verantwortungsvoll um. Der Deutsche Schießsport ist bei internationalen Wettbewerben absolute Weltspitze und sorgt dafür, dass Deutschland als freiheitliche Sportnation in den olympischen Medaillienspiegeln Spitze ist.
Deutschland ist ein FREIHEITLICHES Land, Deutschland ist eine Nation, in der Schützenverein TRADITIONS- und BRAUCHTUMSPFLEGE in Stadt und Land betreiben. Ohne die Träger des Grünen Rocks wäre die Deutsche Traditions- und Kulrupflege längst untergegangen.
Manche fragen nun, was denn die Opfer des bedauerlichen Vorfalls in Lörrach für den Vorfall könnten. Sie waren zur falschen Zeit am falschen Platz. Der Mensch denkt eben – Gott, als allmächtiger Herrscher über Himmel und Erde, Leben und Tod lenkt. Auch das ist Kennzeichen der Freiheitlichkeit. Möge unser Herrgott der Seelen der Toten gnädig sein. Wir wollen sie in unser Gebet einschließen.”

“Die Waffe ist des Mannes Zier. Wider den sozialistischen Ungeist.”

HRE-Manager bekommen 25 Millionen Bonuszahlungen:

“Sonst werden Top-Manager in Zukunft einen großen Bogen um das sozialistisch-stalinistische Deutschland, wo man meint, Verträge nicht einzuhalten, machen.”

Tarifverhandlungen:

“Wann sieht die Politik endlich ein, dass die Gewerkschaften ein Überbleibsel des Kommunismus-Stalinismus sind? Mit ihren andauernden Forderungen pressen sie die Leistungsträger dieses Landes bis aufs Mark aus. Unternehmer haben nun einmal nichts zu verschenken, sie brauchen FREIHEIT. Das Kartell der sogenannten “Arbeitnehmer” droht ihnen jedoch den Todesstoß zu versetzen. Hier kann nur eines helfen: Verbot der Gewerkschaften und dafür Einführung der bedingungslosen VERTRAGSFREIHEIT zwischen Unternehmen und “Arbeitnehmern”. So etwas hat sich den USA bestens bewährt. Dort treffen Unternehmer und Humankapital in Augenhöhe aufeinander.”

Studenten:

“Wenn ich mir die deutschen Bummelstudenten an den sogenannten deutschen Universitäten so anschaue, dann wird mir richtig schlecht. Mit dem Stipendienprogramm fördert der Staat Faulenzerei und Kommunismus-Stalinismus, Revoluzzertum und Aufsässigkeit. All das kann sich Deutschland nicht mehr erlauben, all das schadet dem Ansehen Deutschlands an den internationalen Finanzplätzen, in den USA und in Israel.”

“Nicht jeder kann und darf studieren, sondern nur derjenige, der sich vollständig zu Freiheitlichkeit und Marktwirtschaft bekennt, der weiß, wo sein Platz ist und der DIENT und nicht immer nur dumme Fragen stellt. Es wird ja nicht umsonst inzwischen davon gesprochen, die 68er hätten ein akademisches Proletariat geschaffen. Um erfolgreich zu sein, bedarf es weitaus mehr, als einen Hochschulabschluß. Man braucht erlesenste Manieren und eine erlesenste Herkunft. Ein Unternehmensführer repräsentiert nicht nur das Unternehmen, das er leitet, sondern auch seine Familie. Und ein Prolet bleibt immer ein Prolet. Er kann niemals führen. Das hat auch etwas mit familiärer Abstammung zu tun.”

Produktionsstandort Nordkorea:

“Nordkorea steht mit den Kims an der Spitze für Stabilität und Kontinuität bei konkurrenzlos günstigen Lohnkosten und einem Höchstmaß an unternehmerischer Freiheit und Sicherheit in den dortigen Produktionsstätten. Ich persönlich habe kein Problem damit, wenn dort produzieren zu lassen, denn in Nordkorea habe ich als Unternehmer EINEN Ansprechpartner für alle Produktionsstandorte im gesamten Land. Vor allem, seitdem sich China durch steigende Löhne als Produktionsstandort vom Weltmarkt verabschiedet, wird Nordkorea für Unternehmen und Anleger zunehmend interessant”

NRW-Wahl 2010:

“In Deutschland gehen mit dieser Wahl im wahrsten Sinne des Wortes die Lichter aus.
Man muss sich als Bürgerlicher der christlich-konservativen Mitte inzwischen wirklich fragen, ob man das Deutsche Volk überhaupt noch wählen lassen kann.”

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So ist es :-)

Quelle

P.S.:

Kurt Tucholsky seinerzeit über Manns Untertan:

“Hier ist er ganz — in seiner Religiosität, seiner Erfolgsanbeterei und namenlosen Zivilfeigheit”

“Es war dunkel”

Normalerweise bin ich beim Zeitunglesen selten verwundert. Reiche werden reicher, Mieten werden teurer, Südländer werden pleiterer, Events werden eventiger, Blitze werden länger, Banken brauchen ein paar hundert Milliarden mehr und so weiter. Es ist bekannt, und auch wenn jede einzelne Meldung Grund genug für eine nachhaltige Revolte wäre (außer bei der mit den Blitzen): Man hat sich daran gewöhnt, und die nächste Meldung wartet schon, man hat also gar keine Zeit, sich aufzuregen.

In den letzten Tagen aber gab es ein paar sehr merkwürdige Meldungen aus der Politik, und zwar in dem Sinn, dass ich mir sie  aufgrund ihrer Merkwürdigkeit gemerkt habe.

Die Frankfurter Rundschau berichtet:

1. Ein Gesetzentwurf der schwarz-gelben Koalition sieht vor, dass Vereine, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, ihre Steuerprivilegien verlieren. Die Steuerpflicht wäre für Vereine wie Attac, Greenpeace und Robin Wood das Aus.

Der letzte Satz ist starker Tobak. Das bedeutete eine ziemliche gesellschaftliche Umwälzung. Und diese Umwälzung würde auf der Einschätzung derjenigen Behörde basieren, über die in den vergangenen Monaten so einiges berichtet wurde.

Unter anderem das hier:

2. Helmut Roewer war von 1994 bis 2000 Chef des Verfassungsschutzes in Thüringen. Er wurde vor ein paar Tagen in einem Untersuchungsausschuss in Erfurt befragt, die FAZ schreibt dazu:

Noch immer sind die Parlamentarier im Ausschuss ratlos, wer Roewer als kommenden Präsidenten des Thüringer Verfassungsschutzes in der ersten Hälfte der neunziger Jahre angeworben hat. Sowohl der damalige Innenminister, Schuster, als auch sein Staatssekretär Lippert (beide CDU), geben vor dem Ausschuss an, es weder gewesen zu sein noch sich zu erinnern [...]

Roewer antwortet, nicht einmal mehr die Umstände erinnern zu können, unter denen er seine Ernennungsurkunde erhalten habe. Es sei im Sommer 1994, zum Ende seiner Abordnungszeit nach Thüringen, abends um 23 Uhr in der Erfurter Gaststätte Hopfenberg gewesen, als ihm irgendwer, der einem Dienstwagen entstiegen war, die Urkunde übergeben habe. Auf die Frage, wer es denn gewesen sei, gibt Roewer zurück: „Ich weiß es nicht. Es war dunkel.“ Er habe die Urkunde aber ganz sicher bekommen, denn „ich hatte sie am nächsten Morgen. Das ist sicher.“

Dann kommt ein Herr Schrader ins Spiel. Schrader war damals Personalratsvorsitzender des Thüringer Verfassungsschutzes. Weiter in der FAZ:

Unbestreitbar muss aber das Verhältnis zwischen Schrader und Roewer später gespannt gewesen sein. Schrader spricht von einem „gewaltigen Krieg, den ich mit dem Präsidenten als Personalratsvorsitzender hatte.“ Als Roewer eine Frau habe einstellen wollen, zu der er ein Verhältnis gehabt haben soll, habe er von Schrader gefordert: „Ich brauche bis Morgenfrüh um 9 Uhr die Zustimmung des Personalrats.“

Roewer sei im Amt mit dem Fahrrad auf den Fluren gefahren, er sei im Sommer in der Behörde ohne Schuhe gegangen und habe seine Füße mit den vor Dreck schwarzen Sohlen auf den Schreibtisch gelegt.

Als er, Schrader, einmal abends mit geheimen Informationen ins Amt gekommen sei und darüber berichten wollte, habe er Roewer „wie einen balzenden Auerhahn zwischen sechs und sieben Damen vorgefunden“, vor ihnen Rotwein, Käse und Kerzen. Roewer habe nicht gewusst, „wo er zuerst zugreifen sollte“. Die geheimen Informationen habe er vor den Damen ausbreiten sollen, sagt Schrader aus.

Daraufhin ist Schrader rausgeflogen, nicht Roewer.

Es ist heute offenbar nicht mehr festzustellen, wer diesen Roewer überhaupt eingestellt hat. Hat was. Wie war das nochmal mit der parlamentarischen Kontrolle der Dienste? Wie viele Untersuchungsausschüsse bräuchte man mittlerweile eigentlich, um die Sümpfe trockenzulegen?

Der dritte Punkt ist die Abstimmung im Bundestag Ende Juni, am Abend des EM-Spiels Italien-Deutschland, über das Meldegesetz, die nun eher zufällig noch in die aufmerksamkeitsökonomische Spirale gekommen ist. Die nicht zum erstenmal als korrupt aufgefallene Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner wäre eigentlich fällig. Eigentlich. Sie hat hoch gepokert.

4. Die Abstimmung über ESM und Fiskalpakt. Wie auch immer man dazu steht: Dass am Freitag Abend im Bundestag hektisch abgestimmt wurde und gegen Mitternacht noch schnell im Bundesrat, dort ohne jede Beratung, ohne jede Diskussion, und das bei einem so wichtigen Thema, könnte schon zu der Vermutung führen, dass die Demokratie halt zurückstehen muss, wenn es für das Kapital um so viel geht. Es ist ja tatsächlich eine Teilentmachtung des Parlamentes, selbst Merkel sagt, dass das Kleingedruckte noch auszuhandeln sei. Vorher wird schon mal drüber abgestimmt.

Wenn nicht das, was sonst soll Entmachtung bedeuten?

Was in Deutschland erschwerend hinzu kommt: Die einzige Opposition ist die Linkspartei, SPD und Grüne sind schlicht Teil des neoliberalen Komplexes, und Trittin, irgendwann mal im KBW gewesen, ist mittlerweile von Oswald Metzger kaum noch zu unterscheiden, er stellt sich nur geschickter an. Unser Bundespräsident Gauck, von rotgrün seinerzeit vorgeschlagen und gehypt, entwickelt sich ja auch wie erwartet: reaktionär, neoliberal, egozentrisch, dumm. Deutsche Soldaten können leider nicht ungehindert im Ausland herummorden, weil wir so glückssüchtig sind. (Das könnte auch Punkt fünf in meiner Liste sein.) Und Frau Merkel kommuniziert nur falsch. So ähnlich lauteten seine jüngsten politischen Bemerkungen.

Es ist schon beachtlich, was da in kurzer Zeit zusammenkommt. Das Kaltstellen der kritischen Zivilgesellschaft auf der Grundlage der Einschätzungen eines Dienstes, der bis zum Hals im Dreck steckt; der Offenbarungseid eben dieses Dienstes, wohl ohne Konsequenzen; die Korruption einer Ministerin; die Übernacht-Entmachtung des Parlaments in Sachen Haushaltsrecht: Es geht alles ein wenig zu schnell.

Gerade lese ich noch im Spiegel, dass Stefan Mappus “froh sein muss, wenn er nicht im Gefängnis landet”, und der sächsische Verfassungsschutzchef hat gestern Abend um 23 Uhr seinen Schlapphut genommen.

Vielleicht ist es auch nur das Sommerloch.