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Zur Problematik der systemimannenten Kapitalismuskritik

Aus der lesenswerten und schön kurzen “Geschichte des Kapitalismus” (Beck´sche Reihe) von Jürgen Kocka, linksliberaler Historiker (Hervorhebungen von mir, g.):

Die internationale Finanzkrise von 2008, die im Übrigen mehrere Gründe hatte, zeigt unübersehbar, welch selbstzerstörerische und allgemeingefährliche Potenziale in der Dynamik des neuen Investorenkapitalismus stecken, wenn er sich selbst, und das heißt, den Bankern, Investoren, Maklern, Analysten und sonstigen “Geldmanagern” überlassen bleibt. Es geht darum, neue Formen der Einbettung zu finden. Ob das gelingt, ist noch offen. (S. 98 f.)

Letztlich resultiert sie [die globale Herausforderung, g.] wie die Finanzialisierung aus der immer durchdringenderen Anwendung der immer dominanter werdenden Prinzipien des Marktes in immer mehr Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft unter den Bedingungen der digitalisierten weltweiten Kommunikation. Die Milderung der sich daraus ergebenden großen sozialen Probleme wird ohne kräftige Intervention starker Staaten nicht gelingen. (S. 112 f.)

Drittens entwickelt der Kapitalismus gerade auf fortgeschrittenen Stufen seiner Entwicklung Wirkungen, die sich störend bis zerstörerisch auf seine soziale, kulturelle und politische Umwelt auswirken und seine gesellschaftliche Akzeptanz in Frage stellen können … wenn nicht sozialstaatlich gegengesteuert wird. (S. 122)

Und schließlich:

Die historischen Erfahrungen zeigen, dass die destabilisierenden gesellschaftlichen Folgen des Kapitalismus mit staatlichen Mitteln zumindest gelindert werden können, wenn ein Gemeinwesen in der Lage ist, solche Mittel auch gegen Widerstand zu mobilisieren und mit Augenmaß einzusetzen … Es liegt auf der Hand, dass die Existenz oder das Fehlen einer Protestkultur, der Entwicklungsstand der politischen Öffentlichkeit und die Eigenarten des politischen Systems sehr stark darüber mitentscheiden, ob ökonomische und soziale Missstände zu sozialen Bewegungen und staatlichen Interventionen führen, die, falls erfolgreich, die Sozialverträglichkeit des Kapitalismus steigern und damit seine Überlebensfähigkeit verbessern können. (S. 123)

Was will ich damit sagen? Kocka vertritt die These, dass der Kapitalismus selbstzerstörerisch ist und deshalb eine starke Zivilgesellschaft braucht, um ihn immer wieder humanistisch anzupassen. Das läuft dann über den Sozialstaat, der sich von der Zivilgesellschaft, von “sozialen Bewegungen” anfeuern lässt.

Sicher nicht falsch. Aber es ist doch eine merkwürdige Dialektik: Der Kapitalismus ist asozial und bedarf der permanenten Gegensteuerung vernünftiger Kräfte, die sich pausenlos mit großer Mühe artikulieren müssen. Der Vorteil des Kapitalismus liegt folglich darin, um jeden Preis Rendite erzielen zu wollen und die dafür nötigen Kapitalmittel aufbringen zu können.

Der Nachteil ist der Rest, um den sich dann die Sozialen kümmern sollen.

Doch warum sollen sich kritische Leute permanent den Arsch aufreißen, um das System zu stabilisieren? Selbst wenn es zum Wohle aller wäre, ist das doch ein Haufen Arbeit, der auch noch mit persönlichen Nachteilen einhergeht. Ich empfehle Kocka einen Wohnsitz in Düsseldorf und gleichzeitige kapitalismuskritische Betätigung im öffentlichen Raum.

Wenn man also Kapitalismuskritik als notwendig fürs Überleben des Kapitalismus betrachtet, dann sollte diese über Sozialetat im Bundeshaushalt finanziert werden. Kocka hätte ansprechen sollen, dass der Mehrwert, den das Kapital dem Arbeiter klaut, auch für die eigene Propaganda genutzt wird. Die Gegenseite muss Hunderttausende durch die Gegend karren und zwecks einer Demonstration auf einen Platz stellen. Dazu lange Laufwege. Der Samstag ist futsch. Das Kapital liegt auf der Jacht und lacht sich ins Fäustchen: Hier opfern Menschenmassen ihre Freizeit, um dem System das Überleben zu ermöglichen.

Aber selbst gesetzt den Fall, diese Dialektik zwischen effizientem Geldverdienen durch die einen und sozialem Ausgleich durch die anderen funktioniert theoretisch: Ob die Einbettung des Finanzkapitalismus gelingt, “ist noch offen”. Das liege auch, so Kocka, an den den schwächer werdenden Nationalstaaten und den technologischen Möglichkeiten des Kapitals, sich zu verkrümeln.

Insofern stellt sich die Frage, ob die kapitalistische Logik, also ein System, das wie ein Raubtier der ständigen Zähmung bedarf, die kaum noch gelingt, nicht eher eine Zumutung ist. Die Zähmung gelingt nicht, weil das Kapital nicht anders kann, als jede Kritik an ihm zu zerstören. Kocka redet der sozialdemokratischen Variante der sozialstaatlichen Einhegung das Wort und übersieht, dass gerade die Sozialdemokratie alles dafür tut, diese Einhegung zu verhindern. Weltweit.

Kocka ist hier leider Teil des Establishments, das im entscheidenden Augenblick das Denken einstellt. Nämlich dann, wenn die Systemfrage gestellt werden müsste. Nicht, weil man scharf auf Revolte ist. Sondern weil vernünftiges Denken es gebietet.

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Israel, Gaza und die Strategie der Spannung

Ein sehr lesenswerter Artikel zum aktuellen Nahostkonflikt bei che. Auszug:

Da hatte die Hamas noch vor wenigen Wochen eigentlich fertig. Nachdem Hilfe aus Syrien ausblieb und sowohl Ägypten als auch der Iran ihre Hilfe für Hamas eingestellt hatten ist der Laden pleite. Selbst die Koalition mit der Fatah ist ein Akt der Verzweiflung. Also wurden drei Torah-Schüler entführt und ermordet, um Gegenterror – die Verbrennung eines palästinensischen Jugendlichen durch israelische Extremisten – zu provozieren, um einen Vorwand für Raketenangriffe auf Israel zu haben, die israelische Luftangriffe auf den Gazastreifen zwangsläufig zur Folge haben. Denn genau das liegt im Interesse der Hamas: Bomben auf Gaza.

Ein Großteil der Palis war kurz davor, en masse gegen die Hamas auf die Straßen zu gehen, im Sinne einer nicht mehr kontrollierbaren Bewegung wie dem Ägyptischen Frühling. Davon redet niemand mehr, Israels Bomben schweißen zusammen. Die Hamas nimmt ihre eigene Bevölkerung als Geisel.

Umgekehrt braucht auch die israelische Regierung den Unfrieden mit den Palis. Kein westliches Land ist sozial so sehr gespalten wie Israel, gäbe es keinen Palästina-Konflikt wären längst die Massen auf den Barrikaden. “Occupy” war bis vor kurzem in Tel Aviv eine Bewegung, bei der Zehntausende bis über ein Jahr lang in Zelten auf blockierten Straßen wohnten, um gegen die sozialen Verhältnisse zu protestieren – mit Forderungen wie Enteignung der Reichen. Auch für Israel ist der Krieg mit den Palis ein Instrument zur Erhaltung des “sozialen Friedens” – besser gesagt des Erhalts der Klassenherrschaft.

Dass die Tyrannei des Nationalen der Verhinderung des sozialen Aufstands dient wird in keinem Konflikt so deutlich sichtbar wie in diesem.

Für soziale Revolution weltweit!

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097 (2)(Fotos: genova 2004, 2013)

Der Gott der Bundeswehr

Gott nennt sich bei der Bundeswehr Standortältester. Ein tolles Wort. Der darf alles.

Ist der Standortälteste einfach nur der älteste Mann, der auf dem Gelände herumläuft? Ist das der Respekt vorm Alter? Hat der Standortälteste weitere Merkmale? Oder gibt es auch Standortälteste, die seit 40 Jahren in der Kaserne abhängen und gerademal vom Soldat zum Gefreiten befördert wurden, keinen Ehrgeiz haben, komplette Nieten sind, aber eben alt geworden? Vierzig Jahre eine Null und plötzlich der Boss vom Ganzen, nur weil eine noch ältere Null gestorben ist?

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Immerhin entscheidet der Standortälteste nicht nur über den Einsatz von Schusswaffen, sondern bestimmt auch, wann das Standlicht angeschaltet werden muss. Was unternimmt der Standortälteste eigentlich, wenn der Besucher vor dem geschlossenen Tor den Motor aus-, das Standlicht anstellt, aussteigt, aber die Ausweise nicht unaufgefordert vorweist? Oder wenn er den Motor an- und das Standlicht ausstellt? Oder wenn er das Standlicht anstellt,  aber einsteigt? Oder wenn er in den Motor einsteigt, das Standlicht aber aussteigt und den Ausweis unaufgefordert vorweist? Kommt es dann schon zum Einsatz der Schusswaffe?

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Immerhin scheint sich der Standortälteste gut mit Gesetzen auszukennen. § 109g fordert eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, wenn man durch Fotografieren “wissentlich die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland oder die Schlagkraft der Truppe gefährdet”. Dass ein solch lustiges Wort wie Schlagkraft im Strafgesetzbuch steht, wundert ein wenig.

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PiÜbl(w) klingt schon besser: Bis auf den Standortältesten weiß wohl keiner, was das ist. Doch solange alle Tore geschlossen sind, kann man nichts falsch gemacht haben.

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Aber auch Kritik muss erlaubt sein: Der Standortälteste hält offenbar nichts von Umweltschutz und weigert sich, unter die Granulatwarnung seinen Otto zu setzen. Was sagt Frau von der Leyen dazu?

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Architektur und Dogma 3 – “keine Sprache mehr, nur noch Pragmatik”

Das deutsch-italienisch Architekturbüro Kühn-Malvezzi hat sich vor einiger Zeit beim Wettbewerb fürs Berliner Stadtschloss beteiligt. Ich hatte das nach kurzem Wundern  wieder vergessen, jetzt begründeten die drei ihren Schloss-Entwurf in archplus (Nr. 214, Supplement):

“Die für uns entscheidende Lehre von Ungers ist die Idee, dass man Kontext nicht vorfindet, sondern selbst schafft, dass die Arbeit des Architekten Kontextproduktion ist…

Rossi und Ungers hatten noch eine Sprache. Bei uns gibt es keine Sprache mehr, nur noch Pragmatik. Wir schaffen einen Kontext, benutzen aber keine Sprache. Wir haben keine festen Elemente.”

archplus: Was bedeutet Pragmatik in Bezug zur Architektur? Pragmatik ist, linguistisch betrachtet, die Lehre, wie ein Satz dadurch Bedeutung erlangt, wer ihn wann wie wo spricht.

“In der Architektur bedeutet Pragmatik die kontextabhängige Anwendung architektonischer Elemente.”

archplus: Es geht also analog zur Sprachtheorie um den Gebrauch von Elementen in einer konkreten Situation und in einem bestimmten Kontext. Nach Wittgenstein ergibt sich die Bedeutung einer Sache aus ihrem Gebrauch.

“Aus diesem Grund kann man auch heute ein Schloss bauen; genau deshalb haben wir das Humboldt-Forum als Bauaufgabe akzeptiert. Denn man kann es gebrauchen, aber anders gebrauchen! Durch den Gebrauch verändern wir seine Bedeutung.”

So weit, so merkwürdig. Natürlich schafft ein Architekt nicht alleine einen Kontext, sondern er schafft das Haus. Zusammenhänge werden nie nur von EINER Partei hergestellt, dazu gehören zumindest zwei. Auch wenn man von einer Kommunikationssituation ausgeht, die durch Architektur hergestellt wird, steht das Haus nicht im virtuellen, sondern in einem realen Raum mit ganz realen Bezügen und einer langen Geschichte. Nimmt der Architekt diese Geschichte in seine Arbeit auf, passiert (wenn es gut läuft) auf beiden Seiten etwas: im Haus und in der Geschichte der Umgebung.

In Sachen Schloss wird es argumentativ skurril. Eine eigene Sprache gibt es nicht mehr, deshalb ist alles erlaubt. Ein Schloss ist kein Schloss mehr, sondern sprachlich nur noch ein ahistorischer, unbestimmter, beliebiger Kasten, aber mit bestimmten Merkmalen (Säulen, Pfeilern, einer bestimmten Kubatur, einer Kuppel, einer bestimmten Fassadengliederung, Portalen, Höfen usw.), die ganz exakt genau eines darstellen: ein Schloss. Nur ist es nach Kühn und Malvezzi lediglich die Hülle. Der Inhalt wird kontextmäßig vom Architekten bestimmt. Der Architekt baut ein Haus und schafft damit dessen Kontext. Offenbar alleine, ohne andere Materialitäten in der Nachbarschaft. Er schafft das ohne eine architektonische Sprache, die ist abhanden gekommen. Die architektonischen Elemente sind folglich nur Satzteile oder Satzfetzen, die je nach Kontext ausgewählt werden. Der Kontext selbst wird aber erst durch den Architekten geschaffen. Es ist eine radikalisierte Version des dekorierten Schuppens.

Es ist die Vorstellung, dass eine Schlossfassade keinerlei historisches Wissen beinhaltet, sondern rein in der Gegenwart, rein ahistorisch gelesen werden kann. Laut Kühn und Malvezzi sind somit alle öffentlichen Auseinandersetzungen über das Berliner Schloss der vergangenen 20 Jahre, alle Beiträge aus der rechten Ecke, die sich nicht nur fürs Schloss, sondern für die gesellschaftliche Reaktion aussprechen, sinnlos. Es gibt ja keine Sprache, also kann auch keine rekonstruiert werden.

Ob man die Hülle eines Schlosses baut oder die eines KZ, ist demnach egal.

Und selbst wenn es so wäre: Warum braucht es an der Stelle des ehemaligen Schlosses in Berlin wieder ein Schloss? Doch bitte nicht wegen der Kubatur, dem lächerlichsten Argument der Schlossbefürworter.

Wittgenstein ist angeblich der Kronzeuge für diese Haltung. Der sagte, dass sich die Bedeutung einer Sache aus ihrem Gebrauch ergibt. Sicher muss in das neue Schloss nicht zwangsläufig wieder ein Monarch einziehen. Aber es ist absurd, die ideologische Aufladung von Architektur zu ignorieren. Es bedeutet die Inexistenz eines historischen Gedächtnisses. Das Haus Wittgenstein, ein mit maßgeblichem Einfluss von Wittengstein in den 1920ern gebautes großbürgerliches Wohnaus, kann für diese Haltung nicht in Stellung gebracht werden. Gerade dort wurde auf alles Historische verzichtet, ein zumindest formal radikal neues Bauen. Und es hatte natürlich seine Gründe, warum Wittgenstein auf formale Anleihen an die Vergangenheit verzichtete. Auf etwas verzichten kann ich nur, wenn ich seine Existenz nicht negiere. Von wegen “keine Sprache”.

Es ist so eine Art radikalisierte Variante der banalen Richtung postmoderner Architektur. Wo seinerzeit der dekorierte Schuppen gefordert wurde, also ein stilloses Gebäude, an das Zeichen äußerlich drangeklatscht werden, soll hier ausgerechnet das hochpolitische Stadtschloss Berlin verharmlost werden, indem man schlicht behauptet, wir sprächen die Sprache des Schlosses nicht mehr, also existiere sie nicht und auch unser Bewusstsein darüber sei nicht existent. Und genau deshalb können wir die Sprache des Schlosses wieder aufbauen. Da wir sie eh nicht verstehen.

So geht die Pragmatik von Kühn und Malvezzi.

Skurril auch, dass der Kühn-Malvezzische Schlossentwurf von den Medien als geheimer Sieger gefeiert wurde, weil er angeblich so fortschrittlich ist. Kühn und Malvezzi waren so unerhört mutig, die haben auf die Kuppel verzichtet, die alten Widerstandskämpfer.

Vielleicht aber sollte man Kühn-Malvezzi in ihren Äußerungen einfach nicht ernst nehmen.

Ich ziehe deshalb eine banale Begründung für die Kuehn-Malvezzischen rhetorischen Verrenkungen vor: Die Teilnahme am Schlosswettbewerb ist aufmerksamkeitsökonomisch gewinnbringend, wer kann da schon nein sagen? Und es hat sich gelohnt. Ihr Entwurf wird zwar nicht realisiert, aber die Jury sprach ihnen einen “Sonderpreis” zu; dotiert mit sage und schreibe 60.000 Euro. Das sind exakt 60.000 Gründe, die genannten merkwürdigen rhetorischen Verrenkungen anzustellen.

Je einsamer der Mensch, desto penetranter das Kollektiv

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Berlin und Marseille

Der französische Architekt Rudy Riciotti:

“Wissen Sie, es ist ein Mythos, dass sich wegen der billigen Mieten in Marseille nun immer mehr Künstler aus Paris niederlassen. Diese Mamasöhnchen würden es hier nicht aushalten, die gehen lieber nach Berlin, wo sie ihre Biosalate essen können.” (Quelle habe ich vergessen, g.)

Klingt zuerst ganz nett, aber nach kurzem Nachdenken daneben. Muttersöhnchen steht als Synonym für die Härte der Stadt, auf der Riciotti wohl stolz ist. 30 Prozent der Marseillaner leben unterhalb der Armutsgrenze.  Und was gegen Biosalat einzuwenden ist, habe ich auch noch nicht kapiert. Es ist ein ähnliches Niveau wie kritische Bemerkungen über Latte macchiato und Yoga. Man kann an der Latte  nichts festmachen, obwohl das die Zeitgeisterklärer so gerne versuchen. Man kann sich aber offenbar als cool und authentisch präsentieren, wenn man sich gegen Muttersöhnchen und Biosalat positioniert.

Es hat etwas vom Rockstar, der sich als Macker mit Muckis präsentiert, als Cowboy, ständig zum Abzug bereit. Diese demonstrierte Härte gegen die Muttersöhnchen in Stellung zu bringen, ist heute so lächerlich wie die Rocker auf ihren Maschinen.

Die Vorteile von Marseille gegenüber Berlin sind offensichtlich: Schöne Landschaft, ein angenehmeres Stadtbild, in dem man schwelgen kann, ohne auf Rekonstruktion und Verhübschung zu treffen, eine extrem geile öffentliche Bibliothek mitten in der Stadt, viel Sonne, höhere Temperaturen, die Abwesenheit von Brandenburg/DDR/Ostsee/Deutschland und Berlinern und ihrem Dialekt, die Anwesenheit von Mittelmeer und allem, was dazu gehört, die Nähe zu Italien und anderen Kulturgegenden. Die Existenz enger, lebendiger Viertel, die Abwesenheit von Leuten mit Sendungsbewusstsein.

Reicht doch.

Damit will ich aber nichts gegen Riciottis Qualitäten als Architekt gesagt haben.