Monatsarchiv: Februar 2010

“Too bad you can´t skate the gap”

Aus dem Gästebuch des Barcelona-Pavillions von Mies van der Rohe. Es zeigt unabsichtlich, aus welch verschiedenen Perspektiven man Architektur betrachten kann.

zweimal räumlich-ästhetisch:

eschatologisch:

praktisch:

unverständlich:

oberflächlich:

ökonomisch:

sentimental-persönlich:

grundsätzlich:

(Fotos: genova 2007)

Linkspartei: “Stalinismus durch die Hintertür”

Passt irgendwie:

In Kuba ist ein politischer Häftling an den Folgen seines Hungerstreiks gestorben. Vorher musste er “zahllose Schläge und Folter” ertragen. Sein Vergehen: “Störung der öffentlichen Ordnung” und “Respektlosigkeit”. Dafür bekam er 18 Jahre.

Soviel zur realen Situation in Kuba. Noch einmal zur Erinnerung der Standpunkt der Linkspartei dazu: “Politische und materielle Solidarität mit dem sozialistischen Kuba.”

Auf der Internetseite von Cuba Sí, einer kubafreundlichen Arbeitsgemeinschaft der Linkspartei, findet man keine Notiz vom Hungerstreiktoten. Stattdessen wird an zentraler Stelle berichtet, dass “kubanische Ärtze helfen”. Kommt nur darauf an, wem.

Und, weil es so gut passt, zwei Ausschnitte aus einem Interview des Tagesspiegel von heute mit dem Linken-Chef Lothar Bisky:

Herr Bisky, Sie haben neulich einen Hang zur Denunziation in Ihrer Partei beklagt. Warum ist die Linke so anfällig dafür?

In der Geschichte der Linken gehörte Denunziation häufig dazu. Vor allem nachdem der Stalinismus eingezogen war. Die einen haben die Parteilinie für sich beansprucht, die anderen wurden als Abweichung definiert und mussten zum Teil ihr Leben deswegen lassen. Auch heute gibt es in meiner Partei eine Kommunikation, die gelegentlich denunziatorisch ist. Dagegen wehre ich mich mit aller Kraft.

Sie sprachen davon, dass in der Linken der „Stalinismus durch die Hintertür“ wieder einziehe. Was haben Sie damit gemeint?

Ich muss das erklären. Ich habe nie dabeigesessen, wenn in Parteigremien Abwesende fertiggemacht wurden – oder Leute, die keine Chance hatten, sich zu verteidigen. Man kann Dietmar Bartsch ja meinetwegen öffentlich kritisieren, aber nur, wenn er Gelegenheit hat, dazu Stellung zu nehmen. Alles andere ist eine Rückkehr zum Stalinismus. Ich werde auch in Zukunft jede Parteiversammlung verlassen, auf der das missachtet wird.

Stalinistische Tendenzen bei den Linken. Hier zeigt sich ein Grundübel des linken Spektrums, nicht nur bei der Partei. Bisky ist ein humaner Linker, auch schon in der DDR gewesen. Viele andere sind das nicht. Es fehlt auf linker Seite bis heute eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Stalinismus. Die Frage, warum der Weg von Solidarität und gutem Leben ohne größere Hindernisse von Marx zu Stalin führte, müsste seit spätestens 20 Jahren auf der Tagesordnung stehen. Steht sie aber nicht. Stattdessen sieht Bisky im Jahr 2010 Anlässe, sich über neuen Stalinismus in seiner Partei zu beschweren.

Wie eine Diskussion sich entwickeln kann, in der Linke, Linksextreme und ein, zwei Verwirrte nach dem Grund für Stalinismus gefragt werden, kann man sich in dem (ansonsten lesenswerten) Blog von Momoroulez anschauen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Viel Vergnügen.

Kurze Kritik des Schneemanns

Glückliche Schneemänner:

Abu-Ghraib-Schneemann:

Blutiger Schneemann:

Enthaupteter Schneemann mit exponiertem Gemächt:

Wehrhafter Schneemann:

Revoltierende Schneemänner vor Herrschaftssitz:

(Fotos: genova 2010)

Sensation: Nazis wollen keine Nazis sein!

Ein Artikel über Israel, zwei Fragen von mir und zwei Antworten darauf in dem NID-Infoblog. Nazis, die keine sein wollen.

Komisch. Ich dachte bislang, die stehen dazu.

“Zusatzbeitrag” der Krankenkassen: die Post freut sich

Acht Euro sind Peanuts. Oder doch nicht? Es geht um den “Zusatzbeitrag” von acht oder zehn Euro pro Versichertem in den gesetzlichen Krankenkassen.

Kleine Rechung: 70 Millionen Menschen sind in Deutschland gesetzlich krankenversichert. Zieht man Familienmitglieder ab, bleiben rund 50 Millionen übrig. Die kriegen derzeit alle Post von ihrer Krankenkasse mit der Bitte, eine Einzugsermächtigung über die acht Euro zurückzuschicken. Macht 50 Millionen Briefe mal zwei, plus schätzungsweise ein paar Millionen Nachfragen, Mahnungen etc. So kommt man – Brieferstellung, Porto, Bearbeitung etc. – wohl auf einen dreistelligen Millionenbetrag, den der Blödsinn kostet, bevor auch nur ein Cent mehr ins Gesundheitssystem fließt.

Wer denkt sich so einen Scheiß aus? Die Post wahrscheinlich. Den Beitragssatz könnte man mittels Software für Nullkommanix anpassen.

Davon abgesehen, dass der Beitragssatz vergangenen Juli erst gesenkt wurde, was natürlich auch den Arbeitgebern zugute kam. Jetzt geht´s wieder rauf, aber nur für die Arbeitnehmer.

Die neoliberale Erosion der Gesellschaft, die, entgegen aller Verheißungen, immer auch mehr Bürokratie bedeutet, schreitet voran. Die verwaltete Welt macht sich selbstständig. Man beachte, wie gerne Politiker Begriffe wie “fair”, “transparent”, “gerecht”, “klar”, “einfach” in die Münder nehmen, also genau das Gegenteil dessen avisieren, was sie faktisch erreichen. Die gesellschaftliche Akzeptanz dieses Rhetorikmülls führt mittlerweile dazu, dass selbst die FDP von einem “fairen Sozialstaat” reden kann.

Und das alles für nur acht Euro pro Monat.

Ruhrgebiet: Mentalitätswechsel durch Architektur?

Die Senioren unter den Lesern erinnern sich: Von 1989 bis 1999 lief im Ruhrgebiet die Internationale Bauausstellung Emscher Park. Weitere zehn Jahre später, 2009, zog der Stadtplaner Thomas Sieverts, Bilanz. Und die ist bemerkenswert. Man wollte damals tatsächlich, so Sieverts,

“einen Mentalitätswechsel im Ruhrgebiet erzeugen”, und zwar von einem “sklerotischen, unkreativen Milieu zu einem kreativen, offenen Milieu. Das war doch ein etwas naiver Optimismus. Die Folgen der IBA in der Hinsicht sind sicherlich außerordentlich begrenzt… Ein Mentalitätswechsel im Ruhrgebiet braucht offenbar sehr viel, sehr viel länger.”

Wunderbar, wie offen manche Leute daherreden. Jeder Satz eine Fundgrube. Mentalitätswechsel durch Architektur, also vorherrschende Denk- und Verhaltensmuster einer ganzen Region ändern, indem man anders baut. Wie das durch die IBA erreicht werden sollte, lässt Sieverts offen. Wollte er den Wechsel auf einer rein ästhetischen Oberfläche vollziehen oder durch Atmosphären, wie Gernot Böhme das beschrieben hat? Wollte er den Bewohnern des größten Dorfs der Welt ein neues Raumgefühl geben? Wollte er das Leibliche dem profanen Durcheinander zwischen Ruhr und Emscher entziehen? Oder wollte er aus den Leuten lauter Ökos machen, die Regenwasser sammeln? Gibt es in den neuen Siedlungen Gemeinschaftseinrichtungen? Wollte er sie in ihren kleinen IBA-Refugien von der spezifischen Ruhrgebietsästhetik befreien? Natürlich klappt das nicht. Architektur alleine ändert überhaupt nichts.

Ein wenig frech ist die Unterstellung, die Ruhrgebietsbewohner brauchten dringend eine andere Mentalität, weil sie jetzt so unkreativ seien. 150 Jahre lang sollten sie genau das sein, möglichst ohne zu Denken die Kohle aus dem Berg holen und den Stahl schmieden; jetzt, wo es das nicht mehr gibt, sollen sie halt irgendwie “kreativ” sein. Wahrscheinlich am besten was mit Medien. Und immer im Sinne des Kapitals, sonst lohnt sich womöglich die IBA nicht.

Offenbar war zumindest Herr Sieverts nicht kreativ genug, um seine Vision vom omnipotenten Ruhrpottler umzusetzen.

Die Realität ist nix IBA. Angesichts der Sievertschen Haltung zu den unkreativen, sklerotischen Ruhrgebietlern vielleicht auch gar nicht schlecht. Und ästhetisch an jeder Ecke reizvoll:

Unvollständiger Nachtrag:

Im Ruhrgebiet könnte man mit Böhmes Atmosphären überhaupt ganz gut arbeiten: Früher war im Ruhrgebiet alles atmosphärisch, die Schächte mit der Hitze, dem Staub und Dreck, die Enge, die Stahlöfen. Heute ist das Leben in Teilen digital geworden, wir leben in virtuellen Welten. Diese Digitalisierung lässt das Subjekt besondere Anforderungen an das Real Life stellen: Die dort noch vorhandene Realität mit Materialien, Raumfolgen, Licht etc. soll Atmosphären erzeugen, die eigene Leiblichkeit spüren lassen, nicht nur banale Behausung sein blabla

Fade out

(Fotos: genova 2008)

Ästhetik und Ökologie: Abfall in Jerusalem

Sich alternativ und ökologisch gebende deutsche Reiseautoren bekritteln ja gerne das ihrer Meinung nach nur ungenügend ausgebildete Umweltbewusstsein der Bewohner unserer Urlaubsregionen im Süden. So auch Wil Tondok, der die hier an den Hängen Jerusalems wohnenden Menschen kritisiert:

“…ein Umweltbewusstsein der Menschen praktisch nicht vorhanden. Wie sonst könnten sie alle Abfälle, allen Schrott den Hang hinunterwerfen..” (Israel und Palästina, Reise-Know-How, 2010)

Mag schon sein, dass es dort ökologisch nicht gerade vorbildlich zugeht. Aber hier tritt das typisch deutsche Phänomen zutage, dass man ästhetische Empfindungen mit Ökologie verwechselt. Den Deutschen stört an dem Abfall am Hang vor allem, dass es so undeutsch unordentlich aussieht. Was konkret daran unökologisch sein soll, spielt keine Rolle.

Das Verhalten erinnert an die reichen Mittel- und Nordeuropäer, die im Herbst gerne mal für ein paar Tage an die Algarve jetten, um dort Golf zu spielen, auf schön grünem Rasen (im Herbst!), permanent bewässert. Direkt nebenan wird schon seit Wochen das Wasser rationiert. Diese Leute machen dann einen Ausflug zu den Eingeborenen ins Hinterland und beschweren sich über eine wilde Müllkippe, die sie aus dem Bus heraus gesehen haben. Danach geht es für ein paar Zehntausend Liter Kerosin zurück in die heile Welt der Mülldeponien. Die sieht man nämlich nicht.

Nichts gegen das ästhetische Empfinden dieser Leute. Sie sollten es nur nicht mit ökologischen Zusammenhängen verwechseln.

(Foto: genova, 2010)

FDP – wir können nicht anders

Die FDP tut mir fast leid, denn sie demontiert sich gerade selbst, weil sie nicht anders kann. Psychologen würden von zwanghaftem Verhalten reden.

Die Fakten: Knapp 50 Prozent der FDP-Wähler sind seit September abgesprungen, Rösler beharrt weiterhin auf der Kopfpauschale, obwohl selbst Schäuble vorrechnet, dass dann zur Gegenfinanzierung die Einkommenssteuer auf über 70 Prozent steigen müsse, Westerwelle sieht “Sozialismus” im Zusammenhang mit der Karlsruher Hartz-IV-Entscheidung und sagt:

“Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.”

Die FDP kann nicht anders, weil sie ja kein anderes Ziel hat, als ihrer Klientel und dem Kapital Vorteile zu verschaffen. Das klappt nicht mehr so richtig, deshalb wird sie aggressiv. Wenn das Volk nicht will wie Westerwelle, dann lebt es halt in spätrömischer Dekadenz, und danach kommen bekanntlich Völkerwanderung und finsteres Mittelalter. Kein Zufall, dass der offensichtlich zwanghafte Westerwelle seit einer halben Ewigkeit Vorsitzender der FDP ist. Zehn Jahre lang war er zwanghaft um Contenance bemüht, was nur klappte, indem er sich all seine menschlichen Regungen abtrainierte. Kaum ist er an der Macht, verliert er sie, die Contenance.

Es hat etwas von den letzten Tagen im Führerbunker. Die jahrelang zurechtgebastelten Fiktionen kommen in Kollision mit der Realität. Die große Masse der Bevölkerung hat keinen Bock auf die neoliberalen FDP-Vorstellungen. Das kann Westerwelle nicht begreifen, wo er doch so gerne von den Leistungsträgern und dem Mittelstand redet, die auf die FDP vertrauen sollen. Ihm, der über Jahre in unzähligen Talkshows viel Applaus bekam für seine Forderungen von wegen weniger Steuern, glaubt man nicht mehr. Das verletzt ihn wirklich. Also behauptet er einfach: Das Volk will den Neoliberalismus viel schneller, die FDP muss also Gas geben.

Und das ist das Wundersamste: Jetzt stellt sich heraus, dass Westerwelle den ganzen Quatsch, den er seit Jahren erzählt, wirklich selbst glaubt! Kaum zu glauben. Ich bin bislang davon ausgegangen, dass Westerwelle genau weiß, was für einen Blödsinn er daherredet, so wie ein guter Lobbyist das eben macht. Weit gefehlt. Er hat seine neoliberalen Mantren zehn lange Jahre heruntergebetet, Tag für Tag, da bliebt ihm gar nichts anderes mehr übrig, als es selbst zu glauben. Und wie ein kleines Kind wird er nun bockig, weil das Volk, das ihn ja angeblich gewählt hat, nicht mitspielt. So ein undankbares Volk.

Lustig ist eine weitere Reaktion Westerwelles auf das Dahinscheiden seiner halben Wählerschaft:

“Ich habe eine Engelsgeduld. Aber die FDP kann auch anders”

droht er via Spiegel der CDU. Wie kann sie denn anders, die FDP? Noch zwanghafter? Westerwelle sitzt in seinem lecken Ruderboot  und droht dem CDU-Tanker, dass er auch anders könne. Wie süß. Und das, wo man Merkel geradezu ansehen kann, dass sie sich in die große Koalition zurückwünscht.

Westerwelle will den neoliberalen Kurs verschärfen, denn “die Bürger” wollen das angeblich so. Er muss das so sagen, denn wenn es anders wäre, wäre die die FDP nicht mehr die fiktionale Mittelstandspartei, sondern auch in der Fiktion die Bonzenpartei, die sie real ohnehin ist. Das zuzugeben, würde ihren Untergang bedeuten.

Schade nur, dass die immer gleichen Schlachten geschlagen werden müssen. Vor ein paar Wochen war die deutsche Öffentlichkeit ganz empört über die Millionenzahlung dieses Mövenpick-Freaks. Es bestehe der Verdacht, dass die FDP käuflich sei, hörte man.

Ja, natürlich ist die FDP käuflich, was denn sonst?? Die FDP ist, spätestens seit Lambsdorff korrupt und der verlängerte Arm des Kapitals im Politbetrieb. Sonst nichts. Dass das allen Ernstes knapp 50 Prozent der FDP-Wähler nicht wussten, zeigt den traurigen Zustand politischer Bildung in Deutschland. Die Übriggebliebenen wissen besser Bescheid: Sie wollen eine korrupte Klientelpartei wählen und bekennen sich dazu.

Das ist ok. So weiß man wenigstens, woran man ist.

Mal sehn, wie´s weitergeht. Einen typisch liberalen Ausweg böte die Haiderisierung der Partei, so ein bisschen Möllemann, aber nicht so gegen die Juden, mehr so gegen das Prekariat gerichtet. Das sind ja schließlich nicht die, die “die Karre ziehen”. Die rechten Stammtische erobern, wobei Westerwelle dort nicht wirklich gut ankommt, zu affektiert, außerdem schwul. Demagogie könnte Westerwelle schon, derzeit scheitert er darin im Ansatz, denn es ist zu offensichtlich, dass er wegen der schlechten Umfragewerte getrieben wird.

Warum der Palästinenserchef die WM im TV schaute

Aus einem Interview des Spiegel vom Sommer 2006 mit dem damaligen palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija, Mitglied der Hamas:

SPIEGEL: Herr Ministerpräsident, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Hanija: Jetzt habe ich noch eine Frage. Ich bekleide neben dem Amt des Ministerpräsidenten auch den Posten des Sportministers. Früher habe ich selbst Fußball gespielt. Was muss ich tun, um von der Kanzlerin Angela Merkel eine Einladung für die Spiele der Fußballweltmeisterschaft zu erhalten?

SPIEGEL: Auch dafür müssten Sie wohl Israels Existenzrecht anerkennen und der Gewalt abschwören.

Hanija: Dann schaue ich mir die WM doch lieber im Fernsehen an.

Hanija galt seinerzeit als gemäßigter Vertreter seines Vereins.

Vor ein paar Tagen noch machte die Hamas klar, dass sie sich in einem Report für die Vereinten Nationen keinesfalls für zivile israelische Opfer des Gaza-Krieges vor einem Jahr entschuldigt habe. Das sei ein Missverständnis gewesen, man entschuldige sich nicht.

Ein paar Jahr vorher sagte der frühere israelische Ministerpräsident und General Ariel Sharon:

“Die Araber sollten jede Nacht und überall in nicht mehr als 500 Meter Entfernung jüdische Lichter sehen”

Wohlgemerkt in Palästina.

(zitiert nach Eyal Weizman: Sperrzonen. Israels Architektur der Besatzung. London 2007, S. 95).
Und der israelische Außenminister Lieberman verhält sich im derzeitigen Konflikt mit Syrien laut der liberalen israelischen Zeitung Haaretz wie

ein Tyrann aus der Nachbarschaft, der die schlimmsten rechtsextremen Schläger bedient“.

Wenn Hardliner auf beiden Seiten das Sagen haben, muss man sich nicht wundern. Wobei es psychologisch ja nachvollziehbar ist, dass sich in Spannungssituationen extreme und somit strukturell nicht friedensfähige Positionen gegenseitig hochschaukeln und dann auch noch fast nur testosterongeschwängerte Männer Gehör finden.

Und noch weniger wundern solche Positionen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass sich auch unter Deutschen, die weit weg sind vom Geschehen, auffällig viele Extremisten zu Wort melden. So behauptete der Betreiber von Mein Parteibuch vor einer Weile in diesem Blog, Israel habe das menschenverachtendste Regime der Welt. Schuld an allem sind also die Israelis.

Umgekehrt wandeln sich derzeit einige Rechtsaußendeutsche wie die Betreiber von Spirit of Entebbe in angebliche Israel-Freunde, was sich vor allem dadurch bemerkbar macht, dass sie Palästinenser nur noch abstrakt und als terroristische Masse darstellen, quasi entmenschlicht. Schuld an allem sind also die Palästinenser.

Zwei kleine Beispiele aus der Bloggerwelt. Diese extremen Positionen sind sich näher als sie ahnen, kultivierte Hassprediger. Deshalb wünschen sie sich insgeheim überall so starke Männer wie Hanija und Sharon.

Sie sind auf einem guten Weg.

Update, 10.2.: Einen hervorragenden, wenn auch zu langen Artikel zum Thema “Rassismus, als Antisemitismuskritik verkleidet” habe ich noch bei hagalil.com gefunden. Auszug:

In der Linken stehen die so genannten „Antideutschen“ an vorderster Front jener, die den Antisemitismus als islamimmanent betrachten. Moshe Zuckermann merkt dazu kritisch an, dass diese einer „Antisemitismuseuphorie“ frönen würden, „die den Begriff inzwischen fast vollends entleert hat“. Sie würden dabei auch einen enthistorisierten Zionismusbegriff verwenden und eine Ideologie vertreten, die „mit den ideologischen Positionen rechtsradikaler Siedler in den besetzten Gebieten“

Diese Kritik gilt genauso für evangelikale oder rechte Israel-Freunde. Auch deren Sorge angesichts des islamischen Antisemitismus ist nicht in diesem begründet, sondern in einem narzisstischen Identifikationsversuch mit den „Opfern“ der eigenen Tätervorfahren und im Rassismus gegen Muslime und Musliminnen.

Wie das antisemitische Ressentiment Teile des Rechtsextremismus und des Linksradikalismus mit dem politischen Islam zusammenführt, so führt das antimuslimische Ressentiment andere Teile der extremen Rechten mit manchen Linken zusammen.


Führer betreibt Bodenmanagment seit 1942

Falls ein Germanistikdozent ein anschauliches Beispiel für “Semantik” sucht, sei ihm folgende Anzeige in der israelischen Tageszeitung Haaretz vom 7. Februar zur Anschauung empfohlen:

Der Führer betreibt professionelles Grund-und-Boden-Management. Seit 1942.