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Das Glaubensbekenntnis des Pascal Lamy

22. Februar 2008 · Kommentar schreiben

Vanity Fair hat den Chefredakteur Ulf Poschardt rausgeschmissen. Laut taz kam Poschardt einfach nicht mehr zur Redaktionskonferenz. So geht das.

Bei der Gelegenheit lese ich eine Reportage in der aktuellen Ausgabe von Vanity Fair. Der Reporter Sebastian Esser stellt Pascal Lamy vor, den Chef der Welthandelsorganisation WTO. Seine Aufgabe ist es, den Welthandel liberaler zu gestalten, wie das heißt, also Zollschranken abzubauen. Lamy wird dargestellt als ein super Typ, der ständig joggen geht, ungemein energetisch ist, früher mal links war und jetzt Realist. Aus seiner linken Zeit ist wohl der Mao-Anzug übrig geblieben. Entfernt erinnert er mich an den Architekten Rem Kohlhaas.

Pascal Lamy

Pascal Lamy, Chef der Welthandelsorganisation WTO, trägt Mao-Anzüge und den Kapitalismus in den letzten Winkel

Er redet er oft mit Regierungsmitgliedern aus vielen Ländern, um sie vom Welthandel zu überzeugen. Esser war dabei, als Lamy mit dem Handelsminister „eines Karibikstaates“ verhandelt. Das Gespräch veranschaulicht prima das irrationale Dogma namens Neoliberalismus. Der Karibikminister versteht nicht so recht, so schreibt Esser,

warum sein armes Land Zölle senken soll, damit billige Elektronikprodukte aus dem Westen hereinströmen. „Auch die entwickelten Länder waren einmal Entwicklungsländer und haben sich mit Zöllen gegen Wettbewerb geschützt, sonst wären sie nicht so reich“, sagt der Mann. Lamy nickt zustimmend, aber zuckt dann mit den Schultern. Es ist mal wieder an der Zeit, sein Glaubensbekenntnis abzulegen: „Zu freiem Handel gibt es keine Alternative: Das kann man gut finden oder nicht, fair oder nicht, aber es ist so“, sagt er. Der Minister nickt nachdenklich.

Hervorragend. Der Minister argumentiert sachlich und man würde eine sachliche Entgegnung Lamys erwarten. Stattdessen kommt er mit dem Glaubensbekenntnis TINA. Den Freihandel darf man sogar unfair finden, aber so ist nun mal die Welt. Dass der Minister darauf nachdenklich nickt, stimmt eher bedenklich.

Der Mensch ist gefangen im Lauf der Welt und kann eh nichts ändern. Das ist offenbar so ähnlich wie beim instinktgeleiteten Tier. Ein schönes Beispiel für den antiaufklärerischen Impetus dieser Leute.

Vielleicht sieht Sebastian Esser das genauso. In seiner Reportage lässt er es sich jedenfalls nicht anmerken.

Kategorien: Kapitalismus · Politik · Wirtschaft · Zeitschriften
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