…behaupten pikanterweise manche Juden, und zwar die ultraorthodoxen, die in dem Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim (Bild 1) wohnen. Sie sind gegen den Staat Israel, weil der nur vom Messias gegründet werden darf, nicht von gewöhnlichen Sterblichen. Die Ultraorthodoxen aus Mea Shearim haben auch etwas gegen die archäologischen Ausgrabungen, die israelische Behörden seit der Staatsgründung intensiviert haben, um vermutete israelitische Siedlungsstellen, gerne dreitausend Jahre alt, zutage zu fördern und so eine gewisse historische Begründung ihres Staates herzuleiten. Die Tora lügt nicht, sagen die Ultraorthodoxen, da braucht man nicht buddeln, um irgendwas zu finden, was sowieso da ist.
Die Vorfahren dieser Ultraorthodoxen sind in den 1870er Jahren aus Osteuropa eingewandert und haben Mea Shearim gegründet. Sie waren arm und ihre Nachfahren sind arm und haben sich allesamt um einen israelischen Staat nie gekümmert.
Man könnte meinen, die Hauptfeinde der Ultraorthodoxen sind die Zionisten. Sie sind nicht nur Rassisten, sondern auch Verursacher eines weiteren Holocaust an den Juden und selbst gar keine:
Mit den Palästinensern scheinen die Mea-Shearim-Leute insofern gut klarzukommen, als dass es keinerlei Berührungspunkte gibt: Man verlässt einfach sein Viertel nicht (und verbietet anderen den Zutritt). Imperialistisch kann man diese Auslegung von Religion nicht nennen. Man wartet einfach auf den Messias, der wird es schon richten. Eigentlich nicht das schlechteste Verhalten in einer Stadt, in der, keine fünf Kilometer weiter östlich, eine Politik der Landnahme immer weitere Teile der Westbank als israelisches Staatsgebiet faktisch festschreibt.
Die strikte Trennung von Juden und Zionisten geht zusammen mit dieser Buchreihe, gefunden in einem linken Buchladen in Jerusalem:
Dass Juden sich gegenseitig die Schuld an einem weiteren Holocaust vorwerfen, war mir neu. Die Welt ist nicht einfach im Nahen Osten.
(Fotos: genova, 2010)
















