Monatsarchiv: Februar 2011

“Als Praktikant war Herr zu Guttenberg freier Mitarbeiter…”

Neues über das Verhältnis Guttenbergs zum Axel-Springer-Verlag. Dort erscheint bekanntlich auch die Welt, deren Herausgeber heißt Thomas Schmid. Auf dem Wiki Guttenplag hat ein User jetzt einen Mailverkehr zwischen ihm und Schmid veröffentlicht. Es geht um Guttenbergs mittlerweile hinlänglich bekanntes Frisieren seines Lebenslaufs. So machte er aus einem Praktikum bei der Welt eine “freie Mitarbeit”. Der Wiki-User regte deshalb am 24. Februar schriftlich (leider nicht verlinkbar)

“dazu an, gegen Herrn Karl-Theodor zu Guttenberg gem. § 1004 BGB die Abgabe einer Unterlassungserklärung zu erwirken.”

Antwort von Schmid drei Tage später:

(…) „Den riesigen Widerspruch, von dem Sie ausgehen, sehe ich nicht. Als Praktikant war Herr zu Guttenberg freier Mitarbeiter, und er hat in der Zeit auch einige Beiträge in der “Welt” veröffentlicht. Ich reiche Ihre Mail aber an Kollegen weiter, die in die Materie besser eingearbeitet sind.“ (…)

Ein Praktikum ist etwas grundlegend anderes als eine freie Mitarbeit. Beim einen lernt man, beim anderen arbeitet man selbstständig, nachdem man es gelernt hat. Jeder, der im Bereich Journalismus oder Medien arbeitet, weiß das. Auch arbeitsrechtlich wird da unterschieden. Nur Herausgeber Schmid ist nicht “eingearbeitet” und muss die Mail weiterreichen. (Vielleicht ist Schmid ja Herausgeber als Praktikant.)

Das Detail ist ein weiterer Beleg der manipulativen Rolle, die der Springer-Verlag und seine Mitarbeiter in der Affäre Guttenberg spielen. Praktikant, Freie Mitarbeit, legal, illegal, alles egal. Hauptsache, man fungiert weiterhin als Leibwächter des Barons.

Die Welt hatte schon früh vom Praktikanten Baron Guttenberg im eigenen Haus berichtet:

Nach einem Praktikum im Politikressort dieser Zeitung zog Guttenberg 2002 in den Bundestag ein.

Es war eines seiner dürfigen Praktika mit geringem publizistischem Ertrag.

Schmid war früher übrigens auch – wie unsere Freundin Cora Stephan – ein Mitstreiter von Daniel Cohn-Bendit und Joschka Fischer, schrieb für den Pflasterstrand, war häuserkampf- und sabotageerprobt. Irgendwann zwischen 1969 und Jetzt ist er zum Arschloch mutiert. Nun stützt er den Lügner Guttenberg mit Quasi-Lügen.

Was für eine Karriere!

(Mit Dank an den unbekannten Wiki-Nutzer! – sofern der die Geschichte nicht komplett erfunden hat.)

“Bild dir einen Minister!”

Kleiner Hinweis auf eine sehr schöne Fotoreportage meines Bloggerkollegen Bersarin über die Anti-Guttenberg-Demonstration gestern in Berlin:

Guttenberg den Schuh zeigen

Sinnvoller als vom Potsdamer Platz zum Verteidigungsministerium, wie man sagt, zu ziehen, wäre allerdings gewesen, die Demoroute am Springer-Hochhaus  beginnen zu lassen. Liegt ja nicht weit weg.

Haus, abstrakt

(Foto: genova 2011)

Vom Dauerlügner Guttenberg und seinem Gesinde(l)

Guttenberg lügt seit Jahren. Jüngster Fall: Seine Rede in der Debatte um seine Doktorarbeit in der Aktuellen Stunde im Bundestag. Er behauptet nach wie vor, ihm seien “Fehler” unterlaufen, sonst nichts.

Es ist völlig klar, dass Guttenberg weite Teile seiner Arbeit entweder bewusst abschrieb oder er einen Ghostwriter beauftragte. Beides nennt man Täuschung. Das Bestreiten dieser Täuschung ist eine Lüge. Spätestens das fortgesetzte Bestreiten dieser Täuschung ist ein Vorsatz, der zum Rücktritt von seinen Ämtern führen muss.

Der eigentliche Skandal ist aber das Verhalten der Unions- und der FDP-Politiker in der Aktuellen Stunde. Kein einziger hat den Arsch in der Hose, Guttenberg zu kritisieren. Alle verteidigen sie ihn, keine Kritik. Stattdessen sei das Verhalten der Opposition “unverschämt” und “infam”.

Einige hundert Abgeordnete verteidigen ganz offiziell das glasklare und fortgesetzte Dauerlügen eines Bundesministers. Die jüngste Lüge von Guttenberg ist keine drei Minuten alt, schon tritt ein CDU-ler ans Mikrofon und sagt: ist doch nichts dabei! So ähnlich läuft das sicher in Berlusconis Italien ab. Wobei die sich schon daran gewöhnt haben. Für mich ist dieses offen asoziale Verhalten neu.

Politisches Gesindel, das seinen Baron deckt und sich “wertkonservativ” nennt. Wenn Guttenberg damit durchkommt, sollte das Konsequenzen haben.

Uni Bayreuth: es lohnt sich

Interessantes Detail der Guttenberg-Affäre. Der Blog Dishwasher schreibt:

Die Uni Bayreuth ist eine Campus-Uni mit einem extrem auffälligen Herkunftsprofil … In dieser Studie [die DSW-Sozialerhebung von 2001] war Bayreuth jedoch die westliche Hochschule mit den wenigsten Studierenden mit dem Herkunftsmerkmal „niedrig“ (8% gegenüber dem damaligen Durchschnitt von 14%). Ein Alleinstellungsmerkmal war zu dem Zeitpunkt, dass nur 24% der Studierenden Eltern hatten, die weniger als 4000 DM Nettoeinkommen hatten, alle anderen Hochschulen wiesen Quoten zwischen 32% und 55% auf. Entsprechend sieht es bei der Quote reicher Eltern der Studierenden aus: die Uni Bayreuth ist eine sozial homogene Hochschule von Akademikerkindern aus reichem Elternhaus.

In diesem Zuammenhang ist noch interessant, dass die Uni Bremen die höchste Quote von Studierenden mit niedriger sozialer Herkunft hat und zwei Professoren der Uni Bremen brachten die Guttenberg-Affäre ins Rollen.

Im Fachbereich Jura sind die Zahlen noch extremer, vermute ich. Warum die Verhältnisse in Bayreuth so sind, lässt sich momentan wohl nicht klar sagen (siehe Kommentarbereich bei Dishwasher).

Es klingt fast schon nach einem schlechten Plot, dass nun die Bremer Akademiker und die egalitären Aufklärer im Netz mit ihrer bewundernswerten Akribie einen Teil des Guttenbergschen Lügengebäudes einstürzen lassen, während manche Mitglieder des Buyreuther Hochadels ihr Geld offenbar zum Titelkauf nutzen.

Jedenfalls ist bei den Bayreuther Juristen die Welt noch in Ordnung: (Nachtrag, 25.2.11: Der Uni ist das Werbevideo wohl peinlich geworden .-)

Zu Guttenberg fällt mir ansonsten nicht mehr ein als das, was ich schon vor eineinhalb Jahren dazu geschrieben habe. Stern, Spiegel und viele andere meinungsmachenden Medien haben den freiherrlichen Baron gehypt, was das Zeug hielt, und zwar ohne jede politisch stichhaltige Begründung. Mit diversen Titelgeschichten (beispielsweise der hier im Stern) haben sich Magazine mit einer gewissen Reputation in reine PR-Heftchen verwandelt. Ehre, Anstand, Leistung, Gewissen, Herkunft: Alle Vorgaben der Guttenbergschen Spindoktoren wurden nachgeplappert.

Guttenberg hat die vergangenen Tage mehrfach knallhart gelogen, jüngst erst wieder gestern Abend. Das kann man, angesichts der Ergebnisse von Wiki GuttenPlag, so sagen.

Doch es war ja nicht sein erstes Mal. Was ist mit Guttenbergs Quasi-Lüge unmittelbar vor seinem Amtsantritt als Wirtschaftsminister, was seine Berufserfahrungen angeht? Seine “Verantwortung im eigenen Familienunternehmen”, das sich als kleines Büro entpuppte, in dem “meist niemand da ist”, wie der Bürgermeister freimütig erzählte? Ein Nachbar meinte, es könne sich bei Guttenbergs verantwortungsvoller Tätigkeit nur um eine ” in der Küche oder im Pferdestall” gehandelt haben.  Zapp und Panorama brachten jeweils einen Beitrag, das wars. Auf seiner Website berichtet Guttenberg von “beruflichen Stationen in Frankfurt und New York”, die sich jetzt als Praktika mit geringem Ertrag herausstellen. Der “Freie Journalist bei der Tageszeitung DIE WELT (bis 2002)” war laut Tagesspiegel ebenfalls nur ein mehrwöchiges Praktikum. Als er nach eigener Aussage maßgeblich mithalf, die Rhön-Kliniken an die Börse zu bringen, war er 18 Jahre alt. Seine anschließende Tätigkeit im Aufsichtsrat der Kliniken hat ihn schätzungsweise zweimal jährlich zu einer lockeren Runde in die Röhn geführt. Der Tagesspiegel vermutet gar, diese Tätigkeit habe “nur auf dem Papier gestanden”. Hat der überhaupt schon mal etwas gemacht? Egal. Da sammelt man Erfahrung!

Jedem mittleren Angestellten würde solche Frisiererei den Job kosten. Es wäre die genuine Aufgabe eines auch nur halbwegs kritischen Journalismus gewesen, das nicht erst abzuchecken, wenn ein Bremer Jurist ermittelt, dass mit Guttenbergs Doktorarbeit etwas nicht stimmt.

Stattdessen kamen die Fotos vom Popstar auf dem Times Square, in Afghanistan, von seiner Charity-Frau etc., die mittlerweile legendär sind.

Das solle man nicht vergessen, wenn manche Meinungsführer jetzt kritisch daherkommen. Hauptsache Event, Spektakel. Und klar, dass Springer den Herren mit der “verwegenen Charakter- und Lebensmelange” (Selbsteinschätzung im Diss.-Vorwort) weiterhin verteidigt. Wer im Boulevard so gut ankommt und gleichzeitig neoliberalste Pläne schmiedet, der ist Milliarden Wert.

Zumindest für die gängige Klientel der Uni Bayreuth.

“Nur noch der Kaffeesatz übrig”

Der Bund hat vor knapp sieben Jahren die Wohnungsbaugesellschaft GAGFAH für drei Milliarden Euro an den US-Investor Fortress verkauft. Die Folgen sieht man hier:

Das passierte, nebenbei gesagt, unter der rot-grünen Bundesregierung.

Es ist ja bekannt, wie sowas läuft. Ein paar Kennzahlen sind dennoch aufschlussreich, weil sich damit ganz gut argumentieren lässt. So beliefen sich die Instandhaltungskosten der GAGFAH-Wohnungen im Jahr 2002 noch auf 15,29 Euro pro Quadratmeter und Jahr, nach der Privatisierung im Jahr 2009 sind es 7,60 Euro. So sehen die Gebäude auch aus.

Fortress wird die Wohnungen auch wieder verkaufen. Die Substanz wird ausgesaugt, die Sahne abgeschöpft, es bleibt der Kaffeesatz übrig, also die schlechten, ghettoähnlichen Lagen. Und dann? O-Ton aus dem Beitrag:

“Dann können die Kommunen sehen, wie sie mit diesen Vierteln umgehen”

Es sind kriminelle Methoden eines kriminellen Investors mit Hilfe einer rot-grünen Bundesregierung. Saß da seinerzeit nicht auch Olaf Scholz mit drin, der neue Hoffnungsträger der Sozialdemokraten?

Vom Reiz des Wartens

Den Reiz des Wartens im öffentlichen Raum beschreibt die Literaturwissenschaftlerin und Fotografin Andrea Gnam für mich punktgenau. Es geht um…

“…das Betrachten banaler, visueller Strukturen in der nächsten Umgebung, die doch Zeugnis über eine Zeit und eine Kultur ablegen.”

Wo könnte man diese erkenntnisbringende Tätigkeit sonst ausführen, außer beim Warten? Ein Hoch auf die Unpünktlichkeit.

Cora Stephan. Ein Irrtum

Schnell ein paar Zeilen, die ich mir auch schenken könnte.

Es geht um eine Frau namens Cora Stephan, die ein Buch namens “Angela Merkel. Ein Irrtum” geschrieben hat. Das Interview, das die FASZ deswegen vergangenen Sonntag mit ihr führte, ist ein Lehrstück politischer Dummheit.

Frau Stephan, 2005 haben Sie Angela Merkel gewählt. Jetzt sind Sie enttäuscht. Warum?

“Ich habe „Angie“ gewählt, eine Frau mit einer deutlichen Sprache und einem mutigen Reformprogramm.”

Sagt eine Frau, die sich hauptberuflich mit Sprache beschäftigt. Cora Stephan ist Schriftstellerin. Was meint sie mit “deutlicher Sprache”, was mit “Reform”, was mit “mutig”? Angie? Die FASZ fragt nicht nach, obwohl exakt das bei diesen Phrasen die Hauptaufgabe eines Journalisten wäre.

Wann hat Merkel Ihre Zustimmung verloren?

“Ach, ich habe wie viele andere lange die Hoffnung nicht aufgegeben. Aber es bewegte sich einfach nichts. Und dann kam die Sarrazin-Debatte. Da ist mir der Geduldsfaden gerissen. Wie bitte? Die Frau, die von Mut und Freiheit geredet hat, erklärt ein Buch für „nicht hilfreich“, das sie noch nicht einmal gelesen hat?

Peng. Eines der dümmsten politischen Argumente des vergangenen Jahres fehlt also auch nicht. Man darf demnach die Thesen eines Menschen nicht kritisieren, wenn man sein Buch nicht gelesen hat, auch wenn der zig Seiten Vorabdrucke in Spiegel, Bild etc. bekam, wochenlang ununterbrochen in den Medien seine Thesen präsentierte, von allen Seiten analyisiert wurde? Und Merkel soll ihre Zeit damit verschwenden, es zu lesen? Ist Frau Stephan nicht auf die Idee gekommen, dass es Referenten gibt, inhaltliche Zuträger, ohne die man wichtige Ämter nicht ausfüllen könnte? Und was hat die Kritik an Sarrazin mit Mut und Freiheit und dem angeblichen Mangel daran zu tun?

Daneben das übliche neoliberale, tausendmal wiederholte, formelhafte, sozialdarwinistische Geplappere. Sie stellt “Fragen einer Steuerzahlerin”, die sie mit Begriffen wie “Sozialstaatsillusion”, “Befreiungsschlag” “Reformmotor” beantwortet. Sie will die Reformmotormerkel zurück. Geilomat.

Der Sozialstaat jedenfalls wuchert  wie die Sau:

“Als schlichte Steuerzahlerin fragt man sich ja, warum man da nicht gleich hartzen geht.”

Ja, wer so schlicht ist, dem sollte ein starker Staat unter die Arme greifen. Auf zum Amt!

Das Motiv der schweigenden Mehrheit darf natürlich nicht fehlen. Endlich mal eine kritische Bürgerin:

Werden Sie Merkel wieder Ihre Stimme geben?

“Nein. Obwohl ich die Alternativen auch nicht sonderlich attraktiv finde. Vielleicht werde ich die größte Partei von allen stärken: die der Nichtwähler.”

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen. Dazu passt eine Bemerkung aus einem Beitrag von ihr für die Welt:

“Es kommt hinzu, dass die beständig wahlkämpfenden Politiker am liebsten jene Klientel bedienen, die Stimmen versprechen. Und das sind alle, die ungern am Ast sägen, auf dem sie sitzen: Rentner, Beamte, Staatsangestellte, Arbeitslose und Harz-IV-Empfänger.”

Exakt diese fünf Gruppen sind nachweislich die Verlierer der Politik der vergangengen Dekade. Welche Wahrnehmungsstörungen liegen solchen Aussagen zugrunde? Muss man nur fleißig die Welt und ähnliche Blätter lesen? Vermutlich. Vielleicht kommt bei ihr die aktuelle Diskussion, ob Arbeitslose fünf oder acht Euro mehr kriegen, als bevorzugte Klientelbedienung an.

Die SPD hat es auch nicht gebracht:

Schröder wurde für seine Agenda 2010 abgestraft.

” Aber nicht zuerst von der Bevölkerung, sondern von seiner Partei.”

Hätte die Partei nicht gemurrt, dann hätte der Wähler nichts gemerkt und Schröder wäre immer noch mit 40 plus x Prozent Kanzler. Und Angie mutige und freiheitliche Oppositionsführerin.

In dem Interview plappert sie so skurrile Sätze, dass man kaum glauben kann, dass sie das Ernst meint. Letzte Kostprobe, gemeint ist wiederum “Angie”:

“In ihren Reden als Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin spürte man eine geradezu emphatische Freiheitsliebe.”

Wer ist Cora Stephan? Eine Krimiautorin aus Frankfurt, die – Achtung – 2006 Jurymitglied für den Adorno-Preis der Stadt Frankfurt war. Wer hat da den Preis bekommen? Sarrazin? Vielleicht aber auch die emphatisch freiheitsliebende Angie, damals hatte das Jurymitglied die Hoffnung ja noch nicht aufgegeben. Beim “Deutschen Atomforum” trägt sie ebenfalls vor und fordert allen Ernstes den “Bau neuer, sicherer, effizienterer Atomkraftwerke”, was für jemanden, die hauptberuflich mit Sprache zu tun hat, nicht schlecht ist. Neu, sicher, effizient, wer kann da schon nein sagen? Ich nicht. Wahrscheinlich fordert sie auch besseres Wetter für Deutschland. Ich auch. Sie hinterfragt keinen Begriff und benutzt zielsicher all das, was ihr die neoliberalen Spindoktoren lauwarm vorgesetzt haben. Reformmotor. Brummbrumm.

Was rät sie, um die german angst vor Atomkraft zu überwinden, kein Scherz?

“Gespräche mit Wissenschaftlern und Ingenieuren bei Besuchen in Atomkraftwerken.”

Cora Stephan scheint Teil dieses informellen deutschen rechten Deppennetzwerks zu sein, Achse der Guten, Bolz, Baring, Henkel etc. Von irgendwoher eine Reputation haben und sie fürs Ressentiment nutzen.

Andererseits: Stephan schrieb in den Achtzigern für den Pflasterstrand und promovierte zuvor über “die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie im 19. Jahrhundert”. Sie scheint der Fraktion der Gewendeten anzugehören, die das nur mit analytischer Niveaulosigkeit schaffen, Broder ähnlich. Eine Art deutsche Tea-Party. Es wäre also ratsam, ihr Geplapper aus biographischer Perspektive zu untersuchen, was ich naturgemäß nicht leisten kann, da ich die Frau bis vergangenen Sonntag gar nicht kannte.

Und warum gibt die FASZ diesem Schwachsinn ein Forum? Wo fast täglich Bücher auf den Markt kommen, wie man sagt, die eine publizistische Förderung verdient hätten? Hat Cora zu Schirrmacher ähnlich gute Kontakte wie zur Adornopreisjury? Ist Frankfurt ein Dorf? Änderte man den Titel des Buches ein wenig ab, wäre es zu bewerben: Cora Stephan. Ein Irrtum. So aber ist das Buch so überflüssig wie diese Zeilen. Ich sollte sowas künftig bleiben lassen.

So sieht sie aus, die Cora:

(Foto: Wikipedia)

Kurze Bemerkung zu einem kurzen Dialog

“Mein Film spielt an der Schnittstelle zwischen Galerie und Gastronomie”

sagte gestern eine Regisseurin im Berliner Radiosender MotorFM über ihren Film, der jetzt auf der Berlinale läuft (Name von Regisseurin und Film entfallen).

Galerie und Gastronomie? Wo soll diese Schnittstelle sein? Soll die Alliteration die Schnittstelle sein? Oder etwas in der Richtung “Esskultur”, und Bilder sind ja auch irgendwie kulturell? Vielleicht handelt ihr Film ja davon, dass jemand mit einer Tüte Pommes in der Hand vor einem Bild steht und guckt.

Wahrscheinlich findet die Regisseurin auch, dass es eine Schnittstelle gibt zwischen Kurvendiskussion und Brustvergrößerung.

Die Moderatorin von MotorFM antwortete auf die Feststellung mit:

“Okay.”

Danke für die Info.

Von Versammlungen und den Interessen der Menschen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stephan Mappus gestern im Untersuchungsausschuss zu dem umstrittenen Polizeieinsatz am 20. September 2010 gegen die S21-Kritiker auf dem Stuttgarter Schlossplatz:

“Die Versammlung auf dem Platz war nicht legal, führte zu Verkehrsproblemen und schadete dem Interesse der Menschen.”

Hoppla, da habe ich mich vertan. Gesagt hat den Satz gestern ein Sprecher des Innenministeriums in Bahrain. Nach Protesten, die den Umsturz des Staates zum Ziel haben. In Stuttgart ging es nur um einen Bahnhof. Oder müsste man hier besser mit dem Begriff der Rendite arbeiten?

In Bahrain gab es zwei Tote, in Stuttgart nur einen Blinden. Wir sollten dankbar sein.