Monatsarchiv: Januar 2001

Schneller bei Mutti

Gestern Mittag zur Post geradelt, um ein Paket abzuholen, von dem ich nicht weiß, wer es mir geschickt hat. Die Post war schon zu, kurz nach eins. Die machen tatsächlich samstags um 12 Uhr zu. Damit der nette Postbeamte schon um halb eins bei Mutti am Mittagstisch sitzen kann. Das ist wie im Sozialismus. Also warten bis Montag.

“Synchronisation ist eine provinzielle Bauchrednerkunst”

Synchronisation ist eine provinzielle Bauchrednerkunst aus der Zeit des Faschismus, die fast nur noch in Deutschland eingesetzt wird, schreibt der Spiegel.

Meine Rede.

Schwindelerregende Architektur

Wolfenbütteler Architekturstreit. Ob das mal so in einer Architekturgeschichte stehen wird? Ein schöner alter Bau aus dem soundsovielten Jahrhundert. Der hat aber nicht mehr genug Platz, ein Anbau muss her. Ein Architekt will eine Schuhschachtel (Berliner Zeitung) hinstellen, wohl ein modernes Gebäude. Leider habe ich noch nirgendwo ein Modell dieses Neubaus gesehen. Und nun hat sich eine Bürgerinitiative gegen die Schuhschachtel gegründet. Die wollen ein original altes Gebäude da hinbauen.

Woher kommt das? Warum vertraut man zeitgenössischer Architektur nicht? Weil der Großteil der Deutschen reaktionär ist. Oder weil moderne Architekten, spätestens seit den 50ern, so enttäuscht haben? Wenn es stimmt, dass Architektur Abbild der Gesellschaft ist, wird mir schwindelig. Und wenn ich an die Neubausiedlungen denke, die ich in Mecklenburg-Vorpommern gesehen habe, wird mir schwarz vor Augen. Nein, nicht die Plattenbauten.

Der Mensch braucht Fernziele, weil Nahziele die Fantasie nicht befriedigen, sagt Rolf Hochhuth im Fernsehen. Geht das mit Wolffenbüttel zusammen? Ich komme darauf zurück. Egal jetzt.

Michael Glos unter Kommunismusverdacht

Der CSU-Landesgruppenchef Michael Glos regt sich auf, weil sein neuer Dienstwagen BMW 735i das Kennzeichen B-KP… zugewiesen bekam. Er habe nichts mit der Kommunistischen Partei zu tun. Steht so in der Berliner Zeitung.

Was ist eigentlich ein Landesgruppenchef? Klingt nach vertriebenen Schlesiern. Und warum bekommt der so einen riesen Dienstwagen?

Sprechhemmung in der Judengasse

“Ich weigere mich, das Wort Judengasse auszusprechen”, hat B. gesagt. Das klänge so, als wären da Juden zusammengetrieben worden. Wahrscheinlich wars auch so, denke ich mir.

Irgendwo hat kürzlich irgendein gebildeter Mensch gesagt, dass er vor 68 das Wort Jude kaum aussprechen konnte, weil es ein Schimpfwort war.